Gesetzter Leichen-Stein Hn. B. S. den 31. Julii 1670.

By Heinrich Mühlpfort

Weil unser Fleisch und Blut sind Kleider die verwesen

Und dieses irrdne Haus verfällt in seinen Sand

So ließ die kluge Welt noch ihr Gedächtnüß lesen

Und hat den grösten Fleiß auff Gräbern angewand.

Rom wolt’ ein ewig Licht den Abgelebten brennen

Aegypten führte Thürm und hohe Säulen auff;

Viel gaben die Begier durch Tempel zu erkennen

In welchen einverleibt der Todten Lebens-Lauff.

Es muste Morgenland den besten Balsam schicken

Und angenehmes Oel sie mit zu salben ein.

Der letzte Wille hieß das Grab mit Fleiß zu schmücken

Und es mit Lilien und Rosen zu bestreun.

Es stunden Redner auff die mit beredter Zungen

Der grimmen Sterbligkeit entgegen sich gesetzt

Es ward des Todten Ruhm durch Lieder abgesungen

Der besten Thaten Ruff in Stein und Stahl geetzt.

Ich wil den grauen Mund der alten Zeit nicht fragen

Noch frembder Völcker Recht und Bräuche führen an;

Denn wo wir mehr zu sehn nur ein Verlangen tragen

So ist der

Jhr Eifer der sie trieb die Gräber auffzubauen

Die Liebe so sie auch die Steine legen hieß

Und drein mit kluger Kunst ein Angedencken hauen

So voller Weißheit war diß macht uns schon gewiß.

Und einen grossen Ruhm begriffen kurtze Zeilen

Das Schwerdt wormit sie offt den stoltzen Feind erlegt

Hing an dem Leichen-Stein als wie an Ehren-Säulen

In die der Helden Lob und Thaten eingeprägt.

Auff diese Weise nun blieb feurigen Gemüthern

Des Namens Ewigkeit zu stifften eingepflantzt

Sie sahn den Untergang von allen irrd’ schen Gütern

Und daß des Menschen Thun mit Noth und Tod umbschantzt.

Allein die Eitelkeit hat Meister hier gespielet

Vergessenheit nnd Neid was reissen sie nicht ein?

Was hat die Tyranney der Zeiten nicht durchwühlet

Daß solche Gräber nun ein Hauffen Steine seyn?

Sol denn ein Ehren-Mahl auff dieser Welt uns bleiben

Das nicht gebrechlich ist und so wie wir vergeht

So muß die Tugend uns die Grabe-Zeilen schreiben

Die ists wenn gleich die Welt wird brennen so besteht.

Herr S

Und nach bekandtem Brauch der Erden anvertraun

Kan die gemeine Stadt was rühmlich ist nachsagen

Die Tugend wil ihm auch ein ewig Denckmahl baun

Das keine Zeit verletzt das in den Hertzen grünet

Der jenen so ihm sind mit Freundschafft beygethan:

Denn wer getreu und recht GOtt und dem Nechsten dienet

Der legt zu stetem Lob ihm selbsten Zunder an.

Der hurtige Verstand der zierte seinen Handel

Zu dem Erfahrenheit ihr Theil getragen bey.

War nicht im übrigen sein gantzer Lebens Wandel

Von alter Redligkeit und sonder Heucheley?

Verstellen Hertz und Sinn diß reden jenes dencken

In Worten milde seyn in Wercken aber karg

Ist zwar ein Meisterstück von den Welt-klugen Rencken

Jedennoch zieren sie gar selten Grab und Sarg.

Nein unser Seeliger prangt in gar andrer Seide

Die ihm sein’ Unschuld spinnt ein rein Gewissen webt

Den Zeug so er auch braucht zu seinem Ehren-Kleide

Ist daß die Bürgerschafft sein gutes Lob erhebt.

Daß er den Aemtern wol und embsig fürgestanden

So von der Oberkeit ihm wurden überreicht

Daß keine Mängel nicht bey solcher Pflicht verhanden

Und jetzt sein Ehren-Ruhm in reinen Flammen leucht.

So viel entführt uns nun der Tod mit seinem Netze

Zerreist das Band der Eh’ macht Wäisen raubt den Freund

Jedoch weil nichts nicht hemmt die himmlischen Gesetze

Und GOtt doch Vater bleibt wie frembd es immer scheint

So muß

Gedult bey solcher Noth das beste Pflaster seyn:

Weil selbst der Seelige ein klares Beyspiel giebet

Mit was vor Muth er hat gelitten seine Pein

Wie sehr den siechen Leib des Steines Marter plagte

Und ihn noch lebende den Leichen gleich gemacht

Wie bey der höch sten Qual sein Hertze nicht verzagte

Und auffgelöst zu seyn ihm wünschte Tag und Nacht.

Der müste steinern seyn dem dieses Steines Leiden

Nicht das Geblüte rührt und zur Erbarmnüß bringt

Diß kont euch Hertz und Seel

Diß ist was Thränen-Saltz aus beyden Augen zwingt.

Hergegen wenn ihr nun den Wechsel überleget

Die unaus sprechlich’ Angst vertauscht mit höchster Lust

Daß seinen Leichen-Stein er nicht mehr bey sich träget

Und dort im Paradies ligt an des Heilands Brust

Hier aber Gottesfurcht den Leichen-Stein ihm setzet

Worauff die Tugend selbst die Grabe-Schrifften schreibt

So findet ihr vielmehr was euren Geist ergetzet

Und was bey solchem Werck die Thränen rückwerts treibt.

Ein langes Leben ist nur ein verlängtes quälen

Wo täglich neue Noth die müden Jahre frist

Wo wir mehr Sorgen als wol Morgen werden zehlen

Und statt der Früchte man die Kummer-Disteln list.

Glückselig wer den Lauff so wohlgemuth vollendet

Und kämpfft den guten Kampff im Glauben und Gedult

Der trägt den Preiß darvon und wenn sein Leben endet

So bleibt den Tugenden die Nach-Welt dennoch huld.

Den Marmel bricht die Zeit der Rost verzehrt das Eisen

Und was kan Ewiges von Menschen Händen seyn?

Das Leben und der Tod des Seeligen die preisen

Herr