Hymne an das Eisen.
Heil dir, Mark der Natur, der gabenspendenden Erde
Stilles Erzeugniss, doch gross von Kraft und herrlich
Nimmer rühmt' ich das Gold, und dein, jungfräuli-
Dacht' ich nimmer im Liede. Dir aber, Preis der
Will ich Ehre verleihn, und deine Tugenden singen.
Heil dir, ältestes Kind der Gebürg'! und ihr edel-
Erstgeborner im Reiche der vielgestalteten Erze.
Schon in der Dinge Beginn, als die uranfänglichen
Jegliches Stoffes trächtig die kraysende Erde noch
Schwebtest du in dem unendlichen Meere, geselltest
Zu dem Gesäme des Quarz, zu des Feldspath binden-
Schwärztest den ernsten Schörl, durchblinktest die
Härtetest, heilige Kraft, die Granitgerippe des
Aber zu rasten vermochtest du nicht mit dem
Nicht zu bändigen taugte den Trotz des Titanen der
Noch der Sudeten Gewicht, das schwer auf die
Tief aufstöhnend enthobst du der Last dich; aus
Quollst du hervor, ein Feuerstrom, gerannst zum
Pflastertest Riesenweg', und wölbetest Grotten des
Rastlos gährt' es indess in des Meers arbeiten-
Niederschlugen die Lager der Erden, des Thons und
Wechselnde Schichten. Wer sprengte die Mächtigen?
Höhlt' im gediegenen Flötz der Gäng' und Minen
Labyrinthisch Geklüft? Du thatest es, Heros! Und
Dich zu entwinden dem spähenden Blick helläugiger
Wähltest du dir zum geheimeren Sitz das verborgne
Lauschest dort in des Dunkels Schirm in mancher
Bald gelüstet es dich, als Druse zu blinken. Be-
Birgst du ein anderes Mal dich in unscheinbarer
Tropfest itzt 'gar die Teufe herab ein nichtiges
Blühest als Blume dann, und schossest ein ästiges
Tausend sind deiner Launen und deiner Verlar-
Dennoch fessl' ich dich, Proteus, mit mächtigem Zau-
Dich ertapp' ich im wilden Gestein, in der bläulich-
Dich in des Schmirgels zäherem Korn, im flüchtigen
Freundschaft pflegst du mit jedem Genossen der wu-
Willig gesellen sich dir die minder edleren
Aber nur ungern gehorcht dir der Sol; die züchtige
Wegert sich lang; es sträubt sich verschämt die keu-
Kühner Ares, du steigst hinab in der schüchter-
Heimliche Grotte. Verwegen umschlingst du die Blö-
Sinket sie dir in den brünstigen Arm. Der Umar-
Heilende Quellen. Des Heiltranks schlürft sehnsüch-
Fühlt sich das Herz erfrischt und gestählt die erschläf-
Heil, Dämonischer, dir
Regenbogengewand und der Farben magische
Gaukel.
Dir verdanket die glühenden Tinten die schillern-
Dir der Saphir den Lasur, der Amethyste den
Dir der Smaragd sein spielendes Grün, sein Gold der
Dir der Rubin die leuchtende Gluth, die wechseln-
Danket dir der Opal, drinn des Aethers Launen sich
Treflicher Künstler, wie mahlst, wie schattirst du
die Schöpfung der Pflanzen!
Dir nur danket der lachende Frühling sein duftiges
Dir den brennenden Kranz die Feuerblume. Des
Duftkelch glühet durch dich. Der chalcedonischen
Lodernde Flammen zündest du an. Der züchtigen
Leihst du den Incarnat, der Götter entzücket und
Glanz und Heitre verleiht dein fröhlicher Pinsel
Edleren Formen. Das Rad des Pfauen, des Schmet-
Tauchst du in nimmer verblassende Tinten. Es dan-
Dir den smaragdenen Hals, den schimmernden Fittig
Jedes Kügelchen färbst du des lebennährenden
Glühest herauf auf brauner Wange des rüstigen
Hauchest die Jungfrau an mit des Frühroths leisesten
Heil, Dämonischer, dir! Nicht bloss der schaf-
Dienst du ein frommerer Sohn in ihrer geheimeren
Auch der Cultur, der Lebenverschönernden, streben-
Förderst du unverzagt, ein tausendrädriges Trieb-
Heil dir, nutzendes Erz! Aus des Schachtes täu-
Mühsam zu Tage gefördert, zerrieben im hammern-
Reingeschmolzen durch Ofengluth von jeglicher
Wer mag zählen die Formen, die nutzenden, schmük-
Die durch der Esse Gewalt, durch des Hammers
Nagenden Zahn aus dir die Hand des Fleisses her-
Dein ist, friedliches Erz, die Pflugschaar, welche
Lockert, den strengeren Kloss bereitet, dass er des
Goldenen Regen empfang', und ihn getrenlich be-
Dein die blinkende Sense, von deren Klinge getroffen
Niederrauschet der Schwad des vollgekörneten
Dein des Winzers Hippe, die leise vom blutenden
Löset die glühende Traube, den Quell nektarischen
Du, vom magnetischen Strom ergriffen, geleitest den
Sicher durch Meere, die Cook nicht kannte, nicht
Birgt gleich der Nordstern sich, und des Wagens
Dein ist, schützendes Erz, das Schwert, das das
Dein das donnernde Rohr, mit dessen Toden die Freyen
Niederschmettern der Feigen Volk in brüllender
Jedes Geräth' ist dein, des wundenkundigen
Jegliches, welches die Plagen des Siechenden mildert;
Welches die schwellende Ader erleichtert; der lüf-
Welcher des Denkens Organ des Drucks entbürdet;
Die in des Auges Tiefe den wölkenden Tropfen
Dass dem entflorten Stern der Weltbau strahlend
Heil dir, verschönerndes Erz, auch der Kunst,
Welche den Stoffen Gestalt verleihet und Seele dem
Auch der Lieblichen jüngrer, wiewohl tiefsinng'rer
Auch der Wissenschaft dienst du, ein ewig ändern-
Dein gehöret der Stahl, der Apollons göttliche
Der Laokoons stöhnenden Schmerz aus dem Marmor
Dein der Meissel, durch den aus rohem Blocke der
Zierlich schlanke Gestalt mit krausem Schnirkel em-
Dein der Griffel, der dreist auf sprödem Kupfer
Weichesten Reiz nachahmt, und Guido's frischeste
Dein der Verfinsterer Schrecken, die tausendzüngige
Welche des Weisen Wort den lauschenden Völkern
Mächtig am Throne rüttelt des Despotism und der
Heil dir, Kronions Geschenk, der Gesellschaft
Erstes der Erze und Letztes! Vor deinen strahlen-
Will ich singen dein Lob und deiner Preise gedenken!