Grabschrifft eines sehr zahmen und artigen Lach-TäubersFußnoten
Written 1672-01-01 - 1672-01-01
Hier find ich Ruh und Grab ein Phönix meiner Art
Der Edlen Täuber Ruhm nach meiner Todes Fahrt
Nicht lache dieser Schrifft: Ich konte mich mit lachen
(Des Menschen Eigenthum) dir selber ähnlich machen.
Mein treues Artlich-seyn mein angenehmer Schertz
Erwarb des Herren Gunst gewann der Franen Hertz.
Wird Heucheley und List zu Hofe sonst getrieben
Ich bin stets ohne Fleck wie ohne Galle blieben.
Es ehrt mit Schrifftdurch Reim und Grufft um Treu und um Verstand
Manch Fürst manch kluger Mann Hund Pferd und Elephant:
Die Tauben werden nicht von jenen überwunden:
Ein kluger Täuber hat die neue Welt erfunden.
Ihr Boten in der Lufft bringts nach Aleppo hin
Thut Post auff Babylon daß ich gestorben bin
Mahnt alle Kröpffer an daß sie zu lezten Ehren
Ein trauriges Ragu und Drommeln lassen hören.
Cythere spannt mich nun an ihren Wagen an
Am Himmel weichet mir der Leda weicher Schwan.
Mein wohl-verdienter Ruhm mit Papogeyen-Schwingen
Wird den gestirnten Pfau aus seinem Neste dringen.
Sagt ein Pythagoras von unsern Geistern wahr
So erbt den meinigen ein wohlgeschickter Stahr:
Doch soll er hundert Jahr gleich einer Krähe leben
Und meiner Herrschafft an statt mein Vergnügen geben.