[Ich rede nicht wie vor so frey]

By Hans Aßmann von Abschatz

Written 1672-01-01 - 1672-01-01

Ich rede nicht wie vor so frey

Mein Auge klebt der Erden an

Und findet sich mit Furcht herbey

Wo man dich Nimphe schauen kan;

Verbrochne Seufftzer und gestohlne Blicke

Sinds die ich dir mein Kind entgegen schicke.

Der strengen Auffsicht scharffe Wacht

Die Neyd und Eyfer um uns stellt

Nimmt ein iedweders Wort in acht

So uns von ungefähr entfällt

Heist unsre Unschuld stets in Sorgen stehen

Und zwischen Dorn und Eiß behutsam gehen.

Die schlimme Welt denckt Ich und Du

Müß ihr an Boßheit gleiche seyn

Dringt sich mit schälem Aug herzu

Greifft unsern keuschen Freuden ein

Und wolte gern was sie nicht kan genüssen

Auch andern ohne Schuld verboten wissen.

Zwar wehe thut der schwere Zwang

Zu dem man uns verbinden will;

Jedoch wird solcher Uberdrang

Auch haben sein gestecktes Ziel.

Der Tugend reines Kleid kan nichts beflecken;

Die Zeit wird unser Recht der Welt entdecken.

Der beste Rath ist hier Gedult:

Bleib mir beständig wie du bist

Ich lebe dir in stillem hold

So brechen wir der Feinde List.

Wenn Redligkeit sich kan zun Sternen heben

Muß der Verleumder Maul im Kothe kleben.