[HIer müssen frische myrthen stehn /]

By Heinrich Mühlpfort

Written 1660-01-01 - 1660-01-01

HIer müssen frische myrthen stehn

Mein fuß soll itzt auff rosen gehn

Das glücke soll mir selber betten

Denn die so meine seele liebt

Und der mein hertze sich ergeibt

Bindt mich mit allzu-schönen ketten.

Sie zeigt die schätze ihrer gunst

In gleicher glut in gleicher brunst

Ihr blut entdecket die gedancken

Hier leg ich meine freyheit hin

Weil ich ihr leibs-gefangner bin

Ihr will sey mein ziel in schrancken.

Der frühling ihrer besten zeit

Voll anmuth voller lieblichkeit

Giebt meinen geistern neues leben

Ich seh' auff ihrem wangen-rund

Und dem so schönen zucker-mund

Die Gratien leibhafftig schweben.

Komm schönste meiner seelen licht

Laß mich aus deinem angesicht

Des hertzens wahre meynung lesen:

Ich weiß von deiner edlen treu

Daß ihr nichts vorzuziehen sey

Nich iemahls etwas gleich gewesen.

Laß und weil es der himmel schafft

Und wir noch voll blut und safft

Der liebe nectar-strohm geniessen;

Den bund der uns zusammen fügt

Und beyder hertz und sinn vergnügt

Besiegelt ein empfindlich küssen.

Du bist mein stern mein paradeiß

Und was ich nicht zu nennen weiß

Der kern und ausbund meiner seelen

Es soll in diesem leib und blut

Stets brennen meiner liebe glut

Bis zu den finstern grabes-hölen.

Alleine hör was Venus spricht

Mein engel und mein augen-licht

Sie will nicht bloß mit worten spielen;

Sie ladet uns zun wercken ein

Und heißt uns da geschäfftig seyn

Die heissen flammen auszukühlen.