Heilsame Myrrhen Bey Beerdigung Fr. S. R. g. S. den 26. Martii 1674.

By Heinrich Mühlpfort

So hast du Selige dein Vaterland gefunden

Das

Die Windeln haben dich in

Und

Gantz

Wiewol des Todes Grimm sie allzufrüh verlescht.

Ja des Verhängnüß Schluß hieß dich nach

Das unser Oderstrom mit seinen Wellen wäscht.

Auch diese Pilgramschafft nahm ein geschwindes Ende.

Wer leugnet daß der Mensch ein Gauckelspiel der Zeit?

Als Polen ward verheert durch Kriege Mord und Brände

Hat

Ach stete Pilgramin auf diesem Rund der Erden!

Dein Wandel hat gelehrt daß hier kein bleiben sey:

Daß wir als Frembdlinge bald auffgejaget werden

Palläst und Städte nur ein öde Wüsteney:

Wie unsers Lebens-Lauff gar eine schwere Reise

Da Trübsal und Gefahr jedwede Stunde blüth:

Da Thränen seyn der Tranck und Hertzens-Angst die Speise

Biß uns mit seinem Garn der blasse Tod bezieht.

Standhaffte Wanderin! die sich ließ nichts verwirren

Ob manch betrübter Tag das Leben dir vergällt:

Du siehst nun unter dir die Berge voller Myrrhen

Und hast auff die zugleich dein gantzes Thun gestellt.

Ich meine nicht der Welt gehäuffte Bitterkeiten

Die ihren Siegern auch wie Rom nur Wermuth schenckt:

Nein ach Erblaste nein! Du ruhst an JEsus Seiten

Sein Püschel Myrrhen ist umb deine Brust gehenckt.

Du Sulamithin ruffst: Mein Liebster ist wie Myrrhen

Ich muß zu diesem Berg und Weyrauch-Hügeln gehn:

Er klopfft mir an das Hertz: in meinen Angst-Geschirren

Seh’ ich den Perlen-Thau von seinen Fingern stehn.

Wie frölich brechen mir gleich in der Marter-Wochen

Die Augen da mein GOtt stirbt für der Erden Heil.

Ich hab auf ewig ihm Geliebte mich versprochen

Hier ernd’ und saml’ ich mir mein außerwehltes Theil.

Solt ich jedweden Zweig nicht in mein Sträußlein binden?

Da diese Statte mir des Lebens Freyheit giebt

Da ich die Hefftigkeit der Liebe kan empfinden

Gehorsam biß in Tod den GOtt hat selbst geliebt.

Die wahre Myrrhen kont’ auch nicht ein Werth erreichen

Denn Heyden haben sie den Göttern fast versagt:

Deß HErren Leiden ist mit nichts nicht zu vergleichen

Als der sein eigen Blut für mich im Creutz gewagt.

Gekrönte Häupter hat das Myrrhen-Oel geweyhet

Der Hohe-Priester ward mit diesem Safft besprengt:

Nun die Theilhafftigkeit des Creutzes mich erfreuet

Fühl ich die Myrrhen erst die mir mein JEsus schenckt.

Ach solcher Balsam heilt der Sünden tieffe Wunden

Daß wir ein gut Geruch für unserm GOtte seyn.

Weg mit der Laster Stanck! Hier hab ich Krafft empfunden

Mehr als von Specerey die man trägt Tempeln ein.

Vergönnt mir unterm Baum der Myrrhen zu entschlaffen

Gott der Gecreutzigte reitzt meine Andacht an:

Kein Wächter ist mir noth noch der Beschirmer Waffen

Sein Leiden zeiget mir der ew’gen Ruhstätt Bahn.

Des Creutzes Myrrhen will ich nimmermehr vergessen

Die mein Erlöser tranck zu büssen unser Schuld:

Bloß nur die Bitterkeit der Sünden zu ermessen

Und was für unsre Schmach er an dem Ereutz gedult.

Mir wird die Myrrhen auch womit er balsamiret

Der Unverweßligkeit erbaulich Denckmahl stehn

Daß wenn mein siecher Leib ins Grab wird hingeführet

Er dort an jenem Tag verklärt hervor kan gehn.

So trug der Simeon diß Püschel auff den Armen

Maria in der Schoß; es soll auch in der Noth

Jm Glauben und

Biß daß sein strenges Recht vollzieht der dürre Tod.

Fliest heilge Myrrhen fliest und wascht die müde Seele

Von solchen Lilien treufft meines Heylands Mund

Legt den erblasten Leib in die bestimmte Höle

Ich sterbe Freuden-voll nun mir die Myrrhen kund.

Und werthste

Der auff der Erden schon den Himmel hat geschmeckt

Den unser Heyland hier in Myrrhen hat gewieden

Daß er ihm dort den Tisch mit Freuden-Rosen deckt.

Du Rose reich beblühmt mit edlen Tugend-Gaben

Die nicht Präneste nährt nicht Alaband’ er zeugt:

Du wirst auch auf der Welt ein Angedencken haben

Das nicht der graue Mund der Affterzeit verschweigt.

Das stoltze Morgenland hieß seine Leichen leben

Wenn Nard und Aloe den holen Leib gefüllt

Ein unverweßlich Tuch die Glieder fest umbgeben

Und die gemahlte Brust bedeckt der Götzen-Bild.

Bald muste Myrrhen-Safft die Fäulniß hintertreiben

Und theures Cedern-Oel die Würmer jagen weg:

Es mag das Heydenthum bey diesem Jrrthum bleiben

Der Frommen Christen Grab hat einen andern Zweg.

Ich weiß

Daß man gar andern Trost bey tieffen Wunden bringt

Und daß nicht Linderung der Schmertzen ist zu hoffen

Wo selbst die Seele steht mit heisser Noth umbringt.

Alleine kan er sich noch einst zurücke lencken

Und lescht der Thränen-Fluth nicht meine Zeilen auß:

So woll’ er sein Gemüth nicht so gar peinlich kräncken

Versichert daß sein Schatz vollkommen nun zu Hauß.

Jhr edler Tugend-Ruhm bey vielen unverschwunden

Das Lob der Gottes-Furcht vertilgt kein Sterben nicht:

Mit was vor Andacht sie sich in den Tempel funden

Den Priester angehört zeigt noch ihr gut Gerücht.

Ja wo die Demuth ist ein Perlen-Schmuck der Frauen

Hat diese Tugend sie unendlich außgeziert.

Wo ein mitleidend Hertz bey Armen lassen schauen

Ist die gewisse Bahn so uns in Himmel führt

So kan der blasse Neid kein ander Zeugnüß sagen

Als daß ihr Beyspiel hat viel Hertzen auferweckt:

Und daß sie diesen Ruhm wird in die Grube tragen

Wie sie hülffreiche Hand Elenden fürgestreckt:

Und wolt ich

Die Wachsamkeit vors Haus mit mehrerm stellen dar

So würd ich mich umbsonst unzeitig nur bemühen.

Den Abriß solcher Treu bezeugt auch ihre Bahr.

Ach hochbeglückte Frau! Die alles Leidens Myrrhen

Mit ihrem Heyland hat zugleich ins Grab gelegt.

Man ehrt der Todten Asch in göldenen Geschirren.

Der Liebsten