Glückwunsch auf die W. und G. Hochzeit den 17. Febr. 1670.
Apollo kam zu mir und wolte mich besprechen
Er hatte sein Gesicht in schwartzen Zorn verhüllt:
Er schwur; Ich und mein Chor muß diesen Frevel rächen
Weil keine Pflicht bey dir der alten Freundschafft gilt:
Versagst du dem ein Lied der an der Pallas Brüsten
Die Kost der Wissenschafft genossen als wie du?
Wirst du bey diesem Fest den Pegasus nicht rüsten
Daß er der Schuldigkeit ein voll Genügen thu?
Ich sprach: Gekrönter Fürst für dem der Pindus zittert
Und den der Musen Schaar als ihren König ehrt
Seynd eure Majestät auff mich so hoch erbittert?
Ach ihr fußfällig Knecht werd auff ein Wort gehört!
Den Freunden hab ich nie der Freundschaffts-Pflicht entzogen
Und der Vertrauten Fest ist mir nicht unbekand
Es wäre längst mein Geist in Helicon geflogen
Und hätte zu dem Quell Pirenens sich gewand.
Allein was bringt man für? von Lieb und Lieben fingen
Von Schertzen Freud und Lust das ist ein altes Spiel
Und über Hals und Kopff die Reim auff Wünsche zwingen
Ist ein gemeines Werck und gilt numehr nicht viel:
Des Frauen-Zimmers Pracht und Schönheit zu beschreiben
Muß ein Narcissus seyn der selbst voll Flammen brennt
Denn wem der Liebreitz nicht die Geister pflegt zu treiben
Macht ungereimtes Ding das keine Zierrath kennt.
Und du o Delius kanst selber nicht wol leiden
Wenn man verächtlich Zeug in deinen Tempel bringt:
Weß aber soll ich mich auff solchen Fall bescheiden
Wo nehm ich ein solch Lied das dir und allen klingt?
Ich mag nicht den Gebrauch der Völcker hier erzehlen
Und wie das Morgenland sein Hochzeit-Fest gemacht
Den Deutschen wil ich nur zum Beyspiel hier erwehlen
Der einen Kopff der Braut gab vor die erste Nacht.
Er muste sich zuvor wol für dem Feinde halten
Eh als der Hymen ihn zu Bette hat geführt:
Ob zwar nun die Gesetz auch mit der Zeit veralten
Und diß was gestern galt uns heute nicht gebührt
Nichts destoweniger würd aus der Venus Munde
Kein ander Urtheil gehn als: Welcher sich verfreyt
Ist schuldig daß er auch zum festen Liebes-Bunde
Mit einem Kopff die Braut beschenckt die Lebens-Zeit.
Verknüpffte last euch nicht die Rede dunckel scheinen
Die Warheit macht den Schluß als wie die Sonne klar:
Ich weis das Frauen-Volck wirds gäntzlich mit mir meynen
Der Kopff den ich versteh hat nicht nur Haut und Haar
Er muß auch mit Verstand und Weißheit seyn gezieret
Denn Männer ohne Witz sind Lampen ohne Licht
Und wem die Pallas nicht die Glut der Sinnen rühret
Vermist hernach zu spät den Schatz so ihm gebricht.
Denn wie im Gegentheil man an dem Frauen-Zimmer
Zucht Schönheit Stand und Gut als Eigenschafften zehlt
So dencket es auch drauff und irret hierin nimmer
Wenns einen weisen Mann für eine Thoren wehlt.
Was soll dem Narren Geld umb Weißheit zuerkauffeu
Und hätt er Potosi und Lima im Besitz
Er möcht in Lybien und gar nach Zembla lauffen
Er ändert zwar die Lufft doch nie den Aberwitz.
Dis hat ja die Natur sonst einem Mann gegeben
Daß er auff Ernst bedacht und nicht mit Tocken spielt
Und wo die Weißheit uns gebricht in diesem Leben
Wird nimmermehr der Zweck verlangtes Glücks erzielt.
Setzt sie nicht Salomon weit über alle Schätze?
Erbaut die Königin nicht Städte Feld und Land?
Erklärt sie nicht das Recht und schreibet die Gesetze?
Macht sie uns Menschen nicht dem Himmel nah verwand?
Ja ist sie nicht ein Licht das uns die Wege weiset?
Ein Leit-Stern der zum Trost und auch zum Nutze brennt?
Ein unverzehrlich Tisch der uns mit Manna speiset?
Ein unbeweglich Gut das keinen Zufall kennt?
Und dieses ist der Kopff den jederman soll briugen
Der Braut als ein Geschenck und wahres Heyrats-Gifft
So wird das Band der Eh hauptsächlich wol gelingen
Und Fried und Einigkeit hat nichts als Lust gestifft.
Der alte Deutsche mag den Kopff vom Feinde schencken
Es gilt ein kluger Kopff zu unsern Zeiten mehr.
Die Richtschnur der Vernunfft muß Hertz und Sinnen lencken
Wo uns beglücken soll vollkom̃ner Ruhm und Ehr.
Herr Bräutigam der längst der Weißheit sich verpflichtet
Und in dem Helicon sich umbgesehen hat
Daß seine werthe Braut ihr Hertz auff ihn gerichtet
Ist eine gute Wahl und Lobens werthe That.
Denn wem ist unbekant wie in den ersten Jahren
Er seine meiste Zeit in Büchern zugebracht
Und denn den Lauff der Welt noch besser zu erfahren
Als Mars zu Felde bließ ins Lager sich gemacht.
Nun folgt auff Schweiß und Fleiß ein ruhiges Ergetzen:
Der Himmel sey euch hold und segne euren Stand!
Und wolle gleich der Neid an euch die Zähne wetzen
So ist er ungehirnt und führet einen Brand.
Diß ist der Lästrer Art die Tugend zu verdrücken
Wiewol sie Palmen gleich biß an die Sterne geht
Wil euch das Glücke wol mit seinen Gnaden blicken
Was fraget ihr darnach wies umb den Momus steht.
Indem ich dieses sing’ heist mich Apollo schweigen
Und spricht: Verstöre nicht der Treu-verliebten Ruh;
Der Arm der da gekont die Schlange Python beugen
Ist mächtig daß er auch dem Neid dergleichen thu.
Wer meine Musen ehrt den ehren sie hinwieder
Sie stellen insgesammt sich bey der Hochzeit ein
Und wünschen diesem Paar durch Freund-gesinnte Lieder
Daß ihre Liebe mög ohn alles Ende seyn.