[Ich soll nunmehr die Schrecken-reiche Bahn]

By Hans Aßmann von Abschatz

Written 1672-01-01 - 1672-01-01

Ich soll nunmehr die Schrecken-reiche Bahn

Die keiner kömmt zurücke treten an

Die Seele bebt das Hertze will erkalten

Doch Jesus wird mich auch im Tod erhalten.

Ein schmaler Weg voll Dornen Sand und Stein

Führt mich durch Berg und Thal in Himmel ein

Doch Jesus hat mir schon die Bahn gebrochen

Viel Väter sind ihm freudig nachgekrochen.

Entgleitet mir der Ohnmachts-volle Fuß

Der allbereit von unten sterben muß

Ich falle nicht weil ich zum Stul und Stabe

Des Herren Creutz und offne Seiten habe.

Er ist der Arzt der mit durchgrabner Hand

Befühlet wie mein schwacher Pulß bewand

Sein theures Blutt das er mir selbst verschreibet

Macht daß man auch im Tode lebend bleibet.

Sein Liebes-Brand entzündt der Glieder Eiß

Sein kühler Trost wischt ab den Todes-Schweiß

Sein süsses Wort bestillt mein kläglich Aechzen

Sein Myrrhen-Tranck der matten Seelen Lechzen.

Die Zunge schweigt das Hertze glaubt und hofft

Ich höre nichts als wie mir Jesus rufft

Ich sehe nichts als wie mich Jesus führet

Wo ewge Lust und Wonne wird gespüret.

Wer wolte nicht mit Freuden folgen nach?

Besucht der Leib sein kaltes Schlaff-Gemach

Er wird auch da des Herren Erde finden

Und ihn der Herr wenn alle Welt muß schwinden.

Drum ob der Tod mich auff die Folter zieht

Ob Schmertz und Weh durchgehen iedes Glied

Ob man den Leib zur Würme Kost begräbet

So weiß ich doch daß mein Erlöser lebet.

Ich bin gewiß daß mein Erlöser lebt

Vor dessen Thron die reine Seele schwebt

Die durch sein Blutt gewaschen ist von Sünden

Die Noth und Tod aus seiner Hand nicht winden.

Ich bin gewiß daß mein Erlöser lebt

Der meinen Leib aus seiner Asch' erhebt

Der meine Bein' erfüllt mit neuen Kräfften

Und diese Haut diß Fleisch daran wird hefften.

Ich bin gewiß daß mein Erlöser lebt

An dem mein Aug' und gantzes Hertze klebt

Mein Auge das nicht fremdem Auge trauet

Das Gott ihm selbst und keinem andern schauet.

Wie selig wer diß ungeschaffne Licht

Kan sehen mit verklärtem Angesicht

Besizt wornach manch gläubigs Hertze strebet

Und sieht und weiß daß sein Erlöser lebet!