Gottes gnaden-reiches todes-urtheil zum leben, Gesprochen über TIT. Herrn R. T. ...

By Christian Hoffmann von Hoffmannswaldau

Der schöppen-stuhl, ein kleinod dieser stadt,

Dergleichen man kaum hat,

Und fremde selbst als ihr oracul ehren;

Das sonsten im gericht

Die todes-urthel spricht,

Muß itzo selbst dergleichen ausspruch hören.

Wie geht es zu? Herr Teller, der allhier

Gesessen für und für,

Und vielen hat das leben abgesprochen;

Mein Freund, der liebe mann,

Hört itzund selber an,

Daß über ihn auch sey der stab gebrochen.

Wem that er was? er lebte fromm und still;

Es war sein wunsch und will,

Gott, und zugleich dem nächsten recht zu dienen:

Des vatern theurer geist

Hat sich in ihm erweist:

Jhm ist zu bald der letzte tag erschienen.

Der Werthe Mann, wie hat er sich erbaut,

Und wacker umgeschaut,

Als Sud und West ihn willig aufgenommen;

Er reiste hin und her

Zu land und über meer,

Und war gesund vorlängsten wiederkommen.

Er nahm auch drauf an glück und ehren zu,

Und saß in guter ruh,

Vergnügt in GOtt, und seiner perlen-crone;

Herr Berlichs hohes hauß

Gab ihm den schatz heraus,

Und GOtt vielmehr, der tugend selbst zum lohne.

Ach ein verlust, der kaum zu schätzen war,

Bey ihrer todten-bahr,

Als dieser schatz ihm zeitlich war genommen,

Gott aber führt ihn an,

Daß er kam auf die bahn,

Da er hernach dergleichen hat bekommen.

In Laußnitz liegt die schön’ und liebe stadt,

Mein Zittau, das ihm hat

Den andern schatz, von perlen-art, gegeben;

Herr Harttichs edles hauß

Sieht wie der himmel aus;

Wer darein freyt, kan wohl auf erden leben.

Ach aber! itzt sitzt sie, die Werthe Frau,

In keiner göldnen au:

Jhr ehstand ist zum bittern wehstand worden;

Die kinder neben ihr

Beklagen für und für

Der wittwen noth und ihren wäysen-orden.

Gott aber ists, der alles hat gemacht,

Wenn an ihn wird gedacht,

Läst sich allhier kein todtes-urtheil hören.

Es ist durch Christi blut

Schon alles mit ihm gut;

So sitzen sie, wie er, in neuen ehren.