[Haupt und Beystand deiner Glieder]
Written 1640-01-01 - 1640-01-01
Haupt und Beystand deiner Glieder
Der du ewig vor uns wachst!
Und wann uns die Welt zuwider
Ihren Rath zu nichte machst:
Schau die Sonne geht zur Ruh!
Nacht und Schrecken setzt uns zu
Und wir stehn entblöst von Kräfften
Unter Creutz und Ampts-Geschäfften.
Dennoch kommen wir mit Dancken
Vor dein liebreich Angesicht
Daß bey Gleiten Fall und Wancken
Deine Hand uns aufgericht
Du dreyeinig hoher Gott
Der du in Gefahr und Noth
Dem der dir verpflicht zu dienen
Heil- und Gnadenreich erschienen.
Unter wie viel Stürm und Rasen
Und erhitzter Feinde Macht
Und verdecktem Gifft ausblasen
Ist der Tag hindurch gebracht
Dennoch hat mich nichts versehrt
Weil du meinen Wunsch erhört.
Und das Schnauben volle Pochen
Auch eh ichs gemerckt zerbrochen.
Zwar ich weiß das meine Sünden
Nichts dann Höll' und Fluch verdient;
Aber du kanst mich entbinden
Dessen Blut uns ausgesühnt.
Als du vor der Schuld der Welt
In den Todt dich eingestellt
Und durch Schmach und Creutz und Wunden
Die Gefangnen hast entbunden.
Als du wirst mich ja nicht lassen
Der du mich so theur erkaufft:
Herr! ich wil auf dir erblassen;
Wann nun meine Stund auslaufft
Unterdessen leb' in mir
Daß ich einig bleib' in dir:
Und trotz Angst und Hohn und Schmähen!
Meinen Glauben lasse sehen.
Schleuß auch weil ich nun entschlaffe
Was hab' ich in deine Hand
Schone wolverdiente Straffe
Auszutagen auf diß Land
Treib der Seuchen strenge Flut
Treib erzörnter Himmel-Glut
Hunger Sturm und Pestilentzen
Krieg und Mord von unsern Grentzen.
Auf dich leg' ich mich zu Bette
Gieb das ich gesund aufsteh'
Gott des Trostes! ko i und rette
Mich aus Leibs und Seelen-Weh!
Schlummern schon die Augen ein
Laß das Hertze wacker seyn
Daß ich fern von Furcht und Grauen
Dich auch schlaffend' mög anschauen