[Herr, es mangelt nicht an dir]

By Simon Dach

Written 1632-01-01 - 1632-01-01

Herr, es mangelt nicht an dir,

Täglich schickstu zu vns Bohten,

Klopffst an vnsrer Hertzen Thür

Durch die grosse Zahl der Todten:

Täglich senckt man Leichen ein

Die vns heissen wache seyn.

Wie, wenn eine Wolcke treufft,

Es nicht groß gemerckt kan werden,

Daß das Wasser sich verschläufft

In den dürren Schohs der Erden:

Also schluckt das weite Grab

Vns, sein Mast-Vieh, stets hinab.

Lässest Du nicht fort vnd fort

Vns Begräbnis-Lieder singen?

Machst, daß täglich hie vnd dort

Trawrig alle Glocken klingen?

Nur daß ja ein jeder wol

An sein Ende dencken sol.

Selig ist, der sich von hier

Kan bey zeiten zu Dir wenden,

Vnd nimbt seinen Tod von Dir

Wie mit außgestreckten Händen,

Nicht sich an der Welt vergafft,

Vnd wird plötzlich hingerafft!

Bring, Herr, vnsern Sinnen bey,

Daß sie kennen dieses Leben,

Wie es gantz so eitel sey,

Vnd in jenes sich erheben,

Da kein Tod, kein Leid noch Pein

Ewig wird zu finden seyn!