Gräntzen der Vernunft.

By Barthold Heinrich Brockes

So bald ein Feuer-reicher Geist sich auf ein tieffes

raisoniren,

Und von

Mit angespannten Kräften leget; begiebet er sich auf ein

Meer,

Wo Zweifels-Wirbel, Meynungs-Wellen, ihn unaufhör-

lich hin und her

In stetem Jrthum schlenckern werden; wo Vorurtheile

sich bemühn,

In tausend Boden-losen Strudeln, ihn in des Abgrunds

Gruft zu ziehn.

Will er nun nicht der Seelen Ruh, die Seele, ja, fast

Gott, verlieren,

(wie, wenn er sich auf eigne Kräfte verlässet, leider

oft geschicht,)

So wehl’ er in der Finsterniß nur blos die Demuth sich

zum Licht.

Nur die allein kann unverletzt ihn in den sichern Haven

führen.

Ich hab’ es, GOtt sey Danck, erfahren, was, wenn ich

sonst versuncken wäre,

Sie mir vor Hülf’ und Rath geschafft. Durch diese sanft’

und wahre Lehre:

Wer bist du? was ist dein Verstand? ist er von solcher

Schärff' und Kraft,

Daß er das innerste der Dinge, des Geists, der Cörper

Eigenschaft

Und die Natur zu fassen fähig? GOtt hat ihn dir in die-

sem Leben

Gewiß in einem reichen Maaß und in so hohem Grad ge-

geben,