Hochzeit-Gedichte Auf Hn. F. A. K. M. D. u. J. M. M. T. Ehren-Fest den 19. Octob...

By Heinrich Mühlpfort

Es lebte Filidor in banger Einsamkeit

Sein Geist der konte nicht auß den gelehrten Büchern

Sich für des Traurens-Nacht des Kummers-Weh’ ver-

Und Eckel und Verdruß verzehrte seine Zeit

Was vormals er bewehrt den Krancken fürgeschrieben

Ist bey ihm ohne Krafft und ohne Würckung blieben.

Hier halff die Weisheit nichts so uns zu wundern macht

Die tiefste Wissenschafft erfreute nicht die Sinnen:

Die Sprachen so gar viel begierig lieb gewinnen

Die waren ihm verhaßt: was ein Galen erdacht

Und Aesculap gelehrt und Theophrast erfunden

Gab keinen Balsam nicht für seine Seelen-Wunden.

Sein Hauß schien ohne Liecht und eine Wüsteney

Er selbst in dicker Nacht und Fünsternüß zusitzen;

Als sich der Artzney-Gott mit stralen-reichen Blitzen

Apollo zu ihm fand; das göldne Haar flog frey

Um sein geweyhtes Haupt die Majestät zu zeigen

Für der sich Sterbliche demüthig müssen beugen.

Die himmlische Gestalt wieß seiner Jugend Blum’

Es war sein Angesicht ein trächtig May zu nennen

Und über seinem Haupt ließ er den Drey-Fuß kennen

Der was verborgen sagt und den vollkommnen Ruhm

Der Wahrheit hat ererbt. Die Rosen-gleichen Wangen

Hat nie kein Milch-Haar nicht mit Schatten überhaugen.

Und seine rechte Hand trug Köcher Bogen Pfeil’

Als in der lincken er die Geig’ und Laute zeigte

Und zu dem

Und sprach: weil nichts mehr hilfft so suche Rath und Heil

Bey meiner Göttligkeit ich schwere bey den Kronen

Wo mit mein Haupt geziert ich will mit Trost beywohnen.

Du weist wie einsten ich in Dafnen war entbrand

Wie mich das schöne Kind in lichte Flammen setzte

Wie meine Majestät in ihr sich hoch ergetzte

Biß sie auf schnelier Flucht aus meinem Arm verschwand.

Zum Zeichen nun der Brunst des unverfälichten Lieben

So ist der Lorberbaum ein ewig Zeuge blieben.

Komm wirfden schwartzen Flor des bleichen Kummers hin.

Laß sehn wie wol der Herbst die Wälder itzt entkleidet

Der ungestümme Nord nicht Chioris-Kinder leidet

Ob noch was grünt und blüht das deinen krancken Sinn

Aufs neu beleben kan laß Buch und Kolbe stehen

Hier dieser göldne Pfeil soll deine Lieb’ erhöhen.

Was thut nicht

Der alle Heimligkeit ihm der Natur vertrauet

Der seiner Sieges-Pracht viel Tempel aufgebauet

Und ihm von Jugend auff Danckopffer angebrennt

Auch die Belohnung hat des Lorbers weggetragen

Daß oft durch seinen Mund ein krancker Rath muß fragen:

Er folgt dem hohen Schluß sie eilen beyde fort

Jhr Auge säumt sich nicht in den Cypressen-Wäldern

Sie wünschen nicht zu seyn in dürren Myrrhen-Feldern.

Nein die Vergnügung sucht nur den bestimmten Ort

Biß daß ein eben Feld mit einem Baum sich krönte

Bey dessen grüner Nacht den Phöbus man versöhnte.

Hier nun sprach Cynthius erforderts Muth und Blut

Geliebter

Du solt zu diesem Baum die Gratien sehn eilen;

Bemercke doch mit Fleiß was jede wünscht und thut.

Denn meine Dafne lebt und schwebt in Lorberzweigen

Ich hoffe daß sie auch dir deinen Schatz sol zeigen.

Die Kronen die du siehst wormit der Gipfel prangt

Hab ich des Vatern Ruhm und Diensten längst geweyhet

Versichert daß ein Pfand der Himmel dir verleyhet

So nur von Ahnen nicht bloß ihren Glantz erlangt

Mehr durch deß Vatern Witz und angebohrne Tugend

In reiner Keuschheit färbt den Purpur ihrer Jugend.

Solt ich

Die ihr der Parcen Reich mit solchem Ruhm bestritten

Unfehlbar Rath geschaft wenn Krancke Noth gelitten

Ja oft den Sterbenden geflöst das Leben ein.

Wohl wer mir treulich dient den wil ich auch ergetzen

Und seiner Dienste Preiß biß an die Sternen setzen.

Es hielt sich Delius mit fernern Reden auf:

Die gantze Gegend fieng behäglich anzublühen

Und ihr gestücktes Kleid von neuen anzuziehen

Als sich drey Gratien in ungehembtem Lauff

Dem Baume nahen zu ihr Opffer zu vollbringen

Und den Sirenen gleich mit süsser Stimme singen.

Die lobt die Einsamkeit und jene Lieb und Glut

Alleine

Biß ihr den göldnen Pfeil läst in ihr Hertze schiessen

Der Kunst- und Artzney-Gott: Es wallt und kocht ihr Blut

Sie weiß nicht was geschehn sie kan nicht widerstehen

Und fühlt den heissen Brand durch Marck und Adern gehen.

Die andern sehn betrübt die schöne Schwester an

Und sagen laß uns doch zu Kräntzen Blumen lesen.

Ja rief die

Ich sehe freylich wol den blum-besternten Plan;

Nein Blumen thun es nicht sucht Schwestern Tuberosen

Hier müssen Kräuter seyn soll ich der Qnal gelosen.

Sie sucht der Kräuter-Schaar sproßt unter ihrem Fuß

Es pflückt die zarte Hand

Den frischen

Vergiß mein nicht aufblüht; hat nach des Himmels-Schluß

Liebstöckel unvermischt mit Ehren-Preiß umwunden

Und nutzbar

Apollo führt darauf den

Bemüh’ dich diesen Krantz der Nymfen abzubitten

Ertheilt er diesen Rath. Du hast genug gelitten

Hier glaube

Der Artztin geb ich Krafft die Schmertzen dir zu heilen

Und du als Artzt solst Hertz und Leben mit ihr theilen

Die schöne

Jm ersten Purpur blinckt mit rosen-lichten Wangen

Hier hielt sie Scham und Zucht dort treue Glut gefangen.

Der

Ruft den Apollo an den Bund zu unterschreiben

Daß ihre Liebe soll in Ewigkeit bekleiben.

Wie mein Baum immer grünt wahrsagte Phöbus-Geist

Und auf sein krauses Haar kein Donnerstral kan blitzen:

So sol euch Heil und Lust in eurer Eh’ beschützen

Daß euch kein herber Fall des Unglücks-Keile weist.

Vergnügung müss’ euch stets zu Tisch und Bette dienen

Und eures Namens-Ruhm wird in den Kindern grünen.

Kein Päan hat mich so im Capitol erfreut

Als dieser Lobgesang: daß Priester meiner Ehren

Rathgeber der Natur so Sohn als Vater hören

Wie itzt Budorgis Stadt viel tausend Glück zuschreyt:

Lebt zu gemeinem Heyl nutzt zu gemeinem Wesen!

Man müsse spät von euch des Todes Urtheil lesen!