Gottes gnaden-reiches todes-urtheil zum leben, Gesprochen über TIT. Herrn R. T. ...
Der schöppen-stuhl, ein kleinod dieser stadt,
Dergleichen man kaum hat,
Und fremde selbst als ihr oracul ehren;
Das sonsten im gericht
Die todes-urthel spricht,
Muß itzo selbst dergleichen ausspruch hören.
Wie geht es zu? Herr Teller, der allhier
Gesessen für und für,
Und vielen hat das leben abgesprochen;
Mein Freund, der liebe mann,
Hört itzund selber an,
Daß über ihn auch sey der stab gebrochen.
Wem that er was? er lebte fromm und still;
Es war sein wunsch und will,
Gott, und zugleich dem nächsten recht zu dienen:
Des vatern theurer geist
Hat sich in ihm erweist:
Jhm ist zu bald der letzte tag erschienen.
Der Werthe Mann, wie hat er sich erbaut,
Und wacker umgeschaut,
Als Sud und West ihn willig aufgenommen;
Er reiste hin und her
Zu land und über meer,
Und war gesund vorlängsten wiederkommen.
Er nahm auch drauf an glück und ehren zu,
Und saß in guter ruh,
Vergnügt in GOtt, und seiner perlen-crone;
Herr Berlichs hohes hauß
Gab ihm den schatz heraus,
Und GOtt vielmehr, der tugend selbst zum lohne.
Ach ein verlust, der kaum zu schätzen war,
Bey ihrer todten-bahr,
Als dieser schatz ihm zeitlich war genommen,
Gott aber führt ihn an,
Daß er kam auf die bahn,
Da er hernach dergleichen hat bekommen.
In Laußnitz liegt die schön’ und liebe stadt,
Mein Zittau, das ihm hat
Den andern schatz, von perlen-art, gegeben;
Herr Harttichs edles hauß
Sieht wie der himmel aus;
Wer darein freyt, kan wohl auf erden leben.
Ach aber! itzt sitzt sie, die Werthe Frau,
In keiner göldnen au:
Jhr ehstand ist zum bittern wehstand worden;
Die kinder neben ihr
Beklagen für und für
Der wittwen noth und ihren wäysen-orden.
Gott aber ists, der alles hat gemacht,
Wenn an ihn wird gedacht,
Läst sich allhier kein todtes-urtheil hören.
Es ist durch Christi blut
Schon alles mit ihm gut;
So sitzen sie, wie er, in neuen ehren.