Hochzeit-Nacht Hn. P. H. d. R. und Jungf. H. A. 1666.

By Heinrich Mühlpfort

Brich angenehme Nacht mit deinem Schmuck' hervor

Wie sehr du sonst verhast so wirstu hier geliebet

Weil deine tieffe still offt mehr Ergetzung giebet

Als wenn der Tag sich weist an seinem Rosen-Thor

Wer jemahls nur geliebt hat Opffer dir gebrennet

Damit kein Argus nicht sein heimlich Feur gekennet.

Erschein’ ingleichen auch der Clitemnestern Sohn

Du süsser Abendstern mit deinen güldnen Brüdern

Führt euren Reihen-Dantz und singt was von den Liedern

So heisse Lieb’ erdacht als vor der Venus Thron

Die Hertzen sich gebückt das wunderholde wackeln

Zeugt noch ein lebend Feur in den verliebten Fackeln.

Du wirst dein Silberlicht Diana nicht entziehn

Noch der

Gedenck’ an jene Zeit und abgestohlne Freuden

Da Latmus Steine dich von Flammen sahen glühn

Als du Endimion dem Himmel vorgezogen

Und hiengst an seiner Brust und nicht an deinem Bogen.

Jhr Sternen die ihr nun verschwendrisch habt geliebt

Geht auf mit eurem Strahl und helfft die Braut-Nacht ziehren

Verdolmetscht

Der schlauhen Unter-Welt die sich im Lieben übt

Und vor der Sonnen-Licht des Mondenschein erwehlet

Wenn sie die Einsamkeit bestimmter Stunden zehlet.

Leandern ward bey Nacht und nicht bey Tage heiß

In diese Kappe will ein Buhler sich verhüllen

Die frische Regung läst sich nicht mit Worten stillen

Der Mensch der ist nur Mensch und nicht ein Zemblisch Eiß

Die kalte Mitternacht starrt nicht in seinen Gliedern

Wenn Liebes-Plitze gehn von schönen Augen Liedern.

Ob für Gerichte gleich die Schönheit wird verklagt

Kan Phrynens Lilgen-Brust der Richter Augen fangen

Daß sie Barmhertzigkeit dem Recht nicht nachgehangen

Daß der verliebte Mund nicht was der Würffel sagt.

Man weiß die Ursach auch so ihr Gesetz umbtrieben

Die

Pericles den Athen und Grichen-Land gehört

Hat bey Aspasien was ihn bewegt gefunden

Der Lacon und sein Weib sagt von Epaminonden

(dem Abgott jener Zeit der Länder hat zerstört)

Daß Lieb ihn nur ergetzt; der Periander brannte

Als in Pelopones’ er einst Melissen kannte.

Und ists nun wunderns werth daß itzt auch Flammen fühlt

Das neu-verknüpffte Paar daß sich die Geister regen

Und zu verstrickter Gunst itzt neuen Zunder hegen

Daß Gegen-Liebe stets auß beyder Augen spielt

Und die Vereinigung der Seelen gleichsam zeiget

Ob schon der Mund nichts sagt und ob die Lippe schweiget.

Wie aber schöne Braut beliebt ihr denn die Nacht?

(welch Cato will mich hier

Der Abend pflegt sonst auch bey Nimfen viel zu gelten

Der offt mit Schertz und Spiel und Lust wird zugebracht

Ists daß vielleicht die Träum Ergetzligkeiten geben?

Wie? oder kan man da in etwas freyer leben.

Odatis hatte zwar zuvor im Traum gesehn

Den schönen Zariad und als er sich verkleidet

Ein unbekandter Gast an ihr die Augen weidet

Ist doch der Heyrath-Schluß mit Wnndern noch gescheh’n.

Er steht vor andern da dem sie die Schale giebet

Und auch zugleich das Hertz das vor im Traum’ geliebet.

Welch Jungfern Bild wünscht nicht dergleichen liebe Nacht

Daß ihr ein Both’ ein Traum was künfftig möchte sagen;

Und wer den Hymen wird recht umb die Ursach fragen

Der spricht dieweil die Nacht aus Jungfern Frauen macht

So ist sie hoch geschätzt; und schon vor langen Zeiten

Ließ Venus bey der Nacht ihr Opffer zu bereiten.

Nun wol

Last so viel Worte hier bey euch auch

Diß Wesen das erhält und füllt den Bau der Erden

Lebt in beglückter Eh’ und steter Einigkeit

Solt’ auch die Morgenröth’ euch sehn beysammen liegen

So ist doch diß der Trost die Nacht die ist verschwiegen.