Him̃el auf erden in der süssesten ver- gnügung keuscher liebe bey der Hoch-Frey-...

By Christian Hoffmann von Hoffmannswaldau

Wer ist wol auf der welt der nicht vergnügung sucht?

Die kurtze lebens-zeit ist eine bittre frucht

Die man mit freude muß als wie mit zucker würtzen.

Ein unmensch gräbt sich nur in blasse traurigkeit

Und wer sein leben haßt der stirbet vor der zeit

Wenn er sich selbsten wil in gram und sorge stürtzen.

Des kummers folter steht nur feigen hertzen an

Ein aufgeweckter geist bricht lilgen in den nesseln

Und kocht aus wermuth selbst was zucker gleichen kan;

Kein niederträchtig schmertz mag seine sinnen fesseln

Weil er die freudigkeit als seine schwester küßt

Und die vergnügung ihm das halbe leben ist.

Jm schachte findt man gold und in der asche glut

Der mohr fischt aus der see das theure perlen-gut

Wo aber sol der mensch vergngügungs-schätze graben?

Der nimmer-satte geist lacht seinen klumpen an

Das marck der erden ist was ihn vergnügen kan

Und was die hände füllt sol auch das hertze laben.

Allein! wie schwärmt der geist bey dieser eitelkeit?

Er bleibt ein selave doch auch in den göldnen banden

Des reichthums überfluß frißt die zufriedenheit

Wenn vor den schatz kein schutz in glut und raub verhanden

Daß offt ein leeres hertz beym vollen kasten liegt

Und diese worte seufzt: Hier lebt man unvergnügt.

Ein andrer speiset sich mit einer hand voll wind

Wenn pracht und herrligkeit sein ander leben sind.

Allein die erhsucht springt wie leichte wasser-blasen

Offt wird vor Diamant nur bley und glas getauscht

Wenn hoheit durch das glück wie eine flut verrauscht

Und unglücks-donner oft auf kron und zepter rasen.

Viel suchen ihre ruh in hoher wissenschafft

Die auch ein Salomon als leeres stückwerck preiset

Ein weicher Sybarit lächzt nur nach trauben-safft

Ob gleich Egyptens topff nur Coloquinten speiset.

Ach sagt: Jhr sterblichen wo wird man nun vergnügt?

Wenn hier vor perl und kern nur schaum und schale liegt.

Der himmel bleibet wohl der seelen höchstes gut

Der macht uns recht vergnügt wenn die geweyhte glut

Die aus dem hertzen bricht nur nach den wolcken steiget.

Doch ausser diesem ist der ehe süssigkeit

Ein himmel auf der welt wo die zufriedenheit

Ein irdisch paradiß und lichtes Gosen zeiget.

Zwar von den farben schreibt ein blinder ziemlich blind

Und wen die liebe nicht mit ihrem moste träncket

Der kennt die blumen nicht die ihr gewachsen sind.

Doch wer die augen nur auf diese hertzen lencket

Die dieser tag verknüpfft der fällt mir gerne bey

Daß nichts vergnügters ist als süsse liebes-treu

Hier speist man götter-brod; vergnügung ist die tracht

Die immer sättiget und immer hungrig macht.

Jhr süsses Manna trotzt die seltnen Marmeladen

Wenn hier ein keuscher kuß auf treuen lippen schwimmt

Wenn in dem hertzen selbst ein ewigs opffer glimmt

Und geister voller gluth in tugend-rosen baden.

Ein jeder morgen thaut auff ihren liebes-klee

Ein jeder abend wiegt sie auf vergnügungs-betten.

Hier blüht der frühling auf auch unter eiß und schnee

Und was das hertze knüpft sind lauter sanfte ketten

Wo nun dergleichen lust aus einem brunnen quillt

Da wird die keusche brust mit reiner lust erfüllt.

Gesetzt; daß Myrrhen oft bey diesem zucker sind

Und daß die eh sich auch mit einem weh verbindt

Doch muß die last in lust schmertz sich in schertz verkehren;

Wann diese bürde nur auf zweyen schultern liegt

Da bleibt ein doppelt hertz im trauren unbesiegt

Getheilter kummer muß das labsal selbst gewehren.

Der gleichgesinnte geist lacht wenn das unglück kracht

Ein angenehmer blick vertreibet manche grille

Ein treu-verliebter kuß macht tag aus finstrer nacht

Denn hier ist nur ein sinn ein wunsch und auch ein wille

Es mag das schicksal gleich aus allen winckeln drohn

So erndten sie dennoch der eintracht süssen lohn.

Wer sagt daß lieben nicht vergnügtes leben sey?

Wer heißt die ehe nicht des himmels conterfey?

Kan auch ein dürrer kern in süssen schalen wohnen?

Auf einem nelcken-strauch wächst keine distel nicht.

Hier ist ein grüner baum wo man vergnügung bricht

Hier wachsen mandeln nur und liebliche eitronen.

Schweigt ihr verächter nur die ihr den süssen stand

Des kummers aufenthalt des geistes kercker nennet

Die ihr fast alle lust aus diesem circul bannt

Und lieber in das netz der geilen wollust rennet

Die ehe bleibet doch auch in dem grösten weh

Des lebens honigseim des kummers Panace.

Glückselig bist du nun hochwohlgebohrnes paar!

Der himmel beut dir auch den süssen becher dar

In welchem mehr als most und Muscateller flüsset.

Vergnügung windet dir den immer-grünen krantz

Sie stecket sternen auf voll licht und voller glantz

Und speist dich mit confect das alle noth versüsset.

Die liebe liefert dir die angenehmste tracht

Jhr garten zinset schon die göldnen Pomerantzen

Die kein bereifter Nord nicht welck noch dürre macht

Und die kein gärtner kan in solcher zierde pflantzen.

Dich haucht der berge thau wie lauter balsam an

Und weidet deinen fuß auf schönster rosen-bahn.

So lebe dann vergnügt so lebe dann erfreut

Du hochverbundnes paar! daß weder leid noch neid

Den bittren gallen-tranck in deinen Nectar mische.

Kein trauriger comet strahl deinen himmel an

Daß deine sonne sich niemahls verfinstern kan

Und lauter segens-thau dein wohlergehn erfrische!

Die keuschheit baut dir schon den liebes-tempel auf

Des höchsten heiligthum veranckert händ und hertzen.

Laß der vergnügung nun den angenehmsten lauff

Daß geist und leib zugleich in keuscher liebe schertzen:

Viel tausent glückdarzu! So bleibet es dabey

Daß nichts vergnügters sonst als keusche liebe sey.