Herrn Wolff Caspars von Hund/ Röm. Käyserl. Majest. wohl-verdienten Hauptmanns/ ...
Written 1672-01-01 - 1672-01-01
Zwey Dinge sind die sich im Grabe nicht begraben
Die wann der Leib verdirbt vom Tode bleiben frey:
Der Nach-Ruff welchen uns die Tugend leget bey
Die Seele welche wir von Gott empfangen haben.
Kein unverzehrlich Tacht kein immer-brennend Licht
Gleicht dieser Himmels-Flamm und hellem Zunder nicht;
Wenn gleich solt Oel und Schein erblaßter Sternen schwinden
Läst sich der beyden Glantz noch unvertunckelt finden.
Das Unverweßlich-seyn sucht Morgenland vergebens
Die theurste Specerey ist selbst verderblich Gutt
Ertz Steine Säulen zwingt Zeit Sturm Wind oder Glutt;
Der beste Balsam ist der Nachruhm reines Lebens
Wer dieses Kleinod zu der Ahnen Schilde legt
Das Bild der Gottesfurcht in seine Seele prägt
Lebt in und ob der Welt und wenn sich die begräbet
So weiß er daß er doch die Zeit selbst überlebet.
Hier liegt der edle Geist verstrickt in seinen Banden
Das allzu schwere Fleisch der Eitelkeiten Koth
Klebt seinen Flügeln an doch kennt er keinen Todt:
Wann die gewünschte Zeit der Freyheit ist verhanden
Im Fall ihn nicht die Last der Laster unterdrückt
Und in das schwartze Reich betrübter Nächte schickt
So klimmt er an das Licht und übersteigt die Sonne
Bewohnt bey Gottes Thron das Reich der steten Wonne.
Die Dünste dieser Welt umnebeln das Gesichte
Ein neidig Auge streicht der Sonne Flecken an.
Man mindert oder mehrt was der und du gethan
Wenn unser Lebens-Licht verlöscht so wird es lichte.
Wenn Lust und Nutz entweicht kein Zwang uns mehr umgiebt
So rühmt und schilt die Welt was ieder ausgeübt.
Der Fürnis springet ab die wahren Lebens-Farben
Erheben unsre Zier entblößen unsre Narben.
Wir sencken zwar nunmehr die abgelebten Glieder
Des Edelen von Hund mit Thränen in die Grufft:
Das beste Theil von ihm hat Gott zu sich gerufft
Sein wohl verdienter Ruhm schallt aus dem Grabe wider.
Die Plagen dieser Welt das Siechthum dieser Zeit
Ersetzet ihm nunmehr die Schos der Ewigkeit:
Der müde Leib verschläfft der Geist darff nimmer fühlen
Die Stürme welche noch auff unsre Häubter zielen.
Rom ziert des Siegers Haubt mit grünen Lorberzweigen
Durch saure Müh errang der Kämpffer seinen Preiß
Die Ehre des Triumphs erworben Blutt und Schweiß;
Hat nicht die theure Seel izt gleichen Schmuck zu eigen?
Auff Streiten folget Sieg auff Arbeit Ruh und Lohn;
Sie träget beydes izt von Gott bekrönt darvon
Kan gegenwärtig sehn vor- wissen und genüssen
Was wir im Schatten nur zu Trost und Hoffnung wissen.
Das Tuschwerck dieser Welt der ungewisse Schimmer
Verführet ferner ihr verklärtes Auge nicht:
Sein heller Leitstern ist das ungeschaffne Licht:
Vor war der enge Leib der Himmel izt ihr Zimmer.
Knallt hier die Mord-Carthaun und dräut des Säbels Wutt
Kein Unfall ficht sie an kein Feind entführt ihr Gutt;
Wird hier der Mensch durch Streit und Sorgen abgezehret
Ihr ist die volle Gnüg und süsse Ruh gewähret.
Die kurtze Lebens-Zeit durch kluge Thaten strecken
Durch freye Tapfferkeit dem Tode beugen für
Dem man entgegen geht ist deren beste Zier
Die ihrer Eltern Schild zur Tugend soll erwecken.
So steckte der von HUND durch tugendhafften Lauff
Bey seiner Ahnen Helm noch neue Nägeln auff
Sein angeerbter Ruhm durch eignes Lob erhöhet
Verfällt nicht weil die Welt und diese Grabschrifft stehet:
Der Tugend festen Grund legt ich in jungen Jahren:
Was meiner Ahnen Faust erwarb zu ihrer Zeit
Das pflanzt ich weiter fort durch eigne Tapfferkeit;
Wie edel mein Gemütt hat Freund und Feind erfahren.
Ich diente sonder Scheu und treulich Gott und Land
Drum bot mir Gnad und Gunst von Hoch- und Niedern Hand.
Muß ich der Jahre satt das irdsche Leben schlüssen
Viel Tugend-Nägeln solln aus meinem Grabe sprissen.