Hochzeit-Gedichte Auf Hn. F. A. K. M. D. u. J. M. M. T. Ehren-Fest den 19. Octob...
Es lebte Filidor in banger Einsamkeit
Sein Geist der konte nicht auß den gelehrten Büchern
Sich für des Traurens-Nacht des Kummers-Weh’ ver-
Und Eckel und Verdruß verzehrte seine Zeit
Was vormals er bewehrt den Krancken fürgeschrieben
Ist bey ihm ohne Krafft und ohne Würckung blieben.
Hier halff die Weisheit nichts so uns zu wundern macht
Die tiefste Wissenschafft erfreute nicht die Sinnen:
Die Sprachen so gar viel begierig lieb gewinnen
Die waren ihm verhaßt: was ein Galen erdacht
Und Aesculap gelehrt und Theophrast erfunden
Gab keinen Balsam nicht für seine Seelen-Wunden.
Sein Hauß schien ohne Liecht und eine Wüsteney
Er selbst in dicker Nacht und Fünsternüß zusitzen;
Als sich der Artzney-Gott mit stralen-reichen Blitzen
Apollo zu ihm fand; das göldne Haar flog frey
Um sein geweyhtes Haupt die Majestät zu zeigen
Für der sich Sterbliche demüthig müssen beugen.
Die himmlische Gestalt wieß seiner Jugend Blum’
Es war sein Angesicht ein trächtig May zu nennen
Und über seinem Haupt ließ er den Drey-Fuß kennen
Der was verborgen sagt und den vollkommnen Ruhm
Der Wahrheit hat ererbt. Die Rosen-gleichen Wangen
Hat nie kein Milch-Haar nicht mit Schatten überhaugen.
Und seine rechte Hand trug Köcher Bogen Pfeil’
Als in der lincken er die Geig’ und Laute zeigte
Und zu dem
Und sprach: weil nichts mehr hilfft so suche Rath und Heil
Bey meiner Göttligkeit ich schwere bey den Kronen
Wo mit mein Haupt geziert ich will mit Trost beywohnen.
Du weist wie einsten ich in Dafnen war entbrand
Wie mich das schöne Kind in lichte Flammen setzte
Wie meine Majestät in ihr sich hoch ergetzte
Biß sie auf schnelier Flucht aus meinem Arm verschwand.
Zum Zeichen nun der Brunst des unverfälichten Lieben
So ist der Lorberbaum ein ewig Zeuge blieben.
Komm wirfden schwartzen Flor des bleichen Kummers hin.
Laß sehn wie wol der Herbst die Wälder itzt entkleidet
Der ungestümme Nord nicht Chioris-Kinder leidet
Ob noch was grünt und blüht das deinen krancken Sinn
Aufs neu beleben kan laß Buch und Kolbe stehen
Hier dieser göldne Pfeil soll deine Lieb’ erhöhen.
Was thut nicht
Der alle Heimligkeit ihm der Natur vertrauet
Der seiner Sieges-Pracht viel Tempel aufgebauet
Und ihm von Jugend auff Danckopffer angebrennt
Auch die Belohnung hat des Lorbers weggetragen
Daß oft durch seinen Mund ein krancker Rath muß fragen:
Er folgt dem hohen Schluß sie eilen beyde fort
Jhr Auge säumt sich nicht in den Cypressen-Wäldern
Sie wünschen nicht zu seyn in dürren Myrrhen-Feldern.
Nein die Vergnügung sucht nur den bestimmten Ort
Biß daß ein eben Feld mit einem Baum sich krönte
Bey dessen grüner Nacht den Phöbus man versöhnte.
Hier nun sprach Cynthius erforderts Muth und Blut
Geliebter
Du solt zu diesem Baum die Gratien sehn eilen;
Bemercke doch mit Fleiß was jede wünscht und thut.
Denn meine Dafne lebt und schwebt in Lorberzweigen
Ich hoffe daß sie auch dir deinen Schatz sol zeigen.
Die Kronen die du siehst wormit der Gipfel prangt
Hab ich des Vatern Ruhm und Diensten längst geweyhet
Versichert daß ein Pfand der Himmel dir verleyhet
So nur von Ahnen nicht bloß ihren Glantz erlangt
Mehr durch deß Vatern Witz und angebohrne Tugend
In reiner Keuschheit färbt den Purpur ihrer Jugend.
Solt ich
Die ihr der Parcen Reich mit solchem Ruhm bestritten
Unfehlbar Rath geschaft wenn Krancke Noth gelitten
Ja oft den Sterbenden geflöst das Leben ein.
Wohl wer mir treulich dient den wil ich auch ergetzen
Und seiner Dienste Preiß biß an die Sternen setzen.
Es hielt sich Delius mit fernern Reden auf:
Die gantze Gegend fieng behäglich anzublühen
Und ihr gestücktes Kleid von neuen anzuziehen
Als sich drey Gratien in ungehembtem Lauff
Dem Baume nahen zu ihr Opffer zu vollbringen
Und den Sirenen gleich mit süsser Stimme singen.
Die lobt die Einsamkeit und jene Lieb und Glut
Alleine
Biß ihr den göldnen Pfeil läst in ihr Hertze schiessen
Der Kunst- und Artzney-Gott: Es wallt und kocht ihr Blut
Sie weiß nicht was geschehn sie kan nicht widerstehen
Und fühlt den heissen Brand durch Marck und Adern gehen.
Die andern sehn betrübt die schöne Schwester an
Und sagen laß uns doch zu Kräntzen Blumen lesen.
Ja rief die
Ich sehe freylich wol den blum-besternten Plan;
Nein Blumen thun es nicht sucht Schwestern Tuberosen
Hier müssen Kräuter seyn soll ich der Qnal gelosen.
Sie sucht der Kräuter-Schaar sproßt unter ihrem Fuß
Es pflückt die zarte Hand
Den frischen
Vergiß mein nicht aufblüht; hat nach des Himmels-Schluß
Liebstöckel unvermischt mit Ehren-Preiß umwunden
Und nutzbar
Apollo führt darauf den
Bemüh’ dich diesen Krantz der Nymfen abzubitten
Ertheilt er diesen Rath. Du hast genug gelitten
Hier glaube
Der Artztin geb ich Krafft die Schmertzen dir zu heilen
Und du als Artzt solst Hertz und Leben mit ihr theilen
Die schöne
Jm ersten Purpur blinckt mit rosen-lichten Wangen
Hier hielt sie Scham und Zucht dort treue Glut gefangen.
Der
Ruft den Apollo an den Bund zu unterschreiben
Daß ihre Liebe soll in Ewigkeit bekleiben.
Wie mein Baum immer grünt wahrsagte Phöbus-Geist
Und auf sein krauses Haar kein Donnerstral kan blitzen:
So sol euch Heil und Lust in eurer Eh’ beschützen
Daß euch kein herber Fall des Unglücks-Keile weist.
Vergnügung müss’ euch stets zu Tisch und Bette dienen
Und eures Namens-Ruhm wird in den Kindern grünen.
Kein Päan hat mich so im Capitol erfreut
Als dieser Lobgesang: daß Priester meiner Ehren
Rathgeber der Natur so Sohn als Vater hören
Wie itzt Budorgis Stadt viel tausend Glück zuschreyt:
Lebt zu gemeinem Heyl nutzt zu gemeinem Wesen!
Man müsse spät von euch des Todes Urtheil lesen!