I. König Ludewich an die Gräffin de Montesp.
Kan auch die schwache hand die feder tüchtig führen?
Und können alle wort in rechter ordnung stehn?
Wenn strahl und blitz das hertz ja selbst die seele rühren
Wenn gifft und mattigkeit durch blut und adern gehn.
Allein der süsse trost den noch die hoffnung schencket
Hat so viel munterkeit dem krancken geist gebracht.
Daß er auf artzeney zu seinen wunden dencket
Auf pflaster vor sein heil von deiner hand gemacht.
Ein anblick deiner gunst kan meine schmertzen lindern
Und ein vergönter kuß hebt allen jammer auf.
Ach ärtztin komme bald! Ach laß dich nichtes hindern!
Ach eyle sonst vergeht mein kurtzer lebens-lauff.
Was aber fängstu du an bedencke dein begehren
Verwegner Ludewig! Halt halt die feder ein.
Wird dir denn ihre hand stracks artzeney gewähren?
Da sie vielleicht wohl ehr dein hencker wünscht zu seyn.
Ach nein das fürcht ich nicht die sanfftmuth-schwangern augen
Zertheilen allen dunst den mir das zweifeln macht.
Ließ sie daß erste mahl aus ihnen honig saugen
Wird sie wohl ietzund nicht auf galle seyn bedacht.
Und daß dir nicht mein wunsch in dunckeln worten stecke
Dieweil sonst deinen geist ein irrthumb möchte quäln;
Auch meine kranckheit sich der ärtztin recht entdecke
Muß ich den ursprung nur von meiner lieb erzehln;
Die grossen fürsten die vor Franckreichs wohlfahrt sorgen
Auf deren klugen witz sich stützet reich und kron
Die stunden ingesammt am nechst verwichnen morgen
Versamlet auff mein wort vor meinem hohen thron.
Ein ieder war bedacht den besten rath zu geben
Wie dieses grosse land noch weiter zu vermehrn.
Wie Teutsch- und Niederland vor Franckreich möchte beben
Und wie die feinde seyn in freunde zu verkehrn.
Des einen anschlag war mit Spanien zu brechen
Und eines andern rath gieng nach Meßina hin.
Der rieht die grosse macht Jtaliens zu schwächen
Und einem anderen lag Africa im sinn.
Viel wolten krieg und blut viel wolten ruh und frieden
Hingegen waren viel auf bündnisse bedacht.
Mit kurtzem aus dem rath war keiner noch geschieden
Dieweil der schluß noch nicht durch mein gebot gemacht.
Da trat ein d ener vor gebührlich anzumelden
Daß du begehretest ein gnädiges gehör.
Ich sagte willig ja die andern grossen helden
Beliebten insgesamt zu hören dein begehr.
Wie mir nun sey gewest als ich dich erst erblicket
Das weiß der himmel nnd kein: sterblicher sonst nicht.
Mich hat dein schönes aug mit solchem glantz bestricket
Daß ich auch auf dem thron mich dir zum knecht verpflicht.
Du kontest nicht so bald die zarten kniee beugen
Als in gedancken ich zu deinen füssen lag.
Du woltest mir zwar wohl als könig ehr erzeigen
Da deine Majestät schon meinen hochmuth brach.
Du flehetest um recht und batest dich zu schützen
Und mein geist lechzete nach deiner gütigkeit.
Es solte deine noth auff meinen arm sich stützen
Und dieser gantze leib war dir schon eingeweiht.
Ich willigt alles ein was du nur möchtest bitten
Weil du mit bitten auch kanst königen befehln.
Hastu nun deine feind und widrigen bestritten
So laß auch mich doch nicht mehr marter-stunden zehln.
Ach laß dein schönes aug mich nur einmahl anblicken
Und sey nicht abgeueigt dem der dich brünstig liebt.
Ein freundlichs lächeln kan den nebel-dampff ersticken
Der dies sonst muntre hertz mit angst und furcht betrübt.
Mein schatz mein trost mein licht ach sey mir doch gewogen
Du hast ja selbst geliebt und weist was lieben ist.
Dich hat ja weder wolff noch leu noch bär erzogen
Du bist ja nicht ernehrt durch grimme tyger-brüst.
Und wärstu gleich gebohrn aus felsen oder Eichen
Es hätt ein Leopard mit blute dich gestillt.
Es müste dir der schnee auf Zemblens bergen weichen
Du wärest durch und durch mit Caspisch-eiß erfüllt;
So würde doch mein schmertz die grausamkeit durchdringen
Würd er ein eintzig mahl von dir nur recht betracht.
Ich opffre dir mein blut dis wird dich ja bezwingen
Und wärestu durchaus von Diamant gemacht.
Will dann dein zarter mund mir gleichwohl widersprechen
Mit fürwand daß du seyst am andern ort verpflicht.
So wisse daß die welt ein solch gering verbrechen
An keinem könig strafft. Was thut ein könig nicht?
Zu dem was ist ein schatz den einer hält verschlossen?
Was nützt ein heil-brunn wohl den nur ein krancker trinckt?
Wenns monden silber thaut wird manche blum begossen,
Von wie viel augen wird Diana wohl gewinckt?
Die schönheit ist ein glaß mit Balsam angefüllet
Der seine wirckungen durch fleißig brauchen mehrt.
Durch ihre perlen-milch wird vieler durst gestillet
Jhr starcker Ambra wird durch keine glut verzehrt.
Laß dich durch kein geschwätz des albern pöbels schrecken
Cupido kehret nicht bey groben seelen ein.
Ein blöder geist kan nicht der liebe krafft entdecken
Die eh und liebe muß ein ding bey ihnen seyn.
Uns lässet die vernunfft viel besser dies ergründen
Weil wir mehr reine glut in unsern adern fühln.
Wir nennen es mit recht nur lauter schöne sünden
Dieweil wir ja auf nichts als lieb und freundschafft ziehln.
Wird mir dein purpur-mund gleich tausend küsse gönnen
So wird er ja darümb die rosen nicht verliern.
Vergönne daß ich mag die nelcken brechen können
Die deiner wangen schnee mit ihrer anmuth ziern.
Selbst Venus hat gepfllantz die liljen deiner brüste
Ach schönste laß mich doch auf ihren betten ruhn.
Die freyheit nennt sie zwar ihr sterb- und blut-gerüste
Allein ein solcher todt kan ja nicht wehe thun.
Es hat dir die natur umsonst nicht solche gaben
Und solche trefflichkeit verschwendrisch mitgetheilt.
Was deiner augen blitz und pfeil verwundet haben
Muß durch Granaten safft der lippen seyn geheilt.
Was deine schönheit hat mit flammen angestecket
Das muß der warme schnee in deinem busen kühln.
Hastu den seuftzer wind in dieser brust erwecket
So laß ihn schönste blum durch deine blätter spieln.
Nun weiter kan ich nicht die müde feder führen
Gedencke wer dich liebt huldreiche Montespan!
Der Purpur wird dich ja nicht schimpffen sondern zieren
Und daß kein fürsten-blut das minste flecken kan.
Ich wil indes die zeit mit hoffnung mir versüssen
Ach mache deine gunst durch wenig zeilen kundt.
Ich lebe zwar in furcht doch hoff ich noch zu küssen
Wie jetzund meinen brieff so künfftig deinen mund.