Herr Guzzo vom Gauchen aus Bayerland

By Felix Dahn

Written 1873-01-01 - 1873-01-01

Aus dem Bergland der Bavaren,

Wo die Loisach leuchtend rinnt,

Weit nach Ostnordost verfahren,

Hat mich zu den Pelzbarbaren

Ungelind ein Wetterwind.

Was ist viel davon zu melden!

Große Herren fallen weich:

Doch wir schimmerlosen Helden,

Wir verderben's mit Frau Sälden

Leicht bei jedem lust'gen Streich. –

Auf mein Schloß im Loisachgrunde

Schickt ein wackrer Trinkgesell

Mir geheim vertraute Kunde,

Wie und wo – zu welcher Stunde – ...

Rechter Zeit war ich zur Stell'. –

Was braucht allen Rüdesheimer

Salzburgs Bischof ganz allein!

Alter Litaneienreimer,

Dacht' ich, diese zwanzig Eimer

Bring' ich in die Gauchburg ein.

Tief im Tann bei Traunstein lagen

Wir mit achtzehn Lanzen still:

Langsam rumpeln an die Wagen: –

Wir drauf los: doch wie ich schlagen

Just vom Gaul den Führer will, –

Merk' ich's an dem Scharlachbäfflein:

Bischof Bumpo selbst war das

Schau', selbst führt den Wein das! Pfäfflein! –

Nun, da half nichts! ein klein Trefflein

Mit der Faust: – weich war das Gras! – –

Kaum vertrunken und verschlafen

War der Wein – Gott segne ihn! –

Als beim Marquartsteiner Grafen

„Wegraub! Friedbruch! Zeter! Wâfen!“

Alle Durst'gen Salzburgs schrien.

König Rudolf ließ mir sagen:

„Guzegauch, das war zu stark!

Hätt'st du nicht so fest geschlagen

Einst im Marchfeld, gält's den Kragen! –

Zieh' dich flugs gen Preußenmark!“

Anfangs wollt' mich's schwer verdreußen.

Um den Bischofsburzelbaum

Gleich bis Heidenland! bis Preußen!

Und ob dort auch Tropfen fleußen,

Die ein Mann mag trinken? – – kaum!

Nun, so schlimm ist's nicht geworden.

Zwar das Land: – – ein arg flach Moor!

Doch mir taugt der tapfre Orden:

Gleich im Kampf tut's uns der Norden,

Tut's im Trunk uns noch zuvor! – –

Aber freilich, ganz vor'm Ende

Möcht' ich einmal schauen noch

Glühn im Abendgoldgeblende

Eure stolzen Schroffenwände,

Torstein und Karwendeljoch! –