Hochzeit-lied Auß Rom nach Königsberg geschrieben.

By Christian Hoffmann von Hoffmannswaldau

Bruder sieh wie wol dieß fällt

Ich beseh’ die große welt

Und du thust es bey der kleinen!

Rom der Christen haupt hält mich

Und dein schatz Christinchen dich.

Wol! wann Brüder sich so einen!

Wol! ruff ich bey meinem stand!

Wol! auch du bey deinem band!

Ich besehe mit begier

Was an alterthümern hier

Was an gärten was an flüssen

Hügeln gründen gräbern stein

Schrifften oder sonst mag seyn

Welches würdig ist zu wissen:

Denn so klein fast nichtes ist

Drauß nicht etwas guts erspriest.

Du beschaust das meister-stück

Das der Höchste hielt zurück

Biß sich alles fertig fünde.

Du hast doppelt hügeln hier

Die dem Pindus selbst gehn für

Du hast deine flüß und gründe

Da wenn wo zu heiß der tag

Deine lieb’ sich kühlen mag.

Deine gärten tragen dir

Des ie läng ie liebers zier

Tausendschön und Amaranthen:

Tag und nacht und mannes-treu

Augentrost und was dabey

Von dergleichen anverwandten

Die kein Tyfoli allhier

Noch Fraskati bringt herfür.

Was von gräbern ist gedacht

Ist was dir das bette macht

Drein die jungfrauschafft sich leget

Und bedecket mit dem stein

Der vergessenheit will seyn

Darauff diese schrifft gepräget:

Dieser todt der hier regiert

Ist drauß alles leben rührt.

Ich nahm überall in acht

Was ein land glückseelig macht

Wie das regiment bestellet

Wie der handel eingericht

Was für bündniß gut und nicht

Wie der ein den andern schnellet

Was für sitten hier gemein

Dort für art der leute seyn.

Du greiffst selbst den scepter an

Da du dich wirffst auff zum mann

Eine fraue zu regieren:

Jrr’ ich oder glaub ich recht

Daß es wol so viel seyn möcht

Als ein weites land zu führen:

Sonderlich wenn sie von muth

Daß sie gerne trägt den hut.

Du auch must nicht minder sehn

Daß dein feld mag fruchtbar stehn

Was dein handel soll erjagen

Was dein bündniß bringet ein

Sollen lauter Erben seyn

Die dein schatz wird jährlich tragen;

Und so haben ich und du

Unsre arbeit immerzu.

Dieß ist nur der unterscheid

Unter uns vertrauten beyden

Daß ich immerfort muß wallen

Und in unbeständigkeit

Meinem stand nach jeberzeit

Der bald so bald so kan fallen

Und gantz nichts von meiner reis’

Als was GOtt will sicher weiß.

Du hingegen kommst zur ruh

Läst fort wer will wandern zu

Reisest sonder bösen wegen

Schiffest sonder sturm und wind

Reitest wo nicht räuber sind

Gehst wo du dich auch kanst legen

Und bist summa überall

Sonder furcht für feindes fall.

Wol ich gönne dir dieß gern

Will es einst mein glückes-stern

Daß ich auch so gut soll fahren

Krieg’ ich endlich wol das mein

Du must hier ber erste seyn

Der du mir gehst vor an jahren

Und was mir noch mangelt meist

Schon von diesem stande weist.

Schreibe gleichwohl wie es dir

Fort in deiner welt schlägt für

Wie ich meine dir entdecke:

Was der himmel hier dich heiß

Wie weit sich der erden-kreiß

Und ihr horizont erstrecke

Wo die mittel-linje steht

Und wie hoch der pol erhöht.

In der grossen friert es itzt

Daß ihr kaum euch gnugsam schützt

Deine weiß ich ist gelinde;

Oder wo noch kalt der stand

Hastu Venus an der hand

Neben ihrem süssen kinde

Wo dieselben kehren ein

Kan es schwerlich frostig seyn.

Drumb bestelle deine welt

Wie es selber dir gefällt

Nur mach’ wenn nach GOttes willen

Ich euch wieder sehen soll

Daß du alles seegens voll

Meinen wunsch wol mögst erfüllen

Und da ich dich bruder ließ

Vater dann erfreuet grüß.