Ich habs verdient, was will ich doch mich wider Gott viel sperren?

By Paul Gerhardt

Written 1641-01-01 - 1641-01-01

Ich habs verdient, was will ich doch

Mich wider Gott viel sperren?

Komm immer her, du Kreuzesjoch

Und bittrer Kelch des Herren!

Ohn Angst und Pein

Mag der nicht sein,

Der wider Gott gehandelt,

Wie ich getan,

Da ich die Bahn

Der schnöden Welt gewandelt.

Ich will des Herren Straf und Zorn

Mit willgem Herzen tragen,

In Sünden bin ich ja geborn,

Hab auch im Sündenwagen

Mit eitler Freud

Oft meine Zeit

Ganz liederlich verzehret,

Gott, meinen Hort,

In seinem Wort

Nicht, wie ich soll, gehöret.

Ich habe den gebahnten Steg

Verlassen und geliebet

Den gottvergessnen Irreweg;

Drum wird auch nun betrübet

Mein Herz und Mut

Durch Gottes Rut;

Er hält ein recht Gerichte

Vor seinem Thron,

Gibt Sold und Lohn

Mit völligem Gewichte.

Gott ist gerecht, doch auch dabei

Sehr fromm und voller Güte,

Die Vaterlieb und Muttertreu,

Die wohnt ihm im Gemüte.

Gott zürnet nicht,

Wie wohl geschicht

Bei uns hier auf der Erden,

Da mancher Mann

Nicht wieder kann

Zur Sühn erweichet werden.

Nein, traun! Das ist nicht Gottes Sinn,

Sein Zorn der hat ein Ende,

Wann wir uns bessern, fällt er hin

Und macht die strengen Hände

Sanft und gelind,

Hört auf, die Sünd

Hier bei uns heimzusuchen;

Gott kehrt den Grimm

Mit Gnaden üm

Und segnet nach dem Fluchen.

Das wird fürwahr auch mir geschehn!

Es solls ein jeder spüren.

Gott wird einmal zum Rechten sehn

Und meine Sach ausführen.

Sein Angesicht

Wird mich ans Licht

Aus meiner Höhle bringen,

Daß seine Treu

Ich frisch und frei

Erzählen mög und singen.

Drum freut euch nicht, ihr meine Feind,

Ob ich darniederliege,

Denn mein Gott wird, eh ihr vermeint,

Mir helfen, daß ich siege.

Sein heilge Hand

Wird meinen Stand

Schon wieder feste gründen;

Es wird sich Freud

Und gute Zeit

Nach trübem Wetter finden.

Ich bin in Not und weiß doch nicht

Von rechter Not zu sagen,

Denn Gott ist meines Herzens Licht;

Wo das ist, muß es tagen

Auch in der Nacht,

Da sich die Macht

Der Finsternis vermehret.

Wann dieses Licht

Mir scheint, so bricht

Und fällt, was mich beschweret.

Es kommt die Zeit und ist nicht weit,

Da will ich jubilieren;

Der aber, der mich jetzt verspeit

Und pfleget zu vexieren

In meiner Not:

Wo ist dein Gott?

Der wird mit Schanden stehen;

Er wird mit Hohn,

Ich mit der Kron

Der Ehren davon gehen.