Holdenreich an Adelinden.
Das Schreiben so du schickst das führ' ich zu
dem Hertzen
Denn was von Hertzen kom̃t muß auch beym
Hertzen stehn
Es zeiget keine Nacht so viel entbranter Kertzen
Als Seuffzer diesen Tag aus meiner Seele gehn.
Der Himmel solte dich mit dem Gestirne krönen
Du bist wie mich bedeucht viel größrer Ehre werth
So mustu deinen Mann dich schmertzlich lassen höh-
nen
Dem Wein und Alter hat Verstand und Kraft ver-
zehrt.
Ach könt’ ich deine Noth mit Bluthe doch beweinen
Denn schlechte Thränen seyn zu diesem zugemein
Ich wolte meinen Sinn dir sattsam lassen scheinen
Und zeigen was in mir vor treue Geister seyn.
Das Hertze bleht sich auf wenn ich bey mir betrachte
Wie deine schöne Brust nichts als der Flor bedeckt
Wie du verlassen bist und sich sonst nichts bey Nachte
Als nur die Einsamkeit dir an die Seite streckt.
Wie deine Jugend soll unendlich Brache liegen
Und deine Lippen nicht der rechte Kuß benetzt;
Daß deiner Bluhmen Pracht wie Stoppel soll verflie-
gen
Eh’ als die Liebe sich auf ihre Blätter setzt.
Ach deine Jugend ist nur eine lange Faste
An die sich Gall und Pein der Marter-Woche hängt
Es ruft die Dürfftigkeit fast stündlich dich zu Gaste
So dich mit Hülsen speist und leeren Bächern tränckt.
Man will dich der Natur zur Mammeluck in machen
Doch wer verleugnet dis was er im Busen trägt
Und was auch wenn du schläfst geschworen hat zuwa-
chen
Und in dem Traume dir gar manchen Sturm erregt.
Will deine Schönheit nur auf mich die Strahlen
werffen
Vermeinst du daß mein Arm dich itzt entbinden kan?
So will ich heute noch Gewehr und Eisen schärffen
Und greiffe dieses Werck mit vollen Kräfften an.
Ein Blick ist mir genug kein Bitten ist vonnöthen
Mein Willen ist bereit mein Arm der ist gerüst
Ich will mit solcher Lust dir deinen Alten tödten
Als ich verwichner Zeit dich auf den Mund geküst.
Die Fehler so er hat auf deiner Brust begangen
Vertilget nichts so wohl als sein vergossen Bluth
Hat er die Rosen dir gebleicht auf deinen Wangen
So will ich daß er auch verblichen Buße thut.
Mein Sinn und Vorsatz zielt auf eine schöne Sünde
Der Grund darauf sie steht schwebt voller Liebligkeit
Und daß ich itzund viel in eine Zeile binde
Ein Bufies und nicht mehr soll werden abgemeyt.
Ein graues Knoblauch Haubt dem alle Kraft entgan-
gen
Denn rechter Knoblauch stöst was grünes noch von
sich
Soll heute seinen Rest von meiner Hand empfangen
Und neben deiner Noth sich legen unter mich.
Der Drache so bisher so edlen Schatz besessen
Und dich bey Lebens Zeit zur Leiche hat gemacht
Wird billich durch den Zahn des Todes aufgefressen
Und was noch übrig ist in einen Sarg gebracht.
Denn wer nicht deinen Mund in Anmuth weiß zuküs-
sen
Und ohne volle Hand aus deinen Garten kehrt
Ja keine Bluhme dir vom Stocke hat gerissen
Der ist wie mich bedeucht nicht seiner Seele werth.
Wer deinen Bisem nicht weiß kräfftig zuvertragen
Dem nicht das Zuckerbrodt auf deinen Lippen schmeckt
Und deinen Ohren nichts was kützlich ist kan sagen
Dem muß sein Fehler seyn mit Erde zugedeckt.
Was acht’ ich was man wird von dieser Sache mel-
den
Und was der Urteles Tisch des Pöbels sagen kan?
Ich bin gewislich nicht der erste von dem Helden
Der durch der Liebe Trieb hat einen Streich gethan.
Ein flammenreicher Blick der schönen Adelheide
Der ausser ihren Mann auch Todten auferweckt
Jagt durch verdeckte Kraft das Schwerd aus seiner
Scheide
Und hätt’ es mir die Hand der Riesen eingesteckt.
Ich stieg auf dein Befehl in eine Löwinhöle
Und auf der Drachen Kopf entblöst ich meinen Fuß
Ich lieffe dir dahin wo die verdammte Seele
(bin ich es doch gewohnt) in Feuer leiden muß.
Ich stieß in heisses Bley die stets getreuen Hände
Ich machte sonder Schiff mich auf das wilde Meer
Ich holt auß
Brände
Und sagte diß dabey: Der Lieb ist nichts zuschwer.
Ich baute mir ein Hauß auf Zembels kälten Rücken
Mit altem Eiß bedeckt das von der Sündfluth weiß
Und könt ich einen Stift in diesen Orth erblicken
So grüb ich dieses ein: Hier brennt es unter Eiß.
Doch rechte Liebe sucht was mehr als dürre Zeilen
Sie will mit That und nicht mit Worten seyn genehrt
Sie heist mich zu dem Stahl und nicht zur Feder eilen
Weil die Gelegenheit uns bald den Rücken kehrt.
Nach dreyen Tagen will ich nechst dem Schlosse jagen
So schaue das der Hirsch aus seinem Stande rückt
Dann will ich einen Streich von deinetwegen wagen
Und trennen was dir hat den freyen Kuß bestrickt.
Du wirst dann diesen Fall so gut du kanst beweinen
Und durch ein traurig Ach eröffnen deinen Mundt
Wer seinen Firniß recht läst für den Menschen schei-
nen
Dem ist der Firniß oft ein eisenfester Grundt.
Dann laß die rothe Schuld nur gantz auf meinen Len-
den
Denn einem Manne steht das Laster besser an
Ein Mann bringt ohne Müh den Fleck von seinen
Händen
Den eine Frau nicht wohl von ihren waschen kan.
Genug die Feder muß dem harten Eisen weichen
Ein rechter Heldenschluß wird durch die That gekrönt
Dafern du blühen solst so muß dein Mann verbleichen
Es scheint der Lieb Altar wird durch sein Blut versöhnt.