Heilsame Myrrhen Bey Beerdigung Fr. S. R. g. S. den 26. Martii 1674.
So hast du Selige dein Vaterland gefunden
Das
Die Windeln haben dich in
Und
Gantz
Wiewol des Todes Grimm sie allzufrüh verlescht.
Ja des Verhängnüß Schluß hieß dich nach
Das unser Oderstrom mit seinen Wellen wäscht.
Auch diese Pilgramschafft nahm ein geschwindes Ende.
Wer leugnet daß der Mensch ein Gauckelspiel der Zeit?
Als Polen ward verheert durch Kriege Mord und Brände
Hat
Ach stete Pilgramin auf diesem Rund der Erden!
Dein Wandel hat gelehrt daß hier kein bleiben sey:
Daß wir als Frembdlinge bald auffgejaget werden
Palläst und Städte nur ein öde Wüsteney:
Wie unsers Lebens-Lauff gar eine schwere Reise
Da Trübsal und Gefahr jedwede Stunde blüth:
Da Thränen seyn der Tranck und Hertzens-Angst die Speise
Biß uns mit seinem Garn der blasse Tod bezieht.
Standhaffte Wanderin! die sich ließ nichts verwirren
Ob manch betrübter Tag das Leben dir vergällt:
Du siehst nun unter dir die Berge voller Myrrhen
Und hast auff die zugleich dein gantzes Thun gestellt.
Ich meine nicht der Welt gehäuffte Bitterkeiten
Die ihren Siegern auch wie Rom nur Wermuth schenckt:
Nein ach Erblaste nein! Du ruhst an JEsus Seiten
Sein Püschel Myrrhen ist umb deine Brust gehenckt.
Du Sulamithin ruffst: Mein Liebster ist wie Myrrhen
Ich muß zu diesem Berg und Weyrauch-Hügeln gehn:
Er klopfft mir an das Hertz: in meinen Angst-Geschirren
Seh’ ich den Perlen-Thau von seinen Fingern stehn.
Wie frölich brechen mir gleich in der Marter-Wochen
Die Augen da mein GOtt stirbt für der Erden Heil.
Ich hab auf ewig ihm Geliebte mich versprochen
Hier ernd’ und saml’ ich mir mein außerwehltes Theil.
Solt ich jedweden Zweig nicht in mein Sträußlein binden?
Da diese Statte mir des Lebens Freyheit giebt
Da ich die Hefftigkeit der Liebe kan empfinden
Gehorsam biß in Tod den GOtt hat selbst geliebt.
Die wahre Myrrhen kont’ auch nicht ein Werth erreichen
Denn Heyden haben sie den Göttern fast versagt:
Deß HErren Leiden ist mit nichts nicht zu vergleichen
Als der sein eigen Blut für mich im Creutz gewagt.
Gekrönte Häupter hat das Myrrhen-Oel geweyhet
Der Hohe-Priester ward mit diesem Safft besprengt:
Nun die Theilhafftigkeit des Creutzes mich erfreuet
Fühl ich die Myrrhen erst die mir mein JEsus schenckt.
Ach solcher Balsam heilt der Sünden tieffe Wunden
Daß wir ein gut Geruch für unserm GOtte seyn.
Weg mit der Laster Stanck! Hier hab ich Krafft empfunden
Mehr als von Specerey die man trägt Tempeln ein.
Vergönnt mir unterm Baum der Myrrhen zu entschlaffen
Gott der Gecreutzigte reitzt meine Andacht an:
Kein Wächter ist mir noth noch der Beschirmer Waffen
Sein Leiden zeiget mir der ew’gen Ruhstätt Bahn.
Des Creutzes Myrrhen will ich nimmermehr vergessen
Die mein Erlöser tranck zu büssen unser Schuld:
Bloß nur die Bitterkeit der Sünden zu ermessen
Und was für unsre Schmach er an dem Ereutz gedult.
Mir wird die Myrrhen auch womit er balsamiret
Der Unverweßligkeit erbaulich Denckmahl stehn
Daß wenn mein siecher Leib ins Grab wird hingeführet
Er dort an jenem Tag verklärt hervor kan gehn.
So trug der Simeon diß Püschel auff den Armen
Maria in der Schoß; es soll auch in der Noth
Jm Glauben und
Biß daß sein strenges Recht vollzieht der dürre Tod.
Fliest heilge Myrrhen fliest und wascht die müde Seele
Von solchen Lilien treufft meines Heylands Mund
Legt den erblasten Leib in die bestimmte Höle
Ich sterbe Freuden-voll nun mir die Myrrhen kund.
Und werthste
Der auff der Erden schon den Himmel hat geschmeckt
Den unser Heyland hier in Myrrhen hat gewieden
Daß er ihm dort den Tisch mit Freuden-Rosen deckt.
Du Rose reich beblühmt mit edlen Tugend-Gaben
Die nicht Präneste nährt nicht Alaband’ er zeugt:
Du wirst auch auf der Welt ein Angedencken haben
Das nicht der graue Mund der Affterzeit verschweigt.
Das stoltze Morgenland hieß seine Leichen leben
Wenn Nard und Aloe den holen Leib gefüllt
Ein unverweßlich Tuch die Glieder fest umbgeben
Und die gemahlte Brust bedeckt der Götzen-Bild.
Bald muste Myrrhen-Safft die Fäulniß hintertreiben
Und theures Cedern-Oel die Würmer jagen weg:
Es mag das Heydenthum bey diesem Jrrthum bleiben
Der Frommen Christen Grab hat einen andern Zweg.
Ich weiß
Daß man gar andern Trost bey tieffen Wunden bringt
Und daß nicht Linderung der Schmertzen ist zu hoffen
Wo selbst die Seele steht mit heisser Noth umbringt.
Alleine kan er sich noch einst zurücke lencken
Und lescht der Thränen-Fluth nicht meine Zeilen auß:
So woll’ er sein Gemüth nicht so gar peinlich kräncken
Versichert daß sein Schatz vollkommen nun zu Hauß.
Jhr edler Tugend-Ruhm bey vielen unverschwunden
Das Lob der Gottes-Furcht vertilgt kein Sterben nicht:
Mit was vor Andacht sie sich in den Tempel funden
Den Priester angehört zeigt noch ihr gut Gerücht.
Ja wo die Demuth ist ein Perlen-Schmuck der Frauen
Hat diese Tugend sie unendlich außgeziert.
Wo ein mitleidend Hertz bey Armen lassen schauen
Ist die gewisse Bahn so uns in Himmel führt
So kan der blasse Neid kein ander Zeugnüß sagen
Als daß ihr Beyspiel hat viel Hertzen auferweckt:
Und daß sie diesen Ruhm wird in die Grube tragen
Wie sie hülffreiche Hand Elenden fürgestreckt:
Und wolt ich
Die Wachsamkeit vors Haus mit mehrerm stellen dar
So würd ich mich umbsonst unzeitig nur bemühen.
Den Abriß solcher Treu bezeugt auch ihre Bahr.
Ach hochbeglückte Frau! Die alles Leidens Myrrhen
Mit ihrem Heyland hat zugleich ins Grab gelegt.
Man ehrt der Todten Asch in göldenen Geschirren.
Der Liebsten