Glückwünschung auff das Nahmens-Licht Tit. Fr. Barbara von Horn gebohrner Trachi...

By Heinrich Mühlpfort

Nach schwartzgewölckter Nacht und rauhem Donner-

Knall

Nach vieler Wetter-Sturm und ungeheurem Regen

Muß Aeol seinen Grimm und wildes Rasen legen;

Nach Wermuth-herbem Weh’ und Gifft-vermischter Gall

Erfolgt ein Freuden-Kelch: Nach Schmertzen-reichen Stunden

Hat sich ein heller Blick deß Himmels eingefunden.

Das ist das theure Licht

Das Phöbus wiederumb auff seinem göldnen Wagen

Durch die Saphyrne Burg deß Himmels bringt getragen.

Es hat ihr Auge nun sich satsam außgeweint

Auff heute sey das Leid in Thetis Schoß versencket

Was nutzt es daß sie sich mit altem Kummer kräncket?

Mir ist ihr edler Geist und hoher Sinn bekand

Jhr Himmlisches Gemüt hegt ungemeine Flammen

Und pflegt die Niedrigkeit deß Pöfels zuverdammen

Geht nur den Sternen nach mit denen es verwand

Und lässet unter sich die feigen Seelen liegen

Indem es ist gewohnt ob Zeit und Neid zusiegen.

Wem ist nicht diese Bahn der Sterbligkeit bewust?

Wir können nicht allzeit auff Lilg und Rosen gehen

Offt muß ein Helden-Muth bey Dorn und Disteln stehen:

Ein Weichling zeiget nie den Feinden seine Brust:

Der Ehren Tempel steht auff hoher Felsen Spitzen

Und was hochschätzbar ist erlangt Müh Fleiß und Schwitzen.

Die Proben die sie hat Amazonin gethan

Sind würdig daß man sie den Cedern einverleibe

Daß ihr Gedächtnüß man in Ertz und Marmel schreibe

Und kündige ihr Lob der späten Nachwelt an;

Nachdem durch Gottes-Schluß den Ehstand sie erwehlet

Hilff Gott! was hat sie nicht für Unheil da gezehlet;

Treu und Beständigkeit blieb ihrer Sinnen Ziel

Und hohe Tugend hieß der Grund-Stein ihrer Liebe.

Es kam kein Tag so schwartz so neblich und so trübe

Daß nicht ihr Wahl-Spruch hieß:

Daher ihr Eh-Schatz auch in Zunder-reichen Flammen

Verknüpffte Seel und Hertz in gleicher Treu zusammen.

Wie saur die Wirtschafft war wie schwer der Sorgen-Last

So trat sie alles an dem Liebsten zugefallen

So daß der arge Neid auch seine Gifft und Gallen

Darüber außgespeyt. Doch was wol abgefast

Und reifflich ist bedacht muß endlich doch gedeyen

Man sahe Glück und Heil auff ihre Sorgen schneyen.

Als nun der bleiche Tod das Demant-feste Band

Der keuschen Eh’ zerriß und unter tausend Thränen

Und in’rem Seelen-Schmertz und Marter-vollem Sehnen

Sie ihren Schatz begrub hat noch der Sohn erkand

Die allerwehrtste Treu durch Antrieb im Gewissen

Die außgeübte Schuld und Fehl abbitten müssen.

Es deckt die Tugend nicht Verschwiegenheit noch Nacht

Es hieß der Lauff der Zeit sie auch ihr Leid vergessen

Die Myrten mischten sich mit tunckelen Cypressen

Und weil die Ehen längst im Himmel schon gemacht:

Hat sie zum andernmal der Liebe-Band verbunden

Daß sie ein gleiches Hertz und gleiche Seele funden.

Alleine was ist doch beständig in der Welt?

Es spielt mit uns den Ball das flüchtige Gelücke:

Jtzt lächelt es uns an itzt gibt es Donner-Blicke.

Wie offt die schönste Ros’ auch Würmer in sich hält

So ist der beste Stand in dem wir uns vermeinen

Mit Dornen außgesetzt bedeckt mit Kiesel-Steinen.

Man lobe wie man wil der Berenicen Treu

Daß sie ihr Haar verlobt umb den Gemahl zuschauen

Hypsicratea sey ein Spiegel edler Frauen

Daß weder Fried noch Krieg sie macht im Vorsatz schen

Daß sie als Mann verkappt frisch auffdas Pferd geschritten

Und bey der Waffen klang geliebet und gelitten.

Frau Schwester ohne falsch und ohne Heucheley

Muß ich weit grössern Ruhm noch ihrer Treu zumessen;

Sie hat ein Weib zu seyn auß Helden-Muth vergessen

Doch stand bey solcher That ihr Gottes Allmacht bey

Daß zweymal sie dem Sturm beglücket ist entgangen

Noch sie der Feinde List und Capers konten sangen.

So hat Penelope Ulyssen nie geliebt

Nicht die Semiramis den Ninus so geschätzet

Laodamia sich am Schatten noch

Nein. Ob der Himmel schon sie

Hat ihrer Tugend doch und Sternen-gleichen Sinnen

Kein rauher Unglücks-Fall was mögen abgewinnen.

So hohe Sachen würckt der angebohrne Muht

Der von den Ahnen her den Adern eingegossen

Auß keiner Gold-Bach kömmt kein trüber Quell geflossen.

Auß edlen Geistern quillt auch ein Hoch-Edles Blut.

Jhr alter Cedern-Stamm läst auch auß seinen Zweigen

Durch Sie o Tugend-Bild die frischen Kräffte steigen.

Es sey die Livia an Witz und an Verstand

Den Sternen zugezehlt ihr Ruhm mag sie vergöttern:

So weiß ich daß ihr Haupt mit gleichen Lorber-Blättern

Die Tugend längst bekrönt. Ja unser gantzes Land

Wie selig man es mag an edlen Weibern preisen

Wird leichtlich nicht so bald ein gleich Exempel weisen.

Ist es nun wunderns werht daß sich der blaue Neid

An hohe Seelenreibt. Deß Himmels anders Hertze

Der Nächte Trost und Zier deß Mondes Silber-Kertze

Verliert nichts an dem Glantz und seiner Heiterkeit;

Wie grimmig auff sie loß die tollen Hunde bellen

So kan ein edles Hertz sich auch zu frieden stellen.

Frau Schwester unser GOtt ist unser Ehren-Schild

Dem sey es heimgestellt der Außgang sol es lehren

Wie Neider selbsten sich durch ihren Wahn bethören

Wie offt der jene Mund der lästert schilt und trillt

Sein außgespeites Gifft zurücke wieder schlinget

Und über seinen Kopff die Donner-Keile bringet.

Indessen sey das Licht viel tausendmal beglückt

Daß ihren Namen uns so Freuden-reich gewehret

Was ein Mensch wünschen kan und was er nur begehret

Das sey von GOttes Hand ihr häuffig zugeschickt.

Ich aber biß mich wird der blasse Tod auffreiben

Verpflichte mich ihr Knecht und Diener stets zu bleiben.