Glückwunsch an zwey vom Adel auff ihre Reise. Hoch-Edler

By Heinrich Mühlpfort

Deinen Brief hab ich zurecht empfangrnempfangen

Es hat das reine Blatt dein reines Hertz entdeckt

Wie unser Freundschafft-Licht im finstrem nicht ver-

Wie dein beflammter Sinn der Liebe Feur erweckt.

Der einig-liebe Brief war voller Liebligkeiten

Man sah die Gratien auff jeder Seiten stehn

Der Römer darff nicht mehr mit unsren Deutschen streiten

Dein Red-Art zeugte schon daß du ihm vor-solst gehen.

Nur eines lob’ ich nicht; daß du mich loben wollen;

Dein Ruhm beschämet mich; ich weiß wie schlecht ich bin;

Ich hätte freylich mehr auß Pflicht-Schuld leisten sollen

Die Kräffte mangeln mir doch aber nicht der Sinn.

Du sihst auß diesem Brieff wie ich so alber fchreibe

Wie alle Zierlichkeit von meinen Reimen fleucht

Weil ich die Poesie nicht mehr so brünstig treibe

So spührt man Sonnenklar daß Phöbus von mir weicht.

Ich wolte sonst ein Lied zum Angedencken setzen

Und beyder Brüder Ruhm den Sternen machen kund;

So weil die Musen nicht mich wollen mehr ergetzen.

So nimm das Hertze hin nicht den beredten Mund.

Reiß’ immer wohlbeglückt du Zwey Gestirn im Adel

Und ziere deinen Stamm dem nichts an Würden gleich

Der Ahnen ewig Lob und Leben sonder tadel

Schlägt alle Mißgunst weg und macht den Neider bleich.

Der Zunder wird dich auch du werthes Paar anzünden

Der angebohrne Muth zu Thaten muntern auff

Du wirst Gelegenheit zu grossen Dingen finden

Je schöner ist der Lohn je weiter ist der Lauff

Wir können nichts von dir als gute Früchte hoffen

Weil sich die Blüthe schon in solcher Anmuth wieß

Weil Adel Witz und Kunst bey dir zusammen troffen

Und die Vollkommenheit sich scheinbar sehen ließ.

Die Morgenröthe wil den Tag der folget zeigen

Die Wiegen sagen offt den Baur und Fürsten an

Wird nur die Jugend nicht nach Ruhm und Ehren steigen

So ists im Alter wol umb Würd und Pracht gethan.

Zu dem so darffstu nicht erst Ehren-Bilder suchen

Schau Vat- und Vettern an und ihren hohen Stand

Sie haben schon die Bahn die du itzt gehst gebrochen

Der Degen und der Kiel macht sie der Welt bekand.

Wo diese beyde sind da thut man Wunder-Sachen

Die Feder und der Helm sind Pallas Eigenthum;

Es muß für unser Heil zu erst der Lands-Knecht wachen

Da gibt ein kluger Kopff auch seinem Fechter Ruhm.

Wohl an du edles Paar du wirst im frembden Sande

Erlernen wie der Siaat mit Witz zu führen sey

Diß was uns Tacitus gesagt im Vatterlande

Das kömmt dort lebendig durch viel Exempel bey.

Wo dich Argyrope zu ersten wird umfassen

So fleust auß Böclers Mund was deinen Geist erquickt

Wo du das Rhein-Athen dann wieder solst verlassen

So führe dich der Fluß ins Niederland beglückt.

Der alte Vater Reihn wird auß dem Schilffe schauen

Sein rechtes teutsches Blut und Trauben tragen für

Ja lauter Freud und Lust auff deine Scheiteln tauen

Und dreymal hüpffen auff von deiner Nahmen Zier.

Die blaue Schelde wil ingleichen dich begrüssen

Die schwesterliche Maß’ in Hafen lassen ein

Doch Unglück! Seuch und Pest soll itzt die Ort umschlüssen

Wo wirst du edles Paar hinfüro denn nun seyn?

Du seyst auch wo du wolst; niemahls auß meinem Hertzen

Gelehrte Liebe trennt auch nicht die weite See.

Und wann die Lippen nicht so müssen Briefe schertzen

Damit die helle Flamm der Freundschafft nicht vergeh

Du wirst doch noch einmahl zurück nach Breßlau dencken

Wie manche Stunde wir mit Reden zugebracht

Du wirst noch einen Gruß dem alten Löchal schencken

Den itzt im Fall dir Jehn gar zum Juristen macht.

Ich klage diß allein daß ich nicht kan vollbringen

Was ich beschlossen hatt’ ein himmlisches Gedicht

In dem ich must mit Staub und tausend Acten ringen

So sihstu liebstes Paar wie mir mein Wunsch gebricht.

Was wüntsch ich endlich dann nichts als nur langes leben

Den Eltern und auch dir so steht schon alles wohl

Du wirst noch Schlesien mit neuem Glantz umbgeben

Das werthe Schlesien das schier verfallen soll.

Hoch-Edles Zweygestirn erschein’ uns auch denn wieder

Weil unserm Vaterland die Lichter nöthig seyn;

Dann sprechen in gesambt des Landes treue Glieder

Hier gehet Castor auff dort Pollux güldner Schein.

Hiemit hochwerther Freund beschließ ich meine Zeilen

Doch baut die Liebe dir im Hertzen ein Mausol

Zeit und Gelegenheit die hieß mich also eilen

Sey tausendmahl gegrüst mein