Himmlische Vermählung Jfr. M. M. W. v. W. den 27. Martii 1678.

By Heinrich Mühlpfort

So zeuchstu Seeligste numehr von dieser Erden?

Verläst des Vaters Haus dein Volck und diese Stadt?

Ach ja! der Höchste selbst wil jetzt dein Bräutgam werden.

Was Wunder? daß kein Mensch theil deiner Liebe hat?

Du weist daß doch die Welt muß wie ein Kleid veralten

Daß nichts beständig hier als Unbeständigkeit

Darumb so lästu sie den schwartzen Sontag halten

Weil Jubilate du feyrst in der Ewigkeit.

Es geht zwar bitter ein so zeitlich dich zu missen

Die Welt kennt dich kaum recht so sagstu schon Ade!

Doch siht man daß dein Geist den rechten Weg kan wissen

Du suchst den Himmels; May vor diesen Mertzen-Schnee.

Es mögen andre sich den Kindern gleich vergaffen

An dem was sonst der Mensch zum höchsten Gute zehlt.

Die Welt gab

Drumb hast Maria du das beste Theil erwehlt.

Ja wol! das beste Theil du hast den Schatz gefunden

Den uns kein Potosi kein Peru geben kan.

Die zehlst nicht mehr wie vor Schlafflose Nächt und Stunden:

Hier geht dein Ruhe-Tag und Feyerabend an.

Jtzt wechselstu mit GOtt Verlobte Hand und Ringe

Du bringst des Glaubens-Schmuck mit dir zum Heyrath-

Er gibt den Himmel dir zu einem Leibgedinge

(gut:

Eur Ehberedung ist besiegelt durch sein Blut.

Prangt Mogols Hochzeit-Fest mit lichten Diamanten

Mit Lampen welche gar von Balsam sind gemacht?

Das Stern- und Engel-Heer sind Lichter und Trabanten

So dir zur Seite stehn in unerschöpffter Pracht.

Es ist das Paradiß dein himmlisch Hochzeit-Bette

Hier liegstu hochvergnügt dem Bräutgam an der Seit’

Er gibt sich selber dir statt der Vermählungs-Kette

Dein Schmuck ist sein Verdienst dein Krantz die Ewigkeit.

Vergönn’ uns Schöne Braut die wir im Geiste schauen

Wie du in Eden schon gleich Palm und Cedern grünst

Daß deiner Tugend wir ein Ehren-Mahl noch bauen

Und melden durch diß Blat was du mit Ruhm verdienst.

Dein schön Gedächtnüß brennt noch hell in unsren Seelen

Es lebt im Seegen hier wie bey dem Heiland du

Trägt man was Erde war gleich in der Erden Hölen

Druckt deinem Cörper man gleich Mund und Augen zu.

Der Tugend Phönix steigt nichts minder aus der Aschen

Die auch der blasse Neid als heilig ehren muß.

Ja Lethe selbst kan hier dein Denck-Mahl nicht abwaschen

Dein guter Leumund tritt die Fäulnüß untern Fuß.

Es gibt Orion dort dem Geist die Ober-Stelle

Hier spricht die Wahrheit selbst: die Redligkeit ist todt!

Der Tugend Conterfey betritt des Todes Schwelle

Den Spiegel aller Zucht zerbricht die letzte Noth.

Des grossen Vaters Mund der Mund des Vaterlandes

Schweigt jetzt und schüttet nichts als bittre Seuffzer aus

Indem du Eh-Betts-Stern du Zweig des Edlen Standes

So früh gerissen wirst von ihm und seinem Haus.

Es wird dein Todes-Fall beklaget noch von vielen

Die von Geblüte zwar nicht eben dir verwand;

Wie kläglich weinen nicht die trautesten Gespielen?

Die deine Freundligkeit beharrlich dir verband.

Was aber nützt diß Ach! Wohin mit diesen Zähren?

Es wird uns kein Mausol aus Ach! und Weh! gebaut

Last uns die Seeligste mit Thränen nicht beschweren

Sie lacht das winseln aus die stete Wonne schaut.

Hochedles Haus zerreiß die hart gedrchten Stricke

Damit die Traurigkeit dir fesselt Geist und Brust!

Ach! wünsche ja vielmehr der Edlen Braut Gelücke

Die schon den Himmel schmeckt in unverrückter Lust.

Es sind die Thränen nicht hochzeitliche Geschencke

Vor eine solche Braut die ihren Heiland küst.

Sie labet ihren Geist durch solche Nectar-Träncke

Dergleichen Anmuth nicht aus irrd’schen Trauben fliest.

Sie hat nach ihrem Wunsch den sie gesucht gefunden

Sie hält ihn ewig fest und läst ihn nicht von sich.

Sie kennet nun nicht mehr die bittre Creutzes-Stunden

Weil mit dem letzten Hauch sie aller Noth entwich.

Die Lieb und Lust der Welt war ihr stets frembde Dinge

Sie hat der Venus nie den Opffer-Tisch gedeckt.

Sie wuste daß der Tod am Wollust-Angel hienge

Und daß verdammlich Gifft in Liebes-Mandeln steckt.

Trug auch ihr Garten gleich nur eitel Granadillen

Ward ihrer Jugend Baum zu einer Aloe

So daß kein Aesculap die Schmertzen konte stillen

Biß daß ein sanffter Tod ward ihre Panace.

So hat sie standhafft doch auch unter tausend Schmertzen

Mit ihres Heilands Tod hertzhafftig sich erfrischt.

Ja unveränderlich behalten den im Hertzen

Der itzt in seinem Schoß ihr Schweiß und Thräu’ abwischt

Sie ist nun beygesellt den Geistlich klugen Frauen

Bey der gefünfften Zahl sol sie die sechste seyn.

Und was wir alle noch itzt nur im Spiegel schauen

Schaut die erlöste Seel in vollem Augen-Schein.

Wie seelig! daß sie nicht die Bitterkeit darff schmecken

Die in dem Stand der Eh’ uns offt das Hertz abfrist.

Sie kan kein Haus-Tyrann kein böser Mann erschrecken

Jhr Bräutgam ist das Lamm so voller Sanfftmuth ist

Sie speiset nun nicht mehr von harten Fasten-Speisen

So uns der Kummer-Koch hier scharff zu saltzen pflegt.

Es wil das Oster-Lamm sie zu der Taffel weisen

Da Milch und Honig man in Ewigkeit auffträgt.

Genung!

Sie hat gewünscht erreicht des Himmels Canaan.

Und weil sie lebend noch zu sterben angefangen

So weiß man daß sie mehr den Tod nicht schmecken kan.

Zeuch glücklich holde Braut des Heilands zeuch in Frieden!

Und sey viel tausendmal zu guter Nacht gegrüst.

Dein Denck-Mahl lebt bey uns ob du gleich abgeschieden

Weil auch der Tugenden die Nachwelt nicht vergist.

Laß nur was Erde war verscharren in die Erden

Gib GOtt was GOttes ist! denn weil er dich geliebt

So konte deiner Zier kein ander würdig werden.

&q;Er tröste die er hat durch deinen Tod betrübt.