Hochzeit-lied Auß Rom nach Königsberg geschrieben.
Bruder sieh wie wol dieß fällt
Ich beseh’ die große welt
Und du thust es bey der kleinen!
Rom der Christen haupt hält mich
Und dein schatz Christinchen dich.
Wol! wann Brüder sich so einen!
Wol! ruff ich bey meinem stand!
Wol! auch du bey deinem band!
Ich besehe mit begier
Was an alterthümern hier
Was an gärten was an flüssen
Hügeln gründen gräbern stein
Schrifften oder sonst mag seyn
Welches würdig ist zu wissen:
Denn so klein fast nichtes ist
Drauß nicht etwas guts erspriest.
Du beschaust das meister-stück
Das der Höchste hielt zurück
Biß sich alles fertig fünde.
Du hast doppelt hügeln hier
Die dem Pindus selbst gehn für
Du hast deine flüß und gründe
Da wenn wo zu heiß der tag
Deine lieb’ sich kühlen mag.
Deine gärten tragen dir
Des ie läng ie liebers zier
Tausendschön und Amaranthen:
Tag und nacht und mannes-treu
Augentrost und was dabey
Von dergleichen anverwandten
Die kein Tyfoli allhier
Noch Fraskati bringt herfür.
Was von gräbern ist gedacht
Ist was dir das bette macht
Drein die jungfrauschafft sich leget
Und bedecket mit dem stein
Der vergessenheit will seyn
Darauff diese schrifft gepräget:
Dieser todt der hier regiert
Ist drauß alles leben rührt.
Ich nahm überall in acht
Was ein land glückseelig macht
Wie das regiment bestellet
Wie der handel eingericht
Was für bündniß gut und nicht
Wie der ein den andern schnellet
Was für sitten hier gemein
Dort für art der leute seyn.
Du greiffst selbst den scepter an
Da du dich wirffst auff zum mann
Eine fraue zu regieren:
Jrr’ ich oder glaub ich recht
Daß es wol so viel seyn möcht
Als ein weites land zu führen:
Sonderlich wenn sie von muth
Daß sie gerne trägt den hut.
Du auch must nicht minder sehn
Daß dein feld mag fruchtbar stehn
Was dein handel soll erjagen
Was dein bündniß bringet ein
Sollen lauter Erben seyn
Die dein schatz wird jährlich tragen;
Und so haben ich und du
Unsre arbeit immerzu.
Dieß ist nur der unterscheid
Unter uns vertrauten beyden
Daß ich immerfort muß wallen
Und in unbeständigkeit
Meinem stand nach jeberzeit
Der bald so bald so kan fallen
Und gantz nichts von meiner reis’
Als was GOtt will sicher weiß.
Du hingegen kommst zur ruh
Läst fort wer will wandern zu
Reisest sonder bösen wegen
Schiffest sonder sturm und wind
Reitest wo nicht räuber sind
Gehst wo du dich auch kanst legen
Und bist summa überall
Sonder furcht für feindes fall.
Wol ich gönne dir dieß gern
Will es einst mein glückes-stern
Daß ich auch so gut soll fahren
Krieg’ ich endlich wol das mein
Du must hier ber erste seyn
Der du mir gehst vor an jahren
Und was mir noch mangelt meist
Schon von diesem stande weist.
Schreibe gleichwohl wie es dir
Fort in deiner welt schlägt für
Wie ich meine dir entdecke:
Was der himmel hier dich heiß
Wie weit sich der erden-kreiß
Und ihr horizont erstrecke
Wo die mittel-linje steht
Und wie hoch der pol erhöht.
In der grossen friert es itzt
Daß ihr kaum euch gnugsam schützt
Deine weiß ich ist gelinde;
Oder wo noch kalt der stand
Hastu Venus an der hand
Neben ihrem süssen kinde
Wo dieselben kehren ein
Kan es schwerlich frostig seyn.
Drumb bestelle deine welt
Wie es selber dir gefällt
Nur mach’ wenn nach GOttes willen
Ich euch wieder sehen soll
Daß du alles seegens voll
Meinen wunsch wol mögst erfüllen
Und da ich dich bruder ließ
Vater dann erfreuet grüß.