Idylle
Written 1813-01-01 - 1813-01-01
Dem festlichen Tage
Begegnet mit Kränzen,
Verschlungenen Tänzen,
Geselligen Freuden
Und Reihengesang.
Wie sehn ich mich aus dem Gedränge fort!
Wie frommte mir ein wohlverborgner Ort!
In dem Gewühl, in dieser Menge
Wird mir die Flur, wird mir die Luft zu enge.
Nun ordnet die Züge,
Daß jeder sich füge
Und einer mit allen,
Zu wandeln, zu wallen
Die Fluren entlang.
Vergebens ruft, vergebens zieht ihr mich;
Es spricht mein Herz; allein es spricht mit sich.
Und soll ich beschauen
Gesegnetes Land,
Den Himmel, den blauen,
Die grünenden Gauen,
So will ich allein
Im stillen mich freun.
Da will ich verehren
Die Würde der Frauen,
Im Geiste sie schauen,
Im Geiste verehren;
Und Echo allein Vertraute soll sein.
Und Echo – allein –
Vertraute – soll sein.
Wie find ich dich, mein Trauter, hier!
Du eilest nicht zu jenen Festgesellen?
Nun zaudre nicht und komm mit mir,
In Reih und Glied auch uns zu stellen.
Willkommen, Freund! doch laß die Festlichkeit
Mich hier begehn im Schatten alter Buchen:
Die Liebe sucht die Einsamkeit;
Auch die Verehrung darf sie suchen.
Du suchest einen falschen Ruhm
Und willst mir heute nicht gefallen.
Die Liebe sei dein Eigentum;
Doch die Verehrung teilest du mit allen!
Wenn sich Tausende vereinen
Und des holden Tags Erscheinen
Mit Gesängen,
Freudeklängen
Herrlich feiern,
Dann erquickt sich Herz und Ohr;
Und wenn Tausende beteuern,
Die Gefühle sich erschließen
Und die Wünsche sich ergießen,
Reißt es kraftvoll dich empor.
Lieblich hör ich schon von weiten,
Und es reizet mich die Menge;
Ja, sie wallen, ja, sie schreiten
Von dem Hügel in das Tal.
Laß uns eilen, fröhlich schreiten
Zu dem Rhythmus der Gesänge!
Ja, sie kommen, sie bereiten
Sich des Waldes grünen Saal.
Ja wir kommen, wir begleiten
Mit dem Wohlklang der Gesänge
Fröhlich, im Verlauf der Zeiten,
Diesen einzig schönen Tag.
Worauf wir zielen,
Was alle fühlen,
Verschweigt, verschweiget!
Nur Freude zeiget!
Denn die vermag's;
Ihr wird es glücken,
Und ihr Entzücken
Enthält die Würde,
Enthält den Segen
Des Wonnetags!