Hymne an das Eisen.

By Gotthard Ludwig Kosegarten

Heil dir, Mark der Natur, der gabenspendenden Erde

Stilles Erzeugniss, doch gross von Kraft und herrlich

Nimmer rühmt' ich das Gold, und dein, jungfräuli-

Dacht' ich nimmer im Liede. Dir aber, Preis der

Will ich Ehre verleihn, und deine Tugenden singen.

Heil dir, ältestes Kind der Gebürg'! und ihr edel-

Erstgeborner im Reiche der vielgestalteten Erze.

Schon in der Dinge Beginn, als die uranfänglichen

Jegliches Stoffes trächtig die kraysende Erde noch

Schwebtest du in dem unendlichen Meere, geselltest

Zu dem Gesäme des Quarz, zu des Feldspath binden-

Schwärztest den ernsten Schörl, durchblinktest die

Härtetest, heilige Kraft, die Granitgerippe des

Aber zu rasten vermochtest du nicht mit dem

Nicht zu bändigen taugte den Trotz des Titanen der

Noch der Sudeten Gewicht, das schwer auf die

Tief aufstöhnend enthobst du der Last dich; aus

Quollst du hervor, ein Feuerstrom, gerannst zum

Pflastertest Riesenweg', und wölbetest Grotten des

Rastlos gährt' es indess in des Meers arbeiten-

Niederschlugen die Lager der Erden, des Thons und

Wechselnde Schichten. Wer sprengte die Mächtigen?

Höhlt' im gediegenen Flötz der Gäng' und Minen

Labyrinthisch Geklüft? Du thatest es, Heros! Und

Dich zu entwinden dem spähenden Blick helläugiger

Wähltest du dir zum geheimeren Sitz das verborgne

Lauschest dort in des Dunkels Schirm in mancher

Bald gelüstet es dich, als Druse zu blinken. Be-

Birgst du ein anderes Mal dich in unscheinbarer

Tropfest itzt 'gar die Teufe herab ein nichtiges

Blühest als Blume dann, und schossest ein ästiges

Tausend sind deiner Launen und deiner Verlar-

Dennoch fessl' ich dich, Proteus, mit mächtigem Zau-

Dich ertapp' ich im wilden Gestein, in der bläulich-

Dich in des Schmirgels zäherem Korn, im flüchtigen

Freundschaft pflegst du mit jedem Genossen der wu-

Willig gesellen sich dir die minder edleren

Aber nur ungern gehorcht dir der Sol; die züchtige

Wegert sich lang; es sträubt sich verschämt die keu-

Kühner Ares, du steigst hinab in der schüchter-

Heimliche Grotte. Verwegen umschlingst du die Blö-

Sinket sie dir in den brünstigen Arm. Der Umar-

Heilende Quellen. Des Heiltranks schlürft sehnsüch-

Fühlt sich das Herz erfrischt und gestählt die erschläf-

Heil, Dämonischer, dir

Regenbogengewand und der Farben magische

Gaukel.

Dir verdanket die glühenden Tinten die schillern-

Dir der Saphir den Lasur, der Amethyste den

Dir der Smaragd sein spielendes Grün, sein Gold der

Dir der Rubin die leuchtende Gluth, die wechseln-

Danket dir der Opal, drinn des Aethers Launen sich

Treflicher Künstler, wie mahlst, wie schattirst du

die Schöpfung der Pflanzen!

Dir nur danket der lachende Frühling sein duftiges

Dir den brennenden Kranz die Feuerblume. Des

Duftkelch glühet durch dich. Der chalcedonischen

Lodernde Flammen zündest du an. Der züchtigen

Leihst du den Incarnat, der Götter entzücket und

Glanz und Heitre verleiht dein fröhlicher Pinsel

Edleren Formen. Das Rad des Pfauen, des Schmet-

Tauchst du in nimmer verblassende Tinten. Es dan-

Dir den smaragdenen Hals, den schimmernden Fittig

Jedes Kügelchen färbst du des lebennährenden

Glühest herauf auf brauner Wange des rüstigen

Hauchest die Jungfrau an mit des Frühroths leisesten

Heil, Dämonischer, dir! Nicht bloss der schaf-

Dienst du ein frommerer Sohn in ihrer geheimeren

Auch der Cultur, der Lebenverschönernden, streben-

Förderst du unverzagt, ein tausendrädriges Trieb-

Heil dir, nutzendes Erz! Aus des Schachtes täu-

Mühsam zu Tage gefördert, zerrieben im hammern-

Reingeschmolzen durch Ofengluth von jeglicher

Wer mag zählen die Formen, die nutzenden, schmük-

Die durch der Esse Gewalt, durch des Hammers

Nagenden Zahn aus dir die Hand des Fleisses her-

Dein ist, friedliches Erz, die Pflugschaar, welche

Lockert, den strengeren Kloss bereitet, dass er des

Goldenen Regen empfang', und ihn getrenlich be-

Dein die blinkende Sense, von deren Klinge getroffen

Niederrauschet der Schwad des vollgekörneten

Dein des Winzers Hippe, die leise vom blutenden

Löset die glühende Traube, den Quell nektarischen

Du, vom magnetischen Strom ergriffen, geleitest den

Sicher durch Meere, die Cook nicht kannte, nicht

Birgt gleich der Nordstern sich, und des Wagens

Dein ist, schützendes Erz, das Schwert, das das

Dein das donnernde Rohr, mit dessen Toden die Freyen

Niederschmettern der Feigen Volk in brüllender

Jedes Geräth' ist dein, des wundenkundigen

Jegliches, welches die Plagen des Siechenden mildert;

Welches die schwellende Ader erleichtert; der lüf-

Welcher des Denkens Organ des Drucks entbürdet;

Die in des Auges Tiefe den wölkenden Tropfen

Dass dem entflorten Stern der Weltbau strahlend

Heil dir, verschönerndes Erz, auch der Kunst,

Welche den Stoffen Gestalt verleihet und Seele dem

Auch der Lieblichen jüngrer, wiewohl tiefsinng'rer

Auch der Wissenschaft dienst du, ein ewig ändern-

Dein gehöret der Stahl, der Apollons göttliche

Der Laokoons stöhnenden Schmerz aus dem Marmor

Dein der Meissel, durch den aus rohem Blocke der

Zierlich schlanke Gestalt mit krausem Schnirkel em-

Dein der Griffel, der dreist auf sprödem Kupfer

Weichesten Reiz nachahmt, und Guido's frischeste

Dein der Verfinsterer Schrecken, die tausendzüngige

Welche des Weisen Wort den lauschenden Völkern

Mächtig am Throne rüttelt des Despotism und der

Heil dir, Kronions Geschenk, der Gesellschaft

Erstes der Erze und Letztes! Vor deinen strahlen-

Will ich singen dein Lob und deiner Preise gedenken!