Grabschrifft eines neuen Orbilii.

By Christian Hoffmann von Hoffmannswaldau

So wird nun endlich deine hand

Gescharret in den dürren sand

Die hier so oft und wohl gestrichen

Es steht der kleinen knaben schaar

Um deine schwartze todten-baar

Und klagt: ihr lehrer sey verblichen.

Du hast manch nacktes angesicht

Gestellet an das helle licht

Und dessen blösse wohl besehen

Du führtst die rute meisterlich

Obgleich der knabe krümte sich

So halff doch kein erbärmlich flehen.

Nicht einer den du hast gelehrt

Der dir unfleißig zugehört

Kan sagen daß er sey entgangen:

Du hast niemahls den fleiß gespart

Mit deiner seltnen wunder-art

Zu färben beyde hinter-wangen.

Bald muste dir ein knabe knien

Die hosen auf die erde ziehn

Daß du den fuß drein kontest setzen;

Bald stunden sie an einer reih

Bey iedem schmitz war ein geschrey

Das konte kräfftig dich ergötzen.

Den steltest du auf eine banck

Und wenn die rute war geschwanck

Umflochte sie fast gar die lenden

Weh denen die aus trotzigkeit

Verkehrten irgend ihre seit

Und wolten dir den ‒ ‒ ‒ ‒ entwenden.

Nun werther lehrer schlafe wohl

Die knaben wollen ein Mausol

Auf deine grabes-stelle bauen

Entblöst da einer sein gesicht

So schwer ich du enthältst dich nicht

Du wirst ihn auch noch tod beschauen.