IDie Landung

By Conrad Ferdinand Meyer

Written 1861-01-01 - 1861-01-01

Schiffer! Wie nennst du dort im Wellenblau

Das Eiland? – „Herr, es ist die Ufenau!“

Ein grüner Ort. Dank, Zwingli, für die Rast,

Die du, der Gute, mir bereitet hast!

In braunen Wölklein wirbelt auf ein Rauch,

Bewohnt von Menschen scheint das Eiland auch.

Willkommen, mein gewünschtes Ithaka!

Ein irrender Odysseus bin ich ja.

Viel kämpfen, edler Dulder, beide wir;

In andern Stücken gleich ich wenig dir

Und nicht im Eignen werd ich wohnen dort,

Ich bleibe Gast auf Erden immerfort.

Dir, Vielgewandter, ward ein besser Los,

Der du im Fabeln und im Lügen groß!

Auch ohne deine Göttin fahr ich hier...

Ein Kirchlein winkt herüber still zu mir

Und dort! Ein Mann erwartet mich am Strand.

Er grüßt. Den Priester kündet das Gewand.

Es ist der Arzt, den Zwingli mir verhieß...

Hier waltet Friede wie im Paradies!

Die Wache hält ein Eichbaum düsterkühn

Und färbt den kleinen Hafen dunkelgrün.

Der Ferge mäßigt seinen Ruderschwung

In breiter Abendschatten Dämmerung.

Mein Wirt, der Pfarrer, hat ein mild Gesicht,

Mit diesem Antlitz disputier ich nicht...

– „Die Hand, Herr Hutten! Tretet aus dem Kahn!

Ihr seid's. Das Falkenauge zeigt es an.“

Wes ist der Boden? – „Klostergut. Doch jetzt

Schier herrenlos; hier wohnt Ihr unverletzt.“

Wie stark ist, Pfarrer, die Besatzung hier?

– „Der Schaffner drüben, ich und, Ritter, Ihr.“

Du gibst mir Herberg unter deinem Dach?

– „Ihr habt in meinem Haus das Gastgemach.

Hier durch! Jetzt. Ritter, bückt Euch, tretet ein!

Die Tür ist niedrig, das Gemach ist klein;

Doch steht der Bau nach allen Seiten frei,

Ihr schlürfet Bergluft ein als Arzenei

Und schauet auf den hellsten See der Schweiz,

Blickt aus! Er ist nicht ohne Augenreiz.

Dem einen Ufer fern, dem andern nah,

Haust, Ritter, Ihr nicht allzu einsam da.

Macht's Euch bequem! Hier werdet Ihr gesund!“

Ich glaub's. So oder so! Wahr spricht dein Mund.