[Ich kan nicht lustig seyn/ mein traurig Hertze weinet]

By Hans Aßmann von Abschatz

Written 1672-01-01 - 1672-01-01

Ich kan nicht lustig seyn mein traurig Hertze weinet

Wenn mein verstellter Mund erfreut zu lachen scheinet

Die Sprache zwinget sich das Hertze saget nein

Es komme wie es will ich kan nicht lustig seyn.

Ich weiß nicht was mir fehlt; ich darff nicht Mangel leyden

Des milden Himmels Gunst hat mir mein Theil bescheiden

Obgleich kein Uberfluß im Kasten wird gezählt

So reicht es immer zu ich weiß nicht was mir fehlt.

Mir mangelt freyer Mutt ich darff nicht Liebe klagen

Kan keuscher Ehe Frucht auff beyden Armen tragen

Die Ehrsucht plagt mich nicht die manchem wehe thut

Nur das ist mein Beschwer mir mangelt freyer Mutt.

Der schwache Leib empfind wohl offt Beschwerligkeiten

Und sieht ihm allgemach sein frühes Grab bereiten

Trägt seinen Tod mit sich doch iedes Adams Kind

Fühlt unterweilen was der schwache Leib empfind.

Die krancke Seele drückt wohl auch ein schwer Geblütte

Jedoch am meisten steckt der Mangel im Gemütte

Durch Hoffnung naher Grufft wird offt der Geist erquickt

Wenn matter Glieder Last die krancke Seele drückt.

Ich leide steten Zwang bin bey vergnügten Stunden

An stille Traurigkeit Verdruß und Angst gebunden

Bin wachend voller Schlaff und bey Gesundheit kranck

Bey Leben halber Tod ich leide steten Zwang.

Ich bin mir selber gram daß ich mich nicht kan zwingen

In ungezwungner Lust ein Stündchen hinzubringen

Und mehre den Verdruß durch Ungedult und Scham

Doch thu ich was ich will ich bin mir selber gram.

Wer lindert meine Qual? Last Gold und Silber fliessen

Last mich der Perlen Staub Corallen-Blutt geniessen

Bringt saure Quellen her und zieht den Geist aus Stahl

Diß alles hilfft mich nicht: Wer lindert meine Qual?

Kein Arzt verschafft mir Rath glückselig ist im Leben

Wem Gott ein frölich Hertz und freyen Sinn gegeben;

Wofern der Höchste diß nicht mitgetheilet hat

Ist alle Müh umsonst kein Arzt verschafft mir Rath.

Ach komm gewünschter Tod du Artzney vieler Klagen

Du Anfang süsser Ruh du Ende schwerer Plagen

Lust-Pforte Freuden-Schlaff Besieger aller Noth

Ich sehne mich nach dir ach komm gewünschter Tod.

Willkommen liebes Grab du Wohn-Hauß vieler Brüder

Der Müden Schlaff-Gemach du Ruhstatt sichrer Glieder

Ich lege meine Noth mit Freuden bey dir ab

Und sage wohlgemutt: Willkommen liebes Grab!