Glückwünschung auff das Nahmens-Licht Tit. Fr. Barbara von Horn gebohrner Trachi...
Nach schwartzgewölckter Nacht und rauhem Donner-
Knall
Nach vieler Wetter-Sturm und ungeheurem Regen
Muß Aeol seinen Grimm und wildes Rasen legen;
Nach Wermuth-herbem Weh’ und Gifft-vermischter Gall
Erfolgt ein Freuden-Kelch: Nach Schmertzen-reichen Stunden
Hat sich ein heller Blick deß Himmels eingefunden.
Das ist das theure Licht
Das Phöbus wiederumb auff seinem göldnen Wagen
Durch die Saphyrne Burg deß Himmels bringt getragen.
Es hat ihr Auge nun sich satsam außgeweint
Auff heute sey das Leid in Thetis Schoß versencket
Was nutzt es daß sie sich mit altem Kummer kräncket?
Mir ist ihr edler Geist und hoher Sinn bekand
Jhr Himmlisches Gemüt hegt ungemeine Flammen
Und pflegt die Niedrigkeit deß Pöfels zuverdammen
Geht nur den Sternen nach mit denen es verwand
Und lässet unter sich die feigen Seelen liegen
Indem es ist gewohnt ob Zeit und Neid zusiegen.
Wem ist nicht diese Bahn der Sterbligkeit bewust?
Wir können nicht allzeit auff Lilg und Rosen gehen
Offt muß ein Helden-Muth bey Dorn und Disteln stehen:
Ein Weichling zeiget nie den Feinden seine Brust:
Der Ehren Tempel steht auff hoher Felsen Spitzen
Und was hochschätzbar ist erlangt Müh Fleiß und Schwitzen.
Die Proben die sie hat Amazonin gethan
Sind würdig daß man sie den Cedern einverleibe
Daß ihr Gedächtnüß man in Ertz und Marmel schreibe
Und kündige ihr Lob der späten Nachwelt an;
Nachdem durch Gottes-Schluß den Ehstand sie erwehlet
Hilff Gott! was hat sie nicht für Unheil da gezehlet;
Treu und Beständigkeit blieb ihrer Sinnen Ziel
Und hohe Tugend hieß der Grund-Stein ihrer Liebe.
Es kam kein Tag so schwartz so neblich und so trübe
Daß nicht ihr Wahl-Spruch hieß:
Daher ihr Eh-Schatz auch in Zunder-reichen Flammen
Verknüpffte Seel und Hertz in gleicher Treu zusammen.
Wie saur die Wirtschafft war wie schwer der Sorgen-Last
So trat sie alles an dem Liebsten zugefallen
So daß der arge Neid auch seine Gifft und Gallen
Darüber außgespeyt. Doch was wol abgefast
Und reifflich ist bedacht muß endlich doch gedeyen
Man sahe Glück und Heil auff ihre Sorgen schneyen.
Als nun der bleiche Tod das Demant-feste Band
Der keuschen Eh’ zerriß und unter tausend Thränen
Und in’rem Seelen-Schmertz und Marter-vollem Sehnen
Sie ihren Schatz begrub hat noch der Sohn erkand
Die allerwehrtste Treu durch Antrieb im Gewissen
Die außgeübte Schuld und Fehl abbitten müssen.
Es deckt die Tugend nicht Verschwiegenheit noch Nacht
Es hieß der Lauff der Zeit sie auch ihr Leid vergessen
Die Myrten mischten sich mit tunckelen Cypressen
Und weil die Ehen längst im Himmel schon gemacht:
Hat sie zum andernmal der Liebe-Band verbunden
Daß sie ein gleiches Hertz und gleiche Seele funden.
Alleine was ist doch beständig in der Welt?
Es spielt mit uns den Ball das flüchtige Gelücke:
Jtzt lächelt es uns an itzt gibt es Donner-Blicke.
Wie offt die schönste Ros’ auch Würmer in sich hält
So ist der beste Stand in dem wir uns vermeinen
Mit Dornen außgesetzt bedeckt mit Kiesel-Steinen.
Man lobe wie man wil der Berenicen Treu
Daß sie ihr Haar verlobt umb den Gemahl zuschauen
Hypsicratea sey ein Spiegel edler Frauen
Daß weder Fried noch Krieg sie macht im Vorsatz schen
Daß sie als Mann verkappt frisch auffdas Pferd geschritten
Und bey der Waffen klang geliebet und gelitten.
Frau Schwester ohne falsch und ohne Heucheley
Muß ich weit grössern Ruhm noch ihrer Treu zumessen;
Sie hat ein Weib zu seyn auß Helden-Muth vergessen
Doch stand bey solcher That ihr Gottes Allmacht bey
Daß zweymal sie dem Sturm beglücket ist entgangen
Noch sie der Feinde List und Capers konten sangen.
So hat Penelope Ulyssen nie geliebt
Nicht die Semiramis den Ninus so geschätzet
Laodamia sich am Schatten noch
Nein. Ob der Himmel schon sie
Hat ihrer Tugend doch und Sternen-gleichen Sinnen
Kein rauher Unglücks-Fall was mögen abgewinnen.
So hohe Sachen würckt der angebohrne Muht
Der von den Ahnen her den Adern eingegossen
Auß keiner Gold-Bach kömmt kein trüber Quell geflossen.
Auß edlen Geistern quillt auch ein Hoch-Edles Blut.
Jhr alter Cedern-Stamm läst auch auß seinen Zweigen
Durch Sie o Tugend-Bild die frischen Kräffte steigen.
Es sey die Livia an Witz und an Verstand
Den Sternen zugezehlt ihr Ruhm mag sie vergöttern:
So weiß ich daß ihr Haupt mit gleichen Lorber-Blättern
Die Tugend längst bekrönt. Ja unser gantzes Land
Wie selig man es mag an edlen Weibern preisen
Wird leichtlich nicht so bald ein gleich Exempel weisen.
Ist es nun wunderns werht daß sich der blaue Neid
An hohe Seelenreibt. Deß Himmels anders Hertze
Der Nächte Trost und Zier deß Mondes Silber-Kertze
Verliert nichts an dem Glantz und seiner Heiterkeit;
Wie grimmig auff sie loß die tollen Hunde bellen
So kan ein edles Hertz sich auch zu frieden stellen.
Frau Schwester unser GOtt ist unser Ehren-Schild
Dem sey es heimgestellt der Außgang sol es lehren
Wie Neider selbsten sich durch ihren Wahn bethören
Wie offt der jene Mund der lästert schilt und trillt
Sein außgespeites Gifft zurücke wieder schlinget
Und über seinen Kopff die Donner-Keile bringet.
Indessen sey das Licht viel tausendmal beglückt
Daß ihren Namen uns so Freuden-reich gewehret
Was ein Mensch wünschen kan und was er nur begehret
Das sey von GOttes Hand ihr häuffig zugeschickt.
Ich aber biß mich wird der blasse Tod auffreiben
Verpflichte mich ihr Knecht und Diener stets zu bleiben.