Hochzeit Gedichte.
By Martin Opitz
Nach dem die Welt gegründt vnd jhr Termin gesteckt
Nach dem die schöne Lufft rundt vmb sich außgestreckt
Vnd auch die wilde See die nah’ vnd weit zukommen
Pflegt nach deß Monats lauff jhr örter eingenommen
Sah Jupiter hinab vnd spürete niemandt
Der diß gewaltig Hauß brecht vnder seine Hand.
Drumb von seins Vatters deß Saturnus Leib er hiebe
Das theil so schändtlich ist doch nötig in der Liebe.
Vnd warff es in das Meer darauß ein Schaum herkam
Davon das geyle Weib die Venus Vrsprung nam
Das geyle Weib das Weib das aller Götter Sinnen
Mit jhrem blinden Kind hat listig rauben können
Sie haben gantz vnd gar gebracht in kurtzer Zeit
Das Menschliche Geschlecht in jhre Dienstbarkeit
Sie theten vber diß ein ärger wesen führen
Beweisen jhre Macht auch an den stummen Thieren
So das nun vberal durchauß nichts leben kan
Es muß jhr vnd dem Kindt allzeit sein vnderthan
Das Kindt das lose Kindt das mit dem Pfeil vnd Bogen
So sehr viel hundert Jahr ist durch die Lufft geflogen
Vnd hat sein grosses Reich gewaltig starck vermehrt
Ja auch die Mutter selbst ohn alle schew versehrt
Das Joch mußt jhr doch auch noch angeworffen werden
Von jhrem eignen Sohn der Herr ist dieser Erden
Vnd Printz der weiten Welt der helt die Lufft vor sein
Die zierlich ist gewirckt mit lichten sternelein
Die mit der strahlen glantz gehn auff der weissen strassen
Vnd in der holen Kaut Lufft Erdt vnd See vmbfassen.
Nun laßt vns doch besehn wohin der schöne Sohn
Der grosse kleine Gott gebauet seinen Thron
Er hat jhm außerwehlt der Augen Thron zu eigen
Die vns sein Königreich als klare Spiegel zeigen.
Der Augenapffel ist die Kugel dieser Welt
Das Wasser aber das der Apffel in sich helt
Das sind die milden Quell so auß den Bergen schiessen
Vnd durch das grüne Thal mit sanfftem rauschen fliessen.
Der Circkel runde Krantz der vmb den Apffel geht
Das ist die wilde See die nach der Erden steht
Der Augen weisser Platz so sich vmbher ergeusset
Das ist die klare Lufft die Erdt vnd See beschleusset.
Es ist ein wunder ding daß das vierdt Element
Auch in den Augen nicht von andern ist getrennt
Das Fewer so durchs Meer gantz hell vnd lieblich blicket
Vnd mit dem schönen schein vns Muth vnd sinn entzücket.
Das Fewer so den Weg jhm durch die Augen nimbt
Vnd vnvermerckter sach in vnser Hertzen kümpt
Da ruht es ohne Ruh da hebt es an zu brennen
Daß wir der Liebe krafft vnd vns in vns nit kennen.
Was Wunder ist es dann daß er mit seinem Band
Die Welt bezwungen hat durch seine schwache Hand
Der tausent Welten hat die Augen da er zeugen
Vnd klärlich darthun kan wie er vns könne beugen?
Diß ists das euch bezwang diß ists Herr Bräutigam
Diß ist die newe Welt so ewer Hertz einnam
War euch auch wol zu muth gabt jhr euch auch verlohren
Als die vier Element zugleiche sich verschworen
Zu liefern eine Schlacht die in der Augen Welt
Sich alle lägerten vnd gaben sich zu feldt?
Ihr habt euch warlich wol die Rechnung machen können
Daß vier so starcke Feind euch würden angewinnen
Ihr thut auch was jhr wolt jhr brauchet alle Kunst
Ich halte nur darfür die Arbeit sey vmbsunst
Bey dreyen were Rath dem vierden zuentfliehen
Dem Fewer weiß ich nicht ob man sich darff bemühen.
Was laufft jhr viel vnd sucht? die Hülff ist bey der Hand
Wer hie genesen will der muß doch zudem Brandt
So erstlich jhn entzündt: diß sein Achilles Wunden
Die niemand heilt als der von dem man sie empfunden.
Was gibet man den an? das bitten ist das best
Es ist ein Hertz von Stein so sich nicht biegen lest
Nit lengst hab ich gehört von einer Feldgöttinnen
Wie jhr Herr Breutigam habt pflegen zu beginnen
Ein sehnlich Klagelied das Wald Feld Berg vnd Thal
Es haben widerholt mit kläglichem Nachschall
Die Nyinfen haben es mit Wehmut auch vernom men
Vnd mein
All mein Leiden Lieb vnd Schmertze
Hatmein Hertze
Gantz vmbringt mit Trawrigkeit
Als ein forchtsam Hirsch muß eilen
Für den Pfeilen
Flieg vnd renn ich jederzeit.
Ich vollführe meine Klage
Nacht vnd Tage
Denckend an der Liebe quell
Stets die Threnen mich begiessen
Die da fliessen
Als zwey Bäche von Cristall.
Wolt jhr demnach Jungfraw geben
Meinem Leben
Hülff vnd Trost in diesem Leidt
So erbarmt euch doch bey zeiten
Thut bereiten
Nach dem Trawren Lust vnd Frewd.
Ehe daß sich bey mir beginnen
Alle Sinnen
Zu verliern vnd aller Muth
Rettet mich von dem Elende
Ehe das Ende
Selbst bey mir das beste thut
Ach Printzessin ach Jungfrawe
Euch ich trawe
Ihr seid meine Medicin
Vor das weinen vor das klagen
Laßt mich sagen
Daß ich ewer Diener bin.
Wie solte sie jhm thun? jhr werdet doch gewehrt
Kein Mannes Tropffen fellt vergebens zu der Erdt
Vnd was ist besser Rath eins hat gebrandt das ander
Als daß jhr nun zugleich geneset mit einander?
Geht an jhr liebes par was trettet jhr beseit?
Es ist jetzund gleich recht jetzt ist die beste zeit
Daß jhr die Hitze lescht. Was wolt jhr viel verziehen.
Was wolt jhr selber das so jhr gewünschet fliehen?
Was ist es Jungfraw Braut wolt jhr zu rücke gehn?
Es hilfft gewiß euch nicht jhr müsset doch gestehn
Es ist nun fort mehr alt daß man nit kan vertreiben
Zugleich der liebe Brunst vnd dannoch Jungfraw bleiben
Der Bräutigam der kompt er gehet vff euch zu
Jungfraw es ist das best jhr gebet euch zu Ruh
Es ist der nechste Rath daß man ein Hertze fasse
Vnd was man nit vermag zu halten willig lasse.
Trett ab jhr Jungfräwlein die Braut hat jetzt nit Zeit
Laßt sie zu Bette gehn hört auff von ewrem streit
Zu einem andern streit muß sie sich jetzund kehren
O daß wir allesampt in solchem streiten weren.