Heyraths-Gedancken

By Christian Hoffmann von Hoffmannswaldau

Written 1647-01-01 - 1647-01-01

Sol denn die traurigkeit den gantzen geist beschlüssen

Und die gewünschte zeit samt aller lust verflüssen?

Sol denn die einsamkeit o meisterin der pein!

Des hauses bester schatz des bettes zierrath seyn?

Nein nein es müssen nicht die sehnen müßig liegen

Es soll das alter hier nicht ohne zeugen siegen.

Es ist gut einsam seyn wenn schnee das haupt bedeckt

Ein winter-kaltes eyß uns in den lenden steckt.

Und uns der zeiten zahn die besten adern rühret.

Wer sonnen-heisse glut noch in den sehnen führet

Der tret in zuversicht ein gleiches wesen an

So glut zu halten weiß und glut erregen kan.

Ist doch in dieser stadt noch wohl ein bild zu finden

So die aus Cypern kan mit schönheit überwinden

Bey welcher der corall den süssen mund bedeckt

Ja selbst der sonnen krafft in beyden augen steckt

Von welcher lippen nichts als amber-tropffen fallen;

So schnee auff ihrer brust vermischet mit corallen.

Und welcher mit verdienst das hohe lob gebührt

Daß sie den schwanen selbst die farbe hat entführt.

Das ist ein zeitvertreib so die erwehlen sollen

Die in der sterbligkeit mit recht verfahren wollen.

Must alles fleisch gepaart in Noens kasten gehn

Wie will man ungepaart in dieser welt bestehn?