Himmlische Vermählung Jfr. M. M. W. v. W. den 27. Martii 1678.
So zeuchstu Seeligste numehr von dieser Erden?
Verläst des Vaters Haus dein Volck und diese Stadt?
Ach ja! der Höchste selbst wil jetzt dein Bräutgam werden.
Was Wunder? daß kein Mensch theil deiner Liebe hat?
Du weist daß doch die Welt muß wie ein Kleid veralten
Daß nichts beständig hier als Unbeständigkeit
Darumb so lästu sie den schwartzen Sontag halten
Weil Jubilate du feyrst in der Ewigkeit.
Es geht zwar bitter ein so zeitlich dich zu missen
Die Welt kennt dich kaum recht so sagstu schon Ade!
Doch siht man daß dein Geist den rechten Weg kan wissen
Du suchst den Himmels; May vor diesen Mertzen-Schnee.
Es mögen andre sich den Kindern gleich vergaffen
An dem was sonst der Mensch zum höchsten Gute zehlt.
Die Welt gab
Drumb hast Maria du das beste Theil erwehlt.
Ja wol! das beste Theil du hast den Schatz gefunden
Den uns kein Potosi kein Peru geben kan.
Die zehlst nicht mehr wie vor Schlafflose Nächt und Stunden:
Hier geht dein Ruhe-Tag und Feyerabend an.
Jtzt wechselstu mit GOtt Verlobte Hand und Ringe
Du bringst des Glaubens-Schmuck mit dir zum Heyrath-
Er gibt den Himmel dir zu einem Leibgedinge
(gut:
Eur Ehberedung ist besiegelt durch sein Blut.
Prangt Mogols Hochzeit-Fest mit lichten Diamanten
Mit Lampen welche gar von Balsam sind gemacht?
Das Stern- und Engel-Heer sind Lichter und Trabanten
So dir zur Seite stehn in unerschöpffter Pracht.
Es ist das Paradiß dein himmlisch Hochzeit-Bette
Hier liegstu hochvergnügt dem Bräutgam an der Seit’
Er gibt sich selber dir statt der Vermählungs-Kette
Dein Schmuck ist sein Verdienst dein Krantz die Ewigkeit.
Vergönn’ uns Schöne Braut die wir im Geiste schauen
Wie du in Eden schon gleich Palm und Cedern grünst
Daß deiner Tugend wir ein Ehren-Mahl noch bauen
Und melden durch diß Blat was du mit Ruhm verdienst.
Dein schön Gedächtnüß brennt noch hell in unsren Seelen
Es lebt im Seegen hier wie bey dem Heiland du
Trägt man was Erde war gleich in der Erden Hölen
Druckt deinem Cörper man gleich Mund und Augen zu.
Der Tugend Phönix steigt nichts minder aus der Aschen
Die auch der blasse Neid als heilig ehren muß.
Ja Lethe selbst kan hier dein Denck-Mahl nicht abwaschen
Dein guter Leumund tritt die Fäulnüß untern Fuß.
Es gibt Orion dort dem Geist die Ober-Stelle
Hier spricht die Wahrheit selbst: die Redligkeit ist todt!
Der Tugend Conterfey betritt des Todes Schwelle
Den Spiegel aller Zucht zerbricht die letzte Noth.
Des grossen Vaters Mund der Mund des Vaterlandes
Schweigt jetzt und schüttet nichts als bittre Seuffzer aus
Indem du Eh-Betts-Stern du Zweig des Edlen Standes
So früh gerissen wirst von ihm und seinem Haus.
Es wird dein Todes-Fall beklaget noch von vielen
Die von Geblüte zwar nicht eben dir verwand;
Wie kläglich weinen nicht die trautesten Gespielen?
Die deine Freundligkeit beharrlich dir verband.
Was aber nützt diß Ach! Wohin mit diesen Zähren?
Es wird uns kein Mausol aus Ach! und Weh! gebaut
Last uns die Seeligste mit Thränen nicht beschweren
Sie lacht das winseln aus die stete Wonne schaut.
Hochedles Haus zerreiß die hart gedrchten Stricke
Damit die Traurigkeit dir fesselt Geist und Brust!
Ach! wünsche ja vielmehr der Edlen Braut Gelücke
Die schon den Himmel schmeckt in unverrückter Lust.
Es sind die Thränen nicht hochzeitliche Geschencke
Vor eine solche Braut die ihren Heiland küst.
Sie labet ihren Geist durch solche Nectar-Träncke
Dergleichen Anmuth nicht aus irrd’schen Trauben fliest.
Sie hat nach ihrem Wunsch den sie gesucht gefunden
Sie hält ihn ewig fest und läst ihn nicht von sich.
Sie kennet nun nicht mehr die bittre Creutzes-Stunden
Weil mit dem letzten Hauch sie aller Noth entwich.
Die Lieb und Lust der Welt war ihr stets frembde Dinge
Sie hat der Venus nie den Opffer-Tisch gedeckt.
Sie wuste daß der Tod am Wollust-Angel hienge
Und daß verdammlich Gifft in Liebes-Mandeln steckt.
Trug auch ihr Garten gleich nur eitel Granadillen
Ward ihrer Jugend Baum zu einer Aloe
So daß kein Aesculap die Schmertzen konte stillen
Biß daß ein sanffter Tod ward ihre Panace.
So hat sie standhafft doch auch unter tausend Schmertzen
Mit ihres Heilands Tod hertzhafftig sich erfrischt.
Ja unveränderlich behalten den im Hertzen
Der itzt in seinem Schoß ihr Schweiß und Thräu’ abwischt
Sie ist nun beygesellt den Geistlich klugen Frauen
Bey der gefünfften Zahl sol sie die sechste seyn.
Und was wir alle noch itzt nur im Spiegel schauen
Schaut die erlöste Seel in vollem Augen-Schein.
Wie seelig! daß sie nicht die Bitterkeit darff schmecken
Die in dem Stand der Eh’ uns offt das Hertz abfrist.
Sie kan kein Haus-Tyrann kein böser Mann erschrecken
Jhr Bräutgam ist das Lamm so voller Sanfftmuth ist
Sie speiset nun nicht mehr von harten Fasten-Speisen
So uns der Kummer-Koch hier scharff zu saltzen pflegt.
Es wil das Oster-Lamm sie zu der Taffel weisen
Da Milch und Honig man in Ewigkeit auffträgt.
Genung!
Sie hat gewünscht erreicht des Himmels Canaan.
Und weil sie lebend noch zu sterben angefangen
So weiß man daß sie mehr den Tod nicht schmecken kan.
Zeuch glücklich holde Braut des Heilands zeuch in Frieden!
Und sey viel tausendmal zu guter Nacht gegrüst.
Dein Denck-Mahl lebt bey uns ob du gleich abgeschieden
Weil auch der Tugenden die Nachwelt nicht vergist.
Laß nur was Erde war verscharren in die Erden
Gib GOtt was GOttes ist! denn weil er dich geliebt
So konte deiner Zier kein ander würdig werden.
&q;Er tröste die er hat durch deinen Tod betrübt.