Hn. Hanns Ravensbergen vnd jungfr. Helenen Korcken auff jhren hochzeitlichen ehr...

By Johannes Plavius

Eh wir noch die wilde jugend

Recht gezämet durch die tugend

Weiset vns ein kinder-spiel

Amors weise griff vnd ziel.

Wenn ein gantzer hauffe läuffet

Einem aber der da greiffet

Bindet-man die augen zu;

Diß spiel heisst man blindekuh.

Eben also geht 's im fräwen

Pfleget dennoch zu gedeyen

Frisch vnd blind gegriffen drein

Es wil blind gewaget seyn.

Ist Cupido gleich ein schütze

Seind jhm doch kein' augen nütze

Seine pfeile treffen wol

Siht er schon nicht wie er soll.

Wer scharff siehet wil scharff wehlen

Wer viel wehlet dem muss 's fehlen.

Wer nun fehlet geb' es schuld

Seh'ns vnd wehlens vngeduld.

Was ist doch in liebes hitze

Das verhasste wehlen nütze?

Wahl in lieb' hat offt gerewt

Frisch gewagt hat offt erfrewt.

Besser alle wahl verachtet

Als den jungfrawn nachgeschlachtet

Die da wehlen nacht vnd tag

Eh' jhnn einer werden mag

Einer der da ist gezieret

Vnd nach jhrem sinn stafieret

Wie sie wollen wie er sol

Nemlich also merckt es wol:

Nicht zu groß vnd nicht zu kleine

Nicht zu still' auch nicht gemeine

Nicht zu kurtz auch nicht zu lang

Nicht zu dick vnd nicht zu schlang

Nicht zu leibig nicht zu mager

Nicht zu fett vnd nicht zu hager

Nicht zu jung vnd nicht zu alt

Nicht zu plump vnd vngestalt

Nicht ein buhler nicht ein läuffer

Nicht ein spieler nicht ein säuffer

Nicht ein zärtling nicht ein schwein

Nicht zu grob vnd nicht zu fein

Nicht zu fromm auch nicht zu sturrisch

Nicht zu schmeichlich nicht zu murrisch

Nicht ein schwätzer auch nicht stumm

Nicht zu listig auch nicht tumm

Nicht Calvinisch nicht Catholisch

Nicht zu wild nicht melancholisch

Nicht zu herrisch nicht ein bawr

Nicht zu alber nicht ein laur.

Nicht zu eifrig nicht zu linde

Nicht zu langsam nicht zu schwinde

Nicht zu milde nicht zu karg

Nicht zu gut auch nicht zu arg

Nicht zu lässig nicht zu beissig

Nicht zu faul auch nicht zufleissig

Nicht ein jeck' auch nicht ein holtz

Nicht zu schlecht auch nicht zu stoltz.

Wer kan was ein jed' erwehlen

Möcht' in solcher kürtz' erzehlen?

Ware liebe thut es nicht

Vnd darff keiner augenliecht.

Wer will sehn in seiner jugend

Seh' auff nichts als nur auff tugend.

Sonst achtt liebe kein gesicht'

Argus weiss von liebe nicht.