Himmelsboten zu Liebchens Himmelbett

By Ludwig Achim von Arnim

Written 1806-01-01 - 1806-01-01

Der Mondschein, der ist schon verblichen,

Die finstre Nacht ist hingeschlichen;

Steh auf du edle Morgenröth',

Zu dir all mein Vertrauen steht.

Phöbus ihr Vorbott wohlgeziert,

Hat schon den Wagen angeschirrt;

Die Sonnenroß sind vorgespannt,

Zügel ruht in seiner Hand.

Ihr Vorbott der Don Lucifer,

Schwebt allbereits am Himmel her,

Er hat die Wolken aufgeschlossen,

Die Erd mit seinem Thau begossen.

O fahrt vor ihr Schlafkämmerlein,

Weckt leis die süße Liebste mein;

Verkündet ihr, was ich euch sag,

Mein Dienst, mein Gruß, ein guten Tag.

Doch müßt ihr sie fein züchtig wecken,

Dabei mein heimliche Lieb entdecken;

Sollt sagen, wie ihr Diener wacht,

So kummervoll die ganze Nacht.

Schaut an für mich die gelbe Haar,

Ihr Hälslein blank, ihr Aeuglein klar;

Küßt ihr für mich den rothen Mund,

Und wenn sie's leid't die Brüstlein rund.