Glückwunsch an zwey vom Adel auff ihre Reise. Hoch-Edler
Deinen Brief hab ich zurecht empfangrnempfangen
Es hat das reine Blatt dein reines Hertz entdeckt
Wie unser Freundschafft-Licht im finstrem nicht ver-
Wie dein beflammter Sinn der Liebe Feur erweckt.
Der einig-liebe Brief war voller Liebligkeiten
Man sah die Gratien auff jeder Seiten stehn
Der Römer darff nicht mehr mit unsren Deutschen streiten
Dein Red-Art zeugte schon daß du ihm vor-solst gehen.
Nur eines lob’ ich nicht; daß du mich loben wollen;
Dein Ruhm beschämet mich; ich weiß wie schlecht ich bin;
Ich hätte freylich mehr auß Pflicht-Schuld leisten sollen
Die Kräffte mangeln mir doch aber nicht der Sinn.
Du sihst auß diesem Brieff wie ich so alber fchreibe
Wie alle Zierlichkeit von meinen Reimen fleucht
Weil ich die Poesie nicht mehr so brünstig treibe
So spührt man Sonnenklar daß Phöbus von mir weicht.
Ich wolte sonst ein Lied zum Angedencken setzen
Und beyder Brüder Ruhm den Sternen machen kund;
So weil die Musen nicht mich wollen mehr ergetzen.
So nimm das Hertze hin nicht den beredten Mund.
Reiß’ immer wohlbeglückt du Zwey Gestirn im Adel
Und ziere deinen Stamm dem nichts an Würden gleich
Der Ahnen ewig Lob und Leben sonder tadel
Schlägt alle Mißgunst weg und macht den Neider bleich.
Der Zunder wird dich auch du werthes Paar anzünden
Der angebohrne Muth zu Thaten muntern auff
Du wirst Gelegenheit zu grossen Dingen finden
Je schöner ist der Lohn je weiter ist der Lauff
Wir können nichts von dir als gute Früchte hoffen
Weil sich die Blüthe schon in solcher Anmuth wieß
Weil Adel Witz und Kunst bey dir zusammen troffen
Und die Vollkommenheit sich scheinbar sehen ließ.
Die Morgenröthe wil den Tag der folget zeigen
Die Wiegen sagen offt den Baur und Fürsten an
Wird nur die Jugend nicht nach Ruhm und Ehren steigen
So ists im Alter wol umb Würd und Pracht gethan.
Zu dem so darffstu nicht erst Ehren-Bilder suchen
Schau Vat- und Vettern an und ihren hohen Stand
Sie haben schon die Bahn die du itzt gehst gebrochen
Der Degen und der Kiel macht sie der Welt bekand.
Wo diese beyde sind da thut man Wunder-Sachen
Die Feder und der Helm sind Pallas Eigenthum;
Es muß für unser Heil zu erst der Lands-Knecht wachen
Da gibt ein kluger Kopff auch seinem Fechter Ruhm.
Wohl an du edles Paar du wirst im frembden Sande
Erlernen wie der Siaat mit Witz zu führen sey
Diß was uns Tacitus gesagt im Vatterlande
Das kömmt dort lebendig durch viel Exempel bey.
Wo dich Argyrope zu ersten wird umfassen
So fleust auß Böclers Mund was deinen Geist erquickt
Wo du das Rhein-Athen dann wieder solst verlassen
So führe dich der Fluß ins Niederland beglückt.
Der alte Vater Reihn wird auß dem Schilffe schauen
Sein rechtes teutsches Blut und Trauben tragen für
Ja lauter Freud und Lust auff deine Scheiteln tauen
Und dreymal hüpffen auff von deiner Nahmen Zier.
Die blaue Schelde wil ingleichen dich begrüssen
Die schwesterliche Maß’ in Hafen lassen ein
Doch Unglück! Seuch und Pest soll itzt die Ort umschlüssen
Wo wirst du edles Paar hinfüro denn nun seyn?
Du seyst auch wo du wolst; niemahls auß meinem Hertzen
Gelehrte Liebe trennt auch nicht die weite See.
Und wann die Lippen nicht so müssen Briefe schertzen
Damit die helle Flamm der Freundschafft nicht vergeh
Du wirst doch noch einmahl zurück nach Breßlau dencken
Wie manche Stunde wir mit Reden zugebracht
Du wirst noch einen Gruß dem alten Löchal schencken
Den itzt im Fall dir Jehn gar zum Juristen macht.
Ich klage diß allein daß ich nicht kan vollbringen
Was ich beschlossen hatt’ ein himmlisches Gedicht
In dem ich must mit Staub und tausend Acten ringen
So sihstu liebstes Paar wie mir mein Wunsch gebricht.
Was wüntsch ich endlich dann nichts als nur langes leben
Den Eltern und auch dir so steht schon alles wohl
Du wirst noch Schlesien mit neuem Glantz umbgeben
Das werthe Schlesien das schier verfallen soll.
Hoch-Edles Zweygestirn erschein’ uns auch denn wieder
Weil unserm Vaterland die Lichter nöthig seyn;
Dann sprechen in gesambt des Landes treue Glieder
Hier gehet Castor auff dort Pollux güldner Schein.
Hiemit hochwerther Freund beschließ ich meine Zeilen
Doch baut die Liebe dir im Hertzen ein Mausol
Zeit und Gelegenheit die hieß mich also eilen
Sey tausendmahl gegrüst mein