[Ich will lachen, ich will scherzen]

By Johann Christian Günther

Written 1709-01-01 - 1709-01-01

Ich will lachen, ich will scherzen,

Ob es gleich den Neid verdreust,

Andre mögen Grillen fangen,

Nichts ermuntert mein Verlangen,

Nichts bekümmert meinen Geist

Als der Wechsel treuer Herzen.

Eilt man nicht in Rosenbrechen,

Lauft der Vortheil aus der Hand;

In der Jugend Frühlingsjahren

Steckt der Kram verliebter Wahren,

Aber auch der Unbestand.

Brecht, eh Reu und Dörner stechen!

Eh noch Glut und Kraft verrauchen,

Trägt der Kuß Zufriedenheit;

Heute lebt man ohne Sorgen,

Gott und Vorsicht weis, ob morgen;

Ey, so lerne man der Zeit

Bey Gesellschaft recht gebrauchen.

Ohne Lieben ist das Glücke

Hier auf Erden nichts als Dunst;

Reichthum kan den Gram nicht lindern,

Ehre kan den Schmerz nicht mindern,

Nur die Liebe kan die Kunst.

Eitle Wüntsche, bleibt zurücke!

Aus der Liebe quillt Vergnügen

Und der Nachschmack güldner Zeit;

Ein galant und treu Gemüthe

Reizt uns nebst der Schönheit Blüthe,

Bis die Wollust Flammen streut.

Ach, mein Herz, halt dies verschwiegen!

In des Mundes Purpurhöhlen

Nimmt der Kuß noch größre Kraft.

Von dem Warthen wächst der Zunder,

O wie viel Entzückungswunder

Nähren nicht die Leidenschaft

Gleich und klug verliebter Seelen.

Rühmt mir auch nicht blos das Prangen

Einer Haut, die auswärts gleißt!

In den Farben ohne Leben

Find ich lauter Eckel kleben;

Find ich aber Wiz und Geist,

Ey, so bin ich gleich gefangen.

Es erwehlt mein Herz zwo Lippen,

Nur es hält sich annoch still;

Bergt ihrs auch, ihr losen Augen,

Euer stetig Feuersaugen

Redet so bereits zu viel.

Grade zu stößt oft an Klippen.