[Herr/ die Stund ist angebrochen]

By Hans Aßmann von Abschatz

Written 1672-01-01 - 1672-01-01

Herr die Stund ist angebrochen

Da dein Kind im Friede fährt.

Wie dein theures Wort versprochen

Wo es längsten hinbegehrt

Da mein schwacher Lebens-Kahn

Langt am stillen Hafen an.

Meine Glaubens-Augen haben

Deinen Heyland angeschaut

Dem du deiner Weißheit-Gaben

Und der Völcker Heyl vertraut

Welcher Jacobs Sonnen-Schein

Und der Heyden Licht soll seyn.

Ach mit was vor tausend Freuden

Scheid' ich aus der bösen Welt

Da uns Angst und Noth bekleiden

Sorg' und Furcht gefangen hält

Da man wenns am besten geht

In Gefahr der Seelen steht.

Ach mit was vor tausend Freuden

Schlüß ich meiner Augen Licht

Das sich ewig dort soll weiden

An des Höchsten Angesicht

An der Sonne deren Schein

Keine Wolcken hüllen ein.

Ach mit was vor tausend Freuden

Zieh ich heim ins Vaterland

Da mein abgekürztes Leyden

Wird in ewge Lust gewand

Da man Jesu für und für

Redet denckt und singt von mir.

Arm und Hertze steht dir offen

Gieb mir einen Liebes-Kuß

Hör mein mattes Hertze ruffen

Wenn der Mund verstummen muß:

Du mein Alles du mein Ich

Jesu komm und hole mich!