Gestreute Jeßminen auf das Grab Jungf. A. R. F. den 25. Septembr. 1676.
Ich lieffre deinem Grab wolriechende Jesminen
Du werthe Frölichin der Jungfern Cron und Zier;
Derselben reiner Ruhm soll deiner Leiche dienen
Du Bild der Reinligkeit der Keuschheit ihr Saffier.
Was aber meld ich vor? Der Eltern heisse Thränen
Und wie ein blutig Strom auß ihren Augen rinn’t?
Ein unauffhörlich ach! und ein unendlich sehnen!
Und was ihr Hertzen Schmertz auß herber Angst beginnt?
Wie oder klag ich dich der Jugend Morgen-Röthe
Das in dem ersten Schein dein lichter Purpur bricht?
Nein selbst die Gratien die stimmen meine Flöte
Und sagen unser Ruhm verdient ein Traur-Gedicht.
Ja warlich hastu auch dein Leben so geführet
Daß ein unsterblich Lob umb deine Bahre schwebt.
Und wenn die Flora gleich dein Grab mit Blumen zieret
So ist dein eigner Ruhm die Blume so noch lebt.
Es sey daß jetzt der Herbst die Blumen will vertilgen
Der Tulpen Sammt ist hin der Veilgen Atlaß tod
Die Käyser-Kron erstickt verdorrt die hohen Lilgen
Und die Päonien macht keine Farbe roth:
So sollen doch zum Schmuck Jesminen dir verbleiben
Jhr himmlischer Geruch gleicht deiner Tugend Art
Wenn ander Blumen wird der Zeiten Sturm aufreiben
So hat die Ewigkeit mit ihnen sich gepaart.
Jhr schlecht und weisses Kleid ist wie dein reines Leben
Das niemals Schminck und Dunst der tollen Welt geliebt.
Dein unbefleckter Sinn war einzig GOtt ergeben
Und hielt in dessen Furcht die Andacht außgeübt.
Wie der Jesminen Strauch nicht in die Höhe steiget
Bleibt niedrig von Gestalt von Kräfften doch bewehrt:
So hat sich deine Zucht demüthig stets erzeiget.
Ein Kleinod das gewiß gar wenigen beschert.
Dein Auge gaffte nicht nach bundten Rosen-Kräntzen
In welche Buhlerey offt ihre Liebe prägt.
Du wustest daß die Nympff am schönsten pflegt zu gläntzen
Die eine reine Seel’ und keusches Hertze trägt.
Was ist die Keusch heit selbst? Ein Spiegel sonder Flecken
Den offt ein eintzig Hauch der Lufft vergifften kan.
Ein
So greifft offt frembde Hand den Kern von Früchten an.
Nein Seelge Frölich in wie unter den Jesminen
Kein gifftig Kefer wohnt und keine Kröte sitzt;
So hat die Eitelkeit sich dürffen nie erkühnen
Daß ihr verblendter Wahn dein redlich Blut erhitzt.
Es mag Arabien von seinem Weyrauch sagen
Es öffne uns die See die Amber-volle Schoß.
Es mag Egyptenland den theuren Balsam tragen
Der sonder Eisen-Schnitt auß seinen Stauden floß.
So wird doch der Jesmin mit seinem rühmen Siegen
Und sein gefünfftes Blat ein starcker Labsal seyn
Der balsamirte Hauch die Sinnen so vergnügen
Daß neue Krafft sich geust dem Hertz und Adern ein
Weit aber herrlicher weit über die Jesminen
Entseelte Frölichin stieg deiner Tugend Ruch.
Du kontest unser Stadt zu einem Beyspiel dienen
Ach aber allzufrüh deckt dich das Leichen-Tuch!
So war nicht unser Wunsch wir hofften dich zusehen
Du liebens-werthe Seel als eine schöne Braut.
Wie flüchtig ist es doch umb Menschen bald geschehen
Die man des Morgens blühn des Abends sterben schaut:
Allein die Keuschheit selbst in einem weissen Kleide
Will nechst der Gottes Furcht bey deiner Leiche stehn.
Und Zucht und Fröm̃igkeit flicht einen Krantz von Seide
Dem keine Lilge kan an Klarheit gleiche gehn.
Sind die Jesminen nicht der Menschen ihr Ergetzen
Wenn von deß Sommers Pracht sonst aller Zierath fällt?
Gewiß man konte dich für eine Krone schätzen
Zu der die Tugenden sich wesentlich gesellt.
Dein Antlitz war ein May die sittsamen Geberden
Die holde Freundligkeit ein reitzender Magnet.
Diß ist erbarmnüß werth daß Jungfern Asche werden
Wenn ihrer Anmuth Strahl im höchsten Glantz aufgeht.
Wiewol du Seelige von tausend Ungewittern
Der Angst-erfüllten Welt kommst in die sichre Ruh
Du darffst ob keinem Sturm der Zeiten mehr erzittern
Der Höchste decket dich mit seineu Flügeln zu.
Du siehst nun hocherfreut den deine Seele liebet
Und dessen Mundes Kuß dir Heil und Leben schenckt
Liegst in deß Lammes Schoß und was dich vor betrübet
Wird mit der Glieder Rest zugleich ins Grab gesenckt.
Wie prächtig leuchten nicht die grünen Lorber-Kronen
So deinen Scheitel nun als Himmels Braut erhöhn?
Vor sah stu Menschen nur itzt Engel umb dich wohnen
Und kanst als Nachbarin vor Gottes Stuhle stehn.
Last andere Sterblichen ihr Braut-Gewand erheben
Das offt ein Kummer-Nest vergälter Sorgen heist.
Den jenen Ehren-Rock den JEsus dir wird geben
Versichert daß er mehr als Diamanten gleist.
Du hast mit Ruhm gelebt du bist mit Ruhm gestorben
Verblaste Frölichin itzt wirstu recht erfreut.
Dein Wolverhalten hat dir so ein Lob erworben
Daß auch nicht schelten kan der alles schilt der Neid.
Ruh wol in deinem Grab: so lang als mit Jesminen:
Der Chloris milde Hand geprießne Gärten ziert
So lange solstu auch in unsern Seelen grünen
Die Tugend hat dir schon ein Denckmahl auffgeführt.
Wo aber laß ich euch Betrübtste derer Hertzen
Der allzu frühe Tod gleich wie ein Stücke bricht.
Ach Kinder machen nur die aller grösten Schmertzen
Jhr seyd durch diesen Tod fast beyde hingericht.
Was auf der gantzen Welt euch eintzig kont ergetzen
Was euer Seelen-Zug und Hertzens Freude war
Deß Hauses Sonn und Licht das Kleinod von den Schätzen
Die Perle keuscher Zucht beschleust die schwartze Bahr.
Kont auch ein härter Leid itzt eure Schultern drücken?
Nein; euer höchstes Gut und Reichthum fällt dahin.
Deß Alters Trost und Lust der müden Jahr erquicken
Die liebste Tochter muß das Sterbe-Kleid anziehn.
Doch must ihr auch allhier den Muth nicht lassen sincken.
Das Creutze bleibet nur der Christen Liberey.
Denckt müst ihr schon allhier den Kelch der Thräuen trincken
Daß sie euch hertzlich lieb Gott mehr gewesen sey.
Man wird mit Ungedult und Seufftzen nichts erlangen
Und Todte wecket auch kein kläglich winseln auff.
Genug ihr werdet sie in Freuden dort empfangen
Nach außgestandnem Kampss geschloßnem Lebens-Lauff.