Gesang auf die Geburt des Bacchus

By Maler Müller

Written 1787-01-01 - 1787-01-01

Mich senget dürrer Durst! Füll', Knabe,

Den goldnen Becher hier.

Ha! Lieblich teilst du, Evan, deine Gabe;

Wie bist du Freudenvater mir!

Füll' wieder! Wonnequell! Geschenke

Der Götter! Süßer Wein!

Ein jeder Tropfen, seliges Getränke

Von dir, schließt einen Himmel ein.

Wo irr' ich? – Evan! – In Corycens Grotte

Umtanzen die Bacchiden mich.

Begeistert, heilig, tauml' ich voll vom Gotte;

Die schöne Sonne hüpft um mich –

Hüpft' fröhlich auf, es fliehen meine Sinnen

Und meine Seele schwimmt in Glanz,

Mein sträubend Haar durchbebt Glut der Bacchantinnen –

Ich seh', ich seh' dich Vater ganz,

Wie kindlich du im lichten Maientraume

Einst unter goldnem Nymphenchor

Gebunden lagst von Reben an dem Baume

Und schnell die Traube wuchs hervor:

Und Nysa ließ in goldne Schalen träufeln

Der freudenschwangern Beere Saft,

Voll Lust auf dich nun staunt und länger nicht will Zweifeln:

Du seist ein Gott der Kraft.

Geheiligt durch den Wein, der Aug' und Lippen

Bald angeflammt, sieht sie nun den Silen,

Zehntausend Thyrsusträger, hoch auf Wolkenklippen

Die Götter um dich stehn.

Prophetisch dann, mit hingestorbnen Blicken

Und seelenvollem Haar,

Heult sie herab voll dithyrambischen Entzücken:

O heilig! heilig! Bromius gebar,

O Evan! Stolzer Evan, Jacche!

Aus Zeus Umarmung, eingehüllt

Vom roten Blitz, an Dyrcens Quell dich, Bacche,

Des mächt'gen Vaters Ebenbild,

Der goldnen Schlangen Tochter Semele! Die Götter,

Sie prunken vom Olymp den Tag,

Neunmal umleuchtet Zeus in einem Donnerwetter

Den Erdball, der in trunknem Schlummer lag.

Dem Jubel neigt die Erde ihre Ohren,

Daß Sonne, Mond und Himmel singt

Vom stolzen Knaben, der kaum neu geboren

Schon unter Rebenlauben springt.

Froh hören's die Gestirne, die da glänzen

Im Himmelsmeer; da dreht

In mystisch heilig labyrinth'schen Tänzen

Sich jeder taumelnde Planet.

Da taumeln Wälder, finstre Grotten hüpfen!

Heil' dir! Heut küsset dich die Lust,

O Welt, zum ersten Mal! Verjünget mußt du hüpfen:

Der Freudenschöpfer ruht an deiner Brust.

Und heilige Gebirge zauchzen, springen

Vom Hymnus: Heil dir, Tag

Des Taumels! und hundertzüngig singen:

Heil dir! die Täler nach!