Georg Munck und Anna Schlüter

By Simon Dach

Written 1632-01-01 - 1632-01-01

Was thut Herr Munck

Für einen Sprung?

Nicht von des Thurmes Spitzen,

Wer also springt,

Nach Vnglük ringt,

Kömpt ziemlich schlecht zu sitzen.

Der Fürwitz hat

Bey jhm nicht stat,

Er lässt bisher ja mercken

Nur allerhand

Glimpff und Verstand

In allen seinen Wercken.

Wer Ehloß lebt,

Derselbe schwebt

Fürwar auff hohen Zinnen,

Von dannen man

Gar leichtlich kan

Gefahr und Fall gewinnen.

Wie mancher ist,

Der sich die List

Hie kläglich lässet fällen,

Vnd einen Sprung

Durch Venus Trunck

Thut gar bis in die Hellen!

Nein, der Gefahr

Wird er gewahr

Vnd wil so steil nicht stehen,

Er schawt umbher

Die läng' und quer

Von dieses Gipffels Höhen.

Nur schwerer Fall

Wohnt überall,

In solchem Vngehewer

Schwingt er den Sinn

Gen Himmel hin,

Der kömpt jhm auch zu stewer.

Legt Flügel an

Dem guten Mann,

Die Rath und Vorsicht führen,

Zerweht jhm auch

Der Augen Rauch

Vnd lässt jhn heller spüren.

Es steht ein Saal

Im Heyraht-Thal

Mit Myrten gantz umbfangen,

Da Lieb und Trew

Vnd Rhu dabey

An allen Bäumen hangen.

Da schawt er hin,

Die Schlüterinn,

Gekrönt mit Ehr und Tugend,

Schöpfft ohngefehr

Lust da umbher

Nach Art der keuschen Jugend.

Da bald Herr Munck

Fasst einen Schwung,

Sie sieht jhn abwerts fahren

Vnd läufft jhm ein,

(Was kan nicht seyn,

Wenn etwas sich sol paaren?)

Vnd in dem Lauff

Fasst sie jhn auff,

Er bleibet gar beliegen

Des Kummers loß

In jhrem Schoß.

Wol dem, der so kan fliegen.

Der Sprung gebähr

Jhm kein Beschwer,

Wir wünschen jhm zusammen,

Daß manche Funck

Was? mancher Munck

Entspring' aus jhren Flammen.