Herbstgefühl

By Friedrich Hebbel

Written 1836-01-01 - 1836-01-01

Grünen, Blühen, Duften, Glänzen,

Reichstes Leben ohne Gränzen,

Alles steigernd, nirgends stockend,

Selbst die kühnsten Wünsche lockend:

Ja, da kann ich wohl zerfließen,

Aber nimmermehr genießen;

Solche Flügel tragen weiter,

Als zur nächsten Kirschbaum-Leiter.

Doch, wenn roth die Blätter fallen,

Kühl die Nebelhauche wallen,

Leis durchschauernd, nicht erfrischend,

In den warmen Wind sich mischend:

Dann vom Endlos-Ungeheuren

Flücht' ich gern zum Menschlich-Theuren,

Und in einer ersten Traube

Sieht die Frucht der Welt mein Glaube.