Gesang an den Cyrus

By Johann Gottfried Herder

Written 1762-01-01 - 1762-01-01

Du bist! Gesalbter, den uns Gott versprach!

Es glänzt Dein neues Reich

Den Himmel auf. Die Völker feiern nach

Und knien. Der Mond erhebt es bleich.

Jehovah, der zu Meeren spricht: „Verseigt!

Es wachse Land hervor,

Und aus ihm Gold!“ sprach zu den ... „Weicht!“

Er sprach's: es wuchs ein Baum empor.

Aus der Mandane dunklem Schooß kam er,

Und Asien ist kaum

Zum weiten Schatten g'nug, vom schwarzen Meer

Bis zu des rothen Purpursaum.

Der Herr rief Dich und nahm Dich bei der Hand;

Man sah Dich – Alles wich;

Die Hügel flohn; es bückte sich das Land;

Denn er ging vor Dir königlich!

Und Riegel, Thore, Schloß zerbrach der Herr;

Da gab er Dir zum Lohn

Der Tiefe Schätze. Wer ist mächtiger

Und schöner als Jehovens Thron!

„Er schaffet Frieden,“ spricht des Lichtes Aufgang;

„Er ist, er ist der Herr!“

„Er schaffet Uebel,“ spricht der Niedergang,

Und Cyrus spricht: „Er ist der Herr!“

Die Ceder bebe! durch des Tempels Schutt

Rausch' heil'ge Sympathie!

Er spricht zur Stadt und Tempel: „Seid gebaut!“ – es thut

Es Cyrus, und – da stehen sie!

Der gürtet Königen das Blutschwert ab

Und regnet Ruh und Glück

Auf seine Heerden; Fremde giebt sein Stab

Dem ersten Hirten gern zurück.

O hüpfe, Volk! wie sich die Taube freut,

Wenn sich ihr Retter naht.

So lechzt das Kind zur Mutter hin; sie beut

Ihm ihre Brust, um die es bat,

Und weint und sieht herab. Es trinkt und blickt

Ihr lächelnd Dank herauf.

O König, schau vom Throne! Juda schickt

Dir mindstens eine Thräne auf.