Gratulations-getichte an Herrn David Rhenisch, Predigern und Prof. zu Breßlau. A...

By Christian Hoffmann von Hoffmannswaldau

Wjr müssen freylich nur, wir armes volck! bekennen,

Daß erde, feuer, lufft und wasser schröcklich brennen,

Aus eyfer gegen uns: Des hohen himmels haus,

Das schüttet seinen zorn mit blitz und donner aus

Von allen ecken her, nachdem so schwere plagen

In dieser see der welt mit macht zusammen schlagen

Auf unsern sünden-hals; Doch gleichwohl ist ein GOtt,

Der seiner gnaden licht läst scheinen in der noth,

Wann Caurus um den mast mit harten stürmen sauset,

Wann die erzürnte fluth um alle seiten brauset,

Und will mit uns grund ab: Dem nichts sich bergen kan:

Der, ob er schon betrübt, nimmt dennoch wieder an;

Nur daß man eyfrig bläst die starcken buß-posaunen

Aus feindschafft unsrer schuld, und auch die bet-karthaunen,

Die himmels-brecher, pflantzt vor GOttes schöne stadt,

Und zeucht nicht eher ab, biß man das ja-wort hat.

Das goldne sonnen-rad hat fünffmahl seinen wagen

Durch alle zeichen schon am himmel durchgetragen,

Seit mich das vaterland hat heissen fremde seyn,

Als das gewissens-schwerd nicht blos durch marck und bein,

Auch durch die seele, drang. Wann ich, auf jene zeiten,

Des feindes übermuth und strenge grausamkeiten

Zurück gedencken will, was ich nur angeschaut,

So werd ich gantz bestürtzt, mir schüttert haar und haut

Der freyheit wurden band und ketten angeleget,

So sich von dieser last ein wenig kaum noch reget:

Der weg zum tempel stund mit waffen gantz umhüllt,

Mit ruthen ausgefegt, mit menschen-tand erfüllt,

Durch ungehirntes volck. Wo vor der zarten jugend

So rühmlich ward gezeigt die strasse zu der tugend,

Da stund ein wildes pferd: Der lehrer ward verjagt,

Der raths-herr abgedanckt, der burgers-mann geplagt,

Mit trutzen und gewalt. Die solten nachmahls väter

Des vaterlandes seyn, so bey dem rauhen wetter,

Und sonder einen zwang, wo falscher wind geweht,

Und hoheit und gewinn den mantel hingedreht.

Da kan man recht und wohl gewünschtes leben führen,

Wo weise leute sind, die eine stadt regieren.

O freylich! solte der beherrschen eine stadt,

Der über seine frau das regiment nicht hat?

Soll der wohl ander volck zu einer lehre zwingen,

Der selber keinen grund des glaubens vor kan bringen,

Des glaubens, den er führt? Er schreyet etwas an,

Das weder ihm vor sich, noch andern, helffen kan.

Heist dieses seinen GOtt von gantzem hertzen lieben,

Den nächsten, als sich selbst? Ja wohl, es heist betrüben.

Was mit gewalt geschicht, macht keinen Christen nicht;

Ein bogen, der zu sehr gespannet ist, zerbricht.

Zu falschem gottesdienst der menschen seelen treiben,

Heist gut gigantisch seyn. Laß einen jeden bleiben;

Und sagt er was aus noth, das hertz ist weit davon:

Fromm vor sich selber seyn, das heist religion.

Ich sprach: Ist Buntzlau dann der gantze kreis der erden?

Will GOtt nur hier allein, sonst nicht gefunden werden?

Ist nicht noch raum genung, so weit von osten west,

So weit der sonnen gold die strahlen fallen läst?

Muß einer haus und hof und alle wollust meiden?

Es ist ein schöner spott, vor GOttes ehre leiden.

Der schäme sich, der blos um grober übelthat,

Und um verrätherey, muß weichen von der stadt.

Der HErr, für dessen grimm hier alles muß erzittern,

Der himmel furchtsam seyn, die starcken berge splittern,

Die ungestümme see mit ihren wellen fliehn,

Muß selber über meer aus haß der feinde ziehn.

Der feurige Thesbit, dem seel und leib zusammen

Gen himmel ward geholt, vom kutschen voller flammen,

Der muste gleichwohl vor der Jsebel entgehn:

Den Christus sonderlich ließ an der seiten stehn,

Den er so trefflich sehr vor andern pflag zu lieben,

Ward durch des kaysers bann in Pathmos hin vertrieben;

Doch kömmt man anderswo bißweilen besser an,

Als kaum ein guter freund zu hause rathen kan.

Es gieng dem Joseph traun in solchem elends-stande

Weit besser, als zuvor, in seinem vaterlande,

Dieweil er alle noth, so auf die brüder fiel,

In guter ruh verschlief im lande, wo der Nil

An statt des regens ist. In meinem strengen orden,

Darein ich war gesetzt, ist Breßlau endlich worden

Der hafen meiner ruh, so mir nicht mißgefällt.

Es ehre, wer da will, die göttin dieser welt,

Die grosse mutter Rom; Ich rühme mehr die gaben,

Mit welchen Breßlau ist, die edle stadt, erhaben,

Der auszug der natur, der erden schöne zier:

Doch meiner Musen schutz und aufenthalt in ihr,

Herr Rhenisch! euch noch mehr. Viel eher soll der wagen

Des hellen Phaethons durch alle häuser jagen,

Als ich durch euren ruhm. Das hertze voller treu,

Und immer wohl zu thun, das führt ihr blos und frey:

Jhr dencket, was ihr redt, und redet, was ihr dencket,

Tragt nicht was heimliches im hertzen tieff versencket,

Das andern schaden bringt: Jhr schencket klaren wein,

Seyd sonder alles falsch, und haßt der worte schein,

Die glatte henckerey: Wornach wir sollen hauen,

Das können wir an euch, als einem spiegel, schauen.

O wohl dem, welcher so, wie ihr, kein anders thut,

Herr Rhenisch! als wozu ein junges freyes blut

Gantz sicher kommen mag, und auf die wage setzen

Das wesen, so er führt. Ein stein pflegt stahl zu wetzen,

Ein lehrer junges volck; Der lehrt in wahrheit nicht,

Den seine lehre selbst mit schanden unrecht spricht.

Jhr weiset mir voraus, was einer muß beginnen,

Der das berühmte schloß der weißheit will gewinnen,

Die nimmer untergeht: Jhr zeiget aus der schrifft,

Was GOtt, so viel man zwar hier wissen kan, betrifft,

Und wie der mensch die welt soll unter sich verachten,

Hergegen bald nach dem am allermeisten trachten,

Was keines wetters macht, kein starcker nord zubricht,

Kein dieb nicht stehlen kan, und keine motte sticht:

Jhr macht uns offenbahr das thun der blinden heyden,

Den fremden gottes-dienst vom wahren unterscheiden:

Jhr, meiner Musen trost! ihr gebt uns zu verstehn,

Was des Aristons sohn, der lehrer zu Athen,

Was Tullius zu Rom, was rasende Sibyllen,

Was Stagirites glaubt von GOttes thun und willen,

Was Maro, wenn er schreibt von der Cumaner magd,

Unwissentlich daselbst von Christus hat gesagt:

Was man von denen hat, die sonsten weise waren,

Und in erschaffner krafft der sachen wohl erfahren:

Was sie von GOtt gelehrt: Was frommer Christen amt:

Warum der Tantalus zur höllen sey verdammt:

Warum der weisse bär noch nie hat seinen wagen

Nach der Bootes hin ins blaue saltz getragen:

Warum doch jenes bild bey Ariadne kniet:

Wie daß man auch so schön und wohl gemahlet sieht

Thaumantis tochter schweiff, den brennenden cometen,

Den boten böser post, den traurigen propheten:

Wie diß und jenes ist: Wie Perseus flüchtig steht:

Caßiopea sitzt: Wie Phöbus untergeht:

Wie Hecate nach ihm ihr bleiches silber schicket,

Und mit der sternen schaar hin auf die wache rücket:

Und was dergleichen mehr. Jhr seyd, was guten rath

Und treue zucht betrifft, an meiner eltern statt.

Lehrt mich der jugend pest, die faule wollust hassen

Des teufels unterpfül, hingegen dieses fassen,

Was gut und tugend heist. Denn wer die junge zeit

Durch müßiggang verderbt, kriegt auf das alter leyd.

Durch nichts thun legen wir uns auf die schlimme seiten,

Und lernen böses thun. Die mörderin der zeiten,

Das zucker-süsse gifft, saugt alle kräffte aus:

Wie rost das eisen frist, verzehret hof und haus.

Worüber andre sich fast blind und höckricht sitzen,

Darüber darff nicht erst ein solcher lange schwitzen,

Der seiner jahre lentz auf sprachen und verstand,

Und auf das edle lob der tugend hat gewandt.

Daß ich auch mit der zeit mich aus dem staube schwinge,

Und von der dicken zahl des armen volckes dringe,

Das an der erden klebt, steht ihr mir stattlich bey,

Wie hefftig mich auch drückt die last der armuthey,

Die schwester guter art. Jhr leitet meine sinnen,

Herr Rhenisch! auf die burg der zarten Pierinnen,

Die meine freude sind. Mein wesen, das ich führ,

Ist lust zur wissenschafft, ist feder und papier.

Diß schenck euch alles ich an statt der vielen gaben,

Die meiner Musen krafft bißher erhalten haben,

Wie schlecht sie immer ist. An mehrer dinge statt

Last euch das hertze seyn, und dencket, vor die that

Nimmt GOtt das hertze selbst. Der wolle gnädig geben,

Herr Rhenisch! euch die zeit, die ihr verdient zu leben!

Damit ihr lange mögt der kirchen schmuck und schein,

Der Musen werther schutz, der tugend spiegel seyn.

Er lege gütig hin das wechsel eurer jahre,

O Atlas meiner noth! daß euch nicht widerfahre,

Was vieler weisen schaar von diesem alter glaubt,

Daß, wenn der grimme tod nicht gantz das leben raubt,

Doch gleichwohl er gefahr und schiffbruch müsse leiden.

Hat nicht

Hat nicht den Hannibal, hat nicht der redner pracht,

Den grossen Cicero, diß wechsel umgebracht?

Lutherus kunte nicht diß alter überschreiten,

Und auch Melanchthon nicht, das edle paar der zeiten,

Die diener GOttes krafft. Doch GOtt, der alles kan,

Bindt sich an keinen ort, an keine zeiten an.

Der helffe, daß euch nichts im minsten mag verletzen,

Will gleich ein harter sturm an euch, Herr Rhenisch! setzen.

Er schütte mildiglich auf euch und euer haus

Aus gnaden stille ruh und allen segen aus,

Daß ich noch ferner kan derselben ruh geniessen,

Und ihr auch neben uns der götter GOtt begrüssen

Mit feurigem gebet: Er wolle dieser pein,

Der schweren krieges-last, ein ende lassen seyn,

Und ausser der gefahr, nach tausend frommer flehen,

Stadt, feld, heerd und altar in frieden lassen sehen!

Wir seynd des spieles satt, und werden es gewahr:

Wo Mars die trommel rührt, raucht selten ein altar.