[Ihr bleichen buhler schwartzer zeit]
By Christian Hoffmann von Hoffmannswaldau
Written 1647-01-01 - 1647-01-01
Ihr bleichen buhler schwartzer zeit
Die ihr die nächte zieret
Und flammen voller lieblichkeit
Durch trübe wolcken führet
Werfft einen strahl
Von eurem saal
Und schaut ob meine schmertzen
Sich gleichen euren kertzen.
Die gantze welt sinckt itzt zur ruh
Nur meine seuffzer wachen.
Die sonne drückt ihr auge zu
Mir meines auffzumachen.
Dort euer schein
Hier meine pein
Die geben zu verstehen
Daß sie nicht schlaffen gehen.
Ihr fackeln seyd itzt hochgestellt
Ich lieg im leid begraben:
Euch rühmt der weite kreyß der welt
Ich weiß kein lob zu haben.
Ihr kennt kein joch
Mich drückt es noch
Ihr könnt die flammen zeigen
Und ich muß sie verschweigen.
Nun Polydorus bleib allhier
Und fechte mit gedancken.
Furcht und betrübniß zeigt sich dir
In des gemüthes schrancken.
Diß was mein geist
Mich hoffen heist
Vergleicht sich euch ihr sternen
Es zeigt sich nur von fernen.
Mein sinn ist wie ein grünes land
Da hoffnungs-blüten prangen
Die doch des glückes falsche hand
Läst keine frucht erlangen.
Des geistes glut
Der augen flut
Der pein in meinem hertzen
Ist mehr als eurer kertzen.
Ich bin ein schiff der liebes-see
Das wind und wetter plaget
Dem unglück hoffnung furcht und weh
Durch mast und segel jaget.
Hier zeiget sich
Kein port für mich
Dieweil ich itzt muß meiden
Den leitstern meiner freuden.
Ich weiß weil mich die noth bekriegt
An mehr als tausend enden
Daß Amaranthe ruhig liegt
In Morpheus süssen händen.
Daß ihre brust
Nicht ohne lust
Wird auff und nieder reisen
Da mich die thränen speisen.
Ihr sterne lasst das blaue dach
Und sencket euch hernieder
Erfüll't ihr kühles schlaffgemach
Erwecket ihre glieder!
Verschweigt ihr nicht
Wie meine pflicht
Mehr thränen hier vergossen
Als sie der lust genossen.
Zeigt ihr was Polydorus macht
Der in dem feuer lebet
Wie alle noth bey ihm erwacht
Und schrecken um ihn schwebet.
Wie furcht und pein
Hier schwestern seyn
Und dieses ihn betrübet
Was er zu treu geliebet.
Rufft ihr in meinem namen zu:
Der Polydorus wachet
Weil Amaranthe in der ruh
Der süssen träume lachet.
Es scheint mein hertz
Läst solgen schmerz
So reichlich hier entspriessen
Weil thränen mich begiessen.
Doch glaube daß die rundte flut
Nicht ohne feuer qvillet.
Ich schwere daß sie geist und blut
Mit tausend flammen füllet.
Wer bey der nacht
Der träume lacht
Soll diese straff erkennen
Er soll bey tage brennen.