Gott sei der armen Seele gnädig!

By August Heinrich Hoffmann von Fallersleben

Written 1819-01-01 - 1819-01-01

Der Herr von Leib regieret jetzt,

Ein ganz gewalt'ger Mann,

Er ist gar werth und hochgeschätzt,

Und bleibt es auch fortan,

Denn viele Millionen sind

Ihm unterthan mit Weib und Kind.

Frau Seele schaffet Tag und Nacht,

Das arme gute Weib,

Gräbt edles Erz aus manchem Schacht

Und nur für Herrn von Leib,

Denn Herr von Leib das ist der Staat,

Ihr wisst schon, was der nöthig hat.

So wird in Kriegs- und Friedenszeit

Sein theures Haupt bewacht,

Und zwar in Glanz und Herrlichkeit,

Weil's ihm Vergnügen macht;

Und dies Vergnügen kennt kein Ziel

Und kostet viel, ja viel viel viel.

Manch junger Held erhält viel Geld,

Bloß weil er Wache steht,

Und sorglos durch die Friedenswelt

In Uniformen geht.

Drum zieh den bunten Rock auch an,

O Seel', und werd' ein Kriegesmann!