Geranium.
Die verschiedlich rothe Gluth, das Rubinen-gleiche funckeln
Von den Tulpen, von den Rosen, Malva, Nelcken, Mah,
Hab’ ich mit vergnügter Seelen, offt erstaunet angeblickt,
Offt zu GOTTES Ruhm betrachtet, offt Den, Der sie so
Inniglich gerührt besungen. Jetzt erblick ich abermahl
Eine neue rothe Schönheit, einen Flammen-reichen Strahl,
Der mir, wie ein schneller Blitz, durch das Aug’ ins Her-
Meiner Andacht Gluth entzündet, mich recht inniglich ver-
Ja für Lust mich fast verwirret. Für Verwundrung ward
Als ich jüngst dein Feur erblickte, funckelndes
Deine lieblich helle Röthe, ob sie gleich ein wenig blaß,
Ist dennoch von solcher Krafft, daß sie dem Rubin-Balaß
Nicht nur gleicht; ihn übertrifft. Wie es lässt, so strahlt,
Aus desselben glatten Blättern keine Farb’, ein röthlich
Und dringt durch das Aug’ ins Hertze, weckt den einge-
Vom Gewohnheits-Schlummer auf, facht der Andacht Flam-
Lenckt der Seelen rege Krafft, durch die Lust, zum Schöpfer
Dessen Allmacht, Weisheit, Liebe man am besten ehren kann,
Durch Empfindlichkeit der Wunder, die Sein’ Allmacht,
Aus der tieffen Nacht des Nichts, voller Schönheit, Glantz
Voller Nutzen, voller Krafft, durch ein Wort hervor ge-
Ein, durch eine solche Lust, Jhm zum Ruhm, gerührt
Ist dem Schöpfer angenehm, darüm lasset uns allhier
Etwas näher noch betrachten dieser Bluhmen Schmuck und
Wenn wir dieser Bluhmen Stengel, woran hundert
Mit Betrachtungs-vollen Blicken, wie wir billig sollten
Und von unten mit den Augen allgemählig aufwärts gehn;
Finden wir, daß alle Stengel, wie die Stengel insgemein,
Allgemach sich auch verdünnen. Und hierüber fiel mir ein:
Ach! wie unbegreifflich sind, zu bewundernde Natur,
Deine Wercke! wer kann fassen, wer begreiffet, wie behende
Dein Gewerbe, deine Wege? Wo des Stengels Grün zu
Zeigt sich gleich ein feurig Roth. Wer facht diese rothe
Eben an dem Ort doch an? Welcher Finger, welche Hand,
Welcher Pinsel, welche Kunst, welch erfindender Verstand
Färbt die Stelle sonder Farben? Hier erstaunen unsre
Und, weil mans nicht fassen kann,
Beten sie mit Lust und Ehrfurcht, und mit Andacht billig an
Den Allmächtigen, in Wercken bloß allein, erblickten Meister,
Der ohn Ende Wunder thut. Spitz geschliffenen Rubinen,
In polirten Schmeltz gefasst, gleichen, in dem schönen grünen,
Die noch halb geschlossne Knöpfchen. Aber wann sie offen
Sind sie, wie gesagt, von Farben schöner fast, als Wunder-
Laub und Blätter sind zugleich, an der schönen Creatur,
Von recht künstlichem Gewircke, von besonderer Figur.
Fast fünf Sechstel eines Circuls, der mit Regel-rechter Zier
Auf den Ecken ausgeschnitten, stellen sie den Augen für.
Jhre Farb ist dunckel-grün, ihr Geweb’ ist dicht und weich,
Und dem allerfeinsten Tuche, ja fast gar dem Sammet, gleich.
Wann im Herbst fast überall nichts als gelbe Bluh-
Sieht man dich, o herrlichs Blühmchen, noch in voller Nö-