[Ich bin das reine Glaß/ das noch kein Staub befleckt]

By Hans Aßmann von Abschatz

Written 1672-01-01 - 1672-01-01

Ich bin das reine Glaß das noch kein Staub befleckt

Die Lilje welche noch die Bienen nicht besessen

Die Rose deren Blatt kein Käfer noch durchfressen

Das Wuschel-Kind das noch der Mutter Schale deckt

Das Ziel auff welches noch kein fremder Pfeil gezweckt

Der süsse Freuden-Brunn den noch kein Bley gemessen

Die Nuß aus der man kan das Lebens-Oele pressen.

Die Schnecke welche noch die Hörner nie gestreckt

Die Tochter keuscher Scham der Unschuld liebstes Kind

Die Aepffel-Blütte die nun fertig auffzuspringen

Das Müntzhauß drinnen man Vergnügungs-Schätze find

Die Festung welche durch ein einig Thor zu zwingen

Der Liebe Feuer-Zeug die Artzney deren Krafft

Auch Todte lebend macht die edle Jungfrauschafft.

Wie geht mirs aber nun? man flöst mir Nectar ein

Cupido will bey mir den Jungfern-Honig finden

Der Liebe Brand muß mir die Röthe mehr entzünden

Die Perle kan auch in der See nicht sicher seyn

Ein Bogen scharff besähnt zielt auff mein Helffenbein

Was ich verborgen hielt will Fürwitz doch ergründen

Die Liebes-Presse sucht aus mir den Safft zu winden

Mein Wohnhauß wird bestürmt und wär es noch so klein.

Die Mutter läst ihr Kind und weichet selbst darvon

Die Knospe platzet auff der Schatz wird mir gestohlen

Aus meiner Brustwehr wird des Uberwinders Thron

Der Venus-Zunder fängt und brennet endlich Kohlen

Den Arzt ertödtet selbst die fremd-erweckte Krafft

Und endlich stirbt dahin die edle Jungfrauschafft:

So hab ich viel Gefahr von aussen und von innen

Und sehe wie der Tod schon auff der Zunge sizt

Die Poltzen welche man mich zu verletzen spizt

Die List durch welche man mich trachtet zu gewinnen.

Die stets genährte Glutt der angefeurten Sinnen

Die Thränen welche man bey meinem Grabe schwizt

Die Vortheil welche man mich zu verletzen nüzt.

Sind Feinde die ja leicht mich Schwache fällen künnen.

Ich muß doch will ich nicht gantz ungerochen sterben

Den Sieger soll sein Schweiß nebst meinem Blutte färben

Wird mir der Ring entführt die Lantze biegt vom Streit

Man muß mir diesen Ruhm der Großmutt hinterlassen

Ist gleich mein Helden-Tod nicht ohn Empfindligkeit

Ich will doch meinen Feind und Mörder nimmer hassen.

Nun Nimphe finde dich nur willig zu der Bahre.

Ich dancke was ich kan der treu-gepflognen Hutt:

Gib ohne weigern hin mein unbeständigs Gutt.

Der grünen Jugend Preiß verfällt bey grauem Haare

Wer über rechte Zeit verhalten will die Wahre

Wird innen daß er ihm den meisten Schaden thut.

Ihr Schwestern folget nach mit kühnem Helden-Mutt

Was schadets daß man noch was unbekannt erfahre?

Seht wie beherzt ich geh auff dieser heissen Bahn:

Julinde gutte Nacht ich kan nicht länger bleiben

Der süsse Tod klopfft schon bey meinen Lippen an:

Im Fall ich nicht bey dir zu lange Zeit gehafft

So laß mir auff mein Grab mit steiffem Griffel schreiben

Hier liegt was mühens werth Julindens Jungfrauschafft.