Gestreute Jeßminen auf das Grab Jungf. A. R. F. den 25. Septembr. 1676.

By Heinrich Mühlpfort

Ich lieffre deinem Grab wolriechende Jesminen

Du werthe Frölichin der Jungfern Cron und Zier;

Derselben reiner Ruhm soll deiner Leiche dienen

Du Bild der Reinligkeit der Keuschheit ihr Saffier.

Was aber meld ich vor? Der Eltern heisse Thränen

Und wie ein blutig Strom auß ihren Augen rinn’t?

Ein unauffhörlich ach! und ein unendlich sehnen!

Und was ihr Hertzen Schmertz auß herber Angst beginnt?

Wie oder klag ich dich der Jugend Morgen-Röthe

Das in dem ersten Schein dein lichter Purpur bricht?

Nein selbst die Gratien die stimmen meine Flöte

Und sagen unser Ruhm verdient ein Traur-Gedicht.

Ja warlich hastu auch dein Leben so geführet

Daß ein unsterblich Lob umb deine Bahre schwebt.

Und wenn die Flora gleich dein Grab mit Blumen zieret

So ist dein eigner Ruhm die Blume so noch lebt.

Es sey daß jetzt der Herbst die Blumen will vertilgen

Der Tulpen Sammt ist hin der Veilgen Atlaß tod

Die Käyser-Kron erstickt verdorrt die hohen Lilgen

Und die Päonien macht keine Farbe roth:

So sollen doch zum Schmuck Jesminen dir verbleiben

Jhr himmlischer Geruch gleicht deiner Tugend Art

Wenn ander Blumen wird der Zeiten Sturm aufreiben

So hat die Ewigkeit mit ihnen sich gepaart.

Jhr schlecht und weisses Kleid ist wie dein reines Leben

Das niemals Schminck und Dunst der tollen Welt geliebt.

Dein unbefleckter Sinn war einzig GOtt ergeben

Und hielt in dessen Furcht die Andacht außgeübt.

Wie der Jesminen Strauch nicht in die Höhe steiget

Bleibt niedrig von Gestalt von Kräfften doch bewehrt:

So hat sich deine Zucht demüthig stets erzeiget.

Ein Kleinod das gewiß gar wenigen beschert.

Dein Auge gaffte nicht nach bundten Rosen-Kräntzen

In welche Buhlerey offt ihre Liebe prägt.

Du wustest daß die Nympff am schönsten pflegt zu gläntzen

Die eine reine Seel’ und keusches Hertze trägt.

Was ist die Keusch heit selbst? Ein Spiegel sonder Flecken

Den offt ein eintzig Hauch der Lufft vergifften kan.

Ein

So greifft offt frembde Hand den Kern von Früchten an.

Nein Seelge Frölich in wie unter den Jesminen

Kein gifftig Kefer wohnt und keine Kröte sitzt;

So hat die Eitelkeit sich dürffen nie erkühnen

Daß ihr verblendter Wahn dein redlich Blut erhitzt.

Es mag Arabien von seinem Weyrauch sagen

Es öffne uns die See die Amber-volle Schoß.

Es mag Egyptenland den theuren Balsam tragen

Der sonder Eisen-Schnitt auß seinen Stauden floß.

So wird doch der Jesmin mit seinem rühmen Siegen

Und sein gefünfftes Blat ein starcker Labsal seyn

Der balsamirte Hauch die Sinnen so vergnügen

Daß neue Krafft sich geust dem Hertz und Adern ein

Weit aber herrlicher weit über die Jesminen

Entseelte Frölichin stieg deiner Tugend Ruch.

Du kontest unser Stadt zu einem Beyspiel dienen

Ach aber allzufrüh deckt dich das Leichen-Tuch!

So war nicht unser Wunsch wir hofften dich zusehen

Du liebens-werthe Seel als eine schöne Braut.

Wie flüchtig ist es doch umb Menschen bald geschehen

Die man des Morgens blühn des Abends sterben schaut:

Allein die Keuschheit selbst in einem weissen Kleide

Will nechst der Gottes Furcht bey deiner Leiche stehn.

Und Zucht und Fröm̃igkeit flicht einen Krantz von Seide

Dem keine Lilge kan an Klarheit gleiche gehn.

Sind die Jesminen nicht der Menschen ihr Ergetzen

Wenn von deß Sommers Pracht sonst aller Zierath fällt?

Gewiß man konte dich für eine Krone schätzen

Zu der die Tugenden sich wesentlich gesellt.

Dein Antlitz war ein May die sittsamen Geberden

Die holde Freundligkeit ein reitzender Magnet.

Diß ist erbarmnüß werth daß Jungfern Asche werden

Wenn ihrer Anmuth Strahl im höchsten Glantz aufgeht.

Wiewol du Seelige von tausend Ungewittern

Der Angst-erfüllten Welt kommst in die sichre Ruh

Du darffst ob keinem Sturm der Zeiten mehr erzittern

Der Höchste decket dich mit seineu Flügeln zu.

Du siehst nun hocherfreut den deine Seele liebet

Und dessen Mundes Kuß dir Heil und Leben schenckt

Liegst in deß Lammes Schoß und was dich vor betrübet

Wird mit der Glieder Rest zugleich ins Grab gesenckt.

Wie prächtig leuchten nicht die grünen Lorber-Kronen

So deinen Scheitel nun als Himmels Braut erhöhn?

Vor sah stu Menschen nur itzt Engel umb dich wohnen

Und kanst als Nachbarin vor Gottes Stuhle stehn.

Last andere Sterblichen ihr Braut-Gewand erheben

Das offt ein Kummer-Nest vergälter Sorgen heist.

Den jenen Ehren-Rock den JEsus dir wird geben

Versichert daß er mehr als Diamanten gleist.

Du hast mit Ruhm gelebt du bist mit Ruhm gestorben

Verblaste Frölichin itzt wirstu recht erfreut.

Dein Wolverhalten hat dir so ein Lob erworben

Daß auch nicht schelten kan der alles schilt der Neid.

Ruh wol in deinem Grab: so lang als mit Jesminen:

Der Chloris milde Hand geprießne Gärten ziert

So lange solstu auch in unsern Seelen grünen

Die Tugend hat dir schon ein Denckmahl auffgeführt.

Wo aber laß ich euch Betrübtste derer Hertzen

Der allzu frühe Tod gleich wie ein Stücke bricht.

Ach Kinder machen nur die aller grösten Schmertzen

Jhr seyd durch diesen Tod fast beyde hingericht.

Was auf der gantzen Welt euch eintzig kont ergetzen

Was euer Seelen-Zug und Hertzens Freude war

Deß Hauses Sonn und Licht das Kleinod von den Schätzen

Die Perle keuscher Zucht beschleust die schwartze Bahr.

Kont auch ein härter Leid itzt eure Schultern drücken?

Nein; euer höchstes Gut und Reichthum fällt dahin.

Deß Alters Trost und Lust der müden Jahr erquicken

Die liebste Tochter muß das Sterbe-Kleid anziehn.

Doch must ihr auch allhier den Muth nicht lassen sincken.

Das Creutze bleibet nur der Christen Liberey.

Denckt müst ihr schon allhier den Kelch der Thräuen trincken

Daß sie euch hertzlich lieb Gott mehr gewesen sey.

Man wird mit Ungedult und Seufftzen nichts erlangen

Und Todte wecket auch kein kläglich winseln auff.

Genug ihr werdet sie in Freuden dort empfangen

Nach außgestandnem Kampss geschloßnem Lebens-Lauff.