[Heult nicht Nordenwind! der rauhe Felderfeind]
By Johann Klaj
Written 1636-01-01 - 1636-01-01
Heult nicht Nordenwind! der rauhe Felderfeind
Das Goldgestralte Liecht zweymal vier Stunden scheint
Der Flüsse Strand besteht; wo vor die Segel flogen
Knirscht ein belastes Rad; der Wald hat außgezogen
Sein grünes Sommerkleid; das nasse Fichtenpferd
Ligt in den Hafen dort; es sitzet üm den Herd
Der brache Schäferman; der Wintzer hat gedekket
Die Fechser und der Stock liegt Ellentief verstecket
Was macht ein Musensohn so manche lange Nachts?
Ein Vers den Dunkelheit hat an den Tag gebracht
Ist dunckel von Geburt! der kan der Kälte lachen
Der Feuer bey sich hat im Fall er pflegt zu machen
Ein Lied das geistig ist! durchsucht des Jahres Lauf
Weil auch ein kalter Wind die Flamme bläset auf
Die Sinn und Kunst erhitzt; wie mich denn unlängst triebe
Vom Kachelofen weg der freien Freiheit Liebe.
Ich gieng den alten Pfad nicht zwar wie vor im Klee
Es knarplet unter mir der hartgefrorne Schnee.
In dem fleugt Vater Jaan aus düstrer Winterlufft
Vnd schreyet: hör! hieher! Ich sehe wer mir rufft.
Der zwey gestirnte Gott stund da mit rohten Ohren
Es war jhm Haar und Bart wie Felsenhart gefroren
Sein Kleid war durch und durch vor Kälte Kreidenweis
An seinem Schlüssel hieng ein grosser Zapfen Eis.
Er sprach: wohin? wohin? jetzt ist hier nichts zu schauen
Jetzt blüht kein Rosenstrauch jetzt feyren Berg vnd Auen
Vnd wie die Sage geht so freyet Pusch und Wald
Es buhlet Stamm und Ast Kraut Wurtzel jung und alt
Vm diese Weyhnachtzeit. Wie? wiltu Rosen brechen
Ich weiß derselben drey die kanstu sonder stechen
Abpflükken wann du wilt; die hegt ein güldnes Feld
Nechst hohem Purpurglantz in jenem Winterzelt.
Die Farben und die Zahl beloben kluge Sinnen
Des Glükkes lieben Sohn den Schutz der Pierinnen;
Gold ist die Gottesfurcht das Liechte Purpurroht
Ein Leben ohne Fehl Gedult in Creutz und Noht.
Ich hörte zu: er sprach: es läst sich hier nicht stehen
Die Lufft schneidt schaurig scharf wir wollen vorbaß gehen.
Es ist nicht weit von hier des Gartens Scherbenhaus
In welchem Flora grünt und lacht den Winter aus.
Die Lorbern falben nicht es leuchten Pomerantzen
Es bleiben unversehrt weithergebrachte Pflantzen.
Hör an und setze dich; der Blumen Ruch verdirbt
Herr Schmidmayr dieser Herr und sein Lob nimmer stirbt.
Es war ein schöner Zank alsbald bey seiner Wiegen
Da ihm ein jeder Gott wolt an der Seiten liegen
Sie drungen sich üm ihn; Apollo goß ihm ein
Der süssen Künste Milch den klaren Götterwein;
Mars nam ihn auff den Arm und mehrmal ihn beküste
Frau Swada leget ihn an ihre weisse Brüste
Er war von Kindheit an mit Götterkost gespeist
Die Febusvolk ernehrt und von dem Pindus fleust.
Er wuchs sehr lieblich auf Verstand kam vor den Jahren
War jung an Klugheit alt und reiste nach den Wahren
Der theuren Wissenschaft; Paris der Erden Ruhm
Die Sittensäugerin der Weißheit Eigenthum
Nam ihn mit Freuden auf denn zog er nach der Schulen
Wo die drey Huldinnen mit dreymal dreyen buhlen
Des Mavors Dummelplatz der Belgen Städte Liecht
Wo man die Fahnen schwingt wo man die Lantzen bricht.
Daher die Pallas noch im gantzen Küris gehet
Weil ein gelehrter Kopff schön in der Rüstung stehet.
Ein auserlesnes Buch ein dummelhafftes Pferd
Verbrüdern sich gar wol sind gleicher Ehren werth.
Der Degen schützet zwar des Helden Leib und Leben
Doch muß der Federbusch hoch ob den Degen schweben
Wird der geharnschte Mars der Pallas beygelegt
Ein Kunstgeübter Sinn der Ritterspiele hegt
Verdoplet Lob und Lust; wie Cæsar Kunst und Kriegen
In einer Stirn gefühlt; die Faust von vielen Siegen
Die hat hernach das Werck selbst zu Papyr gebracht
Die Feder hat das Schwerd diß jenes groß gemacht.
Herr Schmidmayr stirbet nicht viel minder seine Gaben
Die ihn in diesem Stand sehr hoch erhaben haben
Es ist ja seine Lust ein ritterliches Schwerd
Der Ball und das Raquet ein wolgewandtes Pferd
Ein blankgezognes Rohr das niemal nicht versaget
Vnd durch das Kraut das Loht hin in das schwartze jaget
Ein leichtgefüster Hund der manchem Wild nachsetzt
Und was er nur erspürt durch Strauch und Stauden hetzt
Bis daß er es erwürgt. Denn zu bequemen Zeiten
Gejaget angestelt ein Freundgesintes streiten
Ist zugelasner Krieg; die kühne Jägerhand
Entzündet Blut und Muht schärfft Urthel und Verstand.
Wie liebt er nicht den Herrn dem keiner leichtlich gleichet
Und wie man sonsten sagt nicht wol das Wasser reichet
Der viel gelesen hat und list noch täglich viel
Dem auch die schwerste Frag ein leichtbeliebtes Spiel.
Laß sonsten alles seyn wodurch er möchte grünen
Gedenk an jenes Buch der treflichen Rabbinen
Das jüngst durch seine Gunst des Tages Liecht erblikt
Und seines Namens Ruhm in alle Welt geschikt.
Was Opitz aufgebracht pflegt er mit Lust zu lesen
Das bey dem Teutschen Volck vom Anfang her gewesen
Dann ihm nicht unbewust daß alles hier vergeht
Nur ein Poetenfreund und ein Poet besteht.
Ein ausgeputzter Reim und Kunstgebundne Schrifft
Die sind des Todes Tod des Gifftes Gegengifft.
Stirbt ein Poetenfreund bleibt der Poet nur leben
So kan er mit dem Vers das Leben wieder geben.
Der Rosen safft vertreibt der schwartzen Gallen Wust
Ein Vers den Unverstand und gibet Hertzenslust.
Die Rosen stärcken auch das Haubt und schwache Glieder:
Ein aufgeflamter Vers bringt Geist und Stärcke wieder.
Wann jetzt die strenge Lufft streicht über Berg und Thal
So steht der Rosenstrauch entblösset Blätter kahl:
Die Rosen gelblichroht im kalten Jenner gläntzen
Ihr bunter Rock der stralt im Hornung und im Lentzen
Die Rose zeucht den Mund und Augen an sich hin
Ein Vers die Rose selbst Hertz Muht und allen Sinn.
Mein gib ihm diß Papyr und meinentwegen grüsse
Sag daß ich seine Hand mit Teutscher Treue küsse;
So sagte Vater Jaan und kam nicht mehr zu Liecht
Ich sah dem Alten nach er warf mir ins Gesicht
Den hartgebalten Schnee. Weil Ihr dann Künste liebet
Nemt was im Neuen Jahr euch alte Liebe gibet.