Herbstwind

By Clara Müller-Jahnke

Written 1882-01-01 - 1882-01-01

Durch fahlbelaubte Bäume

mit müdem Ton der Herbstwind singt;

die sehnsuchtsbange Weise klingt

des Nachts in meine Träume.

Ach, alle Blumendüfte,

das Farbenspiel der Rosenzeit,

die ganze Sonnenseligkeit –

Zerstoben in die Lüfte!

Verstummt ist Scherz und Kosen. –

Die mir geblüht in tiefster Brust,

das alte Leid, die alte Lust –

sie starben mit den Rosen!

Nun will kein Stern mehr scheinen.

Der Himmel trüb und wolkenschwer,

das Haupt so müd, das Auge leer . . .

Ich hab verlernt das Weinen!

Und wenn die Sehnsuchtslieder

der Nachtwind auf den Fluren singt, –

in meinem Herzen hallt und klingt

sein traumhaft Rauschen wider.