[HIer müssen frische myrthen stehn /]
Written 1660-01-01 - 1660-01-01
HIer müssen frische myrthen stehn
Mein fuß soll itzt auff rosen gehn
Das glücke soll mir selber betten
Denn die so meine seele liebt
Und der mein hertze sich ergeibt
Bindt mich mit allzu-schönen ketten.
Sie zeigt die schätze ihrer gunst
In gleicher glut in gleicher brunst
Ihr blut entdecket die gedancken
Hier leg ich meine freyheit hin
Weil ich ihr leibs-gefangner bin
Ihr will sey mein ziel in schrancken.
Der frühling ihrer besten zeit
Voll anmuth voller lieblichkeit
Giebt meinen geistern neues leben
Ich seh' auff ihrem wangen-rund
Und dem so schönen zucker-mund
Die Gratien leibhafftig schweben.
Komm schönste meiner seelen licht
Laß mich aus deinem angesicht
Des hertzens wahre meynung lesen:
Ich weiß von deiner edlen treu
Daß ihr nichts vorzuziehen sey
Nich iemahls etwas gleich gewesen.
Laß und weil es der himmel schafft
Und wir noch voll blut und safft
Der liebe nectar-strohm geniessen;
Den bund der uns zusammen fügt
Und beyder hertz und sinn vergnügt
Besiegelt ein empfindlich küssen.
Du bist mein stern mein paradeiß
Und was ich nicht zu nennen weiß
Der kern und ausbund meiner seelen
Es soll in diesem leib und blut
Stets brennen meiner liebe glut
Bis zu den finstern grabes-hölen.
Alleine hör was Venus spricht
Mein engel und mein augen-licht
Sie will nicht bloß mit worten spielen;
Sie ladet uns zun wercken ein
Und heißt uns da geschäfftig seyn
Die heissen flammen auszukühlen.