Hymne an die Liebe.

By Gotthard Ludwig Kosegarten

O Liebe, Bund der Herzen,

Der Geister Symphonie,

Kelch wollustreicher Schmerzen,

Quell hoher Energie,

Palladium der Tugend,

Religion der Jugend,

Medeenbad des Alters —

Verlass, verlass uns nie.

Erleucht' uns, Glanz aus Eden,

Der Erde Wüsteneyn!

Schlicht' ernst und mild die Fehden,

Die unser Ich entzweyn!

Wann auf des Lebens Wege

Wir schleichen matt und träge,

So stärke du die Matten

Mit deinem Labewein.

Enträthsle uns die Ziffern

Der aufgerollten Flur,

Des Himmels goldne Chiffern,

Das Sanskrit der Natur.

In Formen, Farben, Tönen,

Im Guten, Wahren, Schönen,

Enthüll' uns leis' und liebend

Des Demiurgos Spur.

Gib Hochsinn, zu verschmähen,

Was unsre Würd' entweiht;

Gib Weisheit, auszusäen,

Was körnerschwer gedeiht;

Gib Freudigkeit zu wandeln,

Zu dulden und zu handeln,

Wie es der Gott im Busen,

Wie es die Pflicht gebeut!

Und wann Gewitterodem

Die bange Brust beklemmt;

Wann schwerer Schwefelbrodem

Der Wandrer Athem hemmt;

Wann rings die Festen wanken,

Der Erde Säulen schwanken,

So lass uns ruhig lächeln

Auf deinen Stab gestemmt.

Und wann wir einst vom Gipfel

Der Wallfahrt niederschaun

Auf abgeblühte Wipfel,

Und tiefverschneyte Au'n;

Wann rings auf Schutt und Trümmern

Geliebte Schatten wimmern,

Geheimes Graun uns schüttelt,

So banne du das Graun.

Und wann wir nun am Rande

Des öden Diesseits stehn,

Und zu dem stillen Lande

Hinüber sehnend sehn;

So lächl' uns, Glanz aus Eden,

Und durch des Hades Öden

Lass sel'ger Ahndung trunken

In jene Fern' uns gehn;