[Ihr/ die die harte Last der schweren Sünde drückt]
Written 1672-01-01 - 1672-01-01
Ihr die die harte Last der schweren Sünde drückt
Die ihr mit Hertzens-Angst mühselig seyd beladen
Kommt spricht der Herr kommt her zum Tische meiner Gnaden
So werdet ihr mit Trost und Hülffe seyn erquickt
Die Seele wird euch rein das Hertze leicht gemacht
Das Brod das ich euch will zur süssen Speise schencken
Ist mein selbst eigner Leib vor eure Schuld geschlacht
Der Tranck damit ich will die matten Glieder träncken
Ist mein selbst eignes Blutt am hohen Creutz-Altar
Vor eure Missethat geopffert und vergossen.
O Jesu was du sagst ist ohngezweifelt wahr
Die Worte welche selbst aus deinem Munde flossen
Sind ohne Widerstreit. Wie schwach ich immer bin
Wie sehr sich die Vernunfft dir will entgegen setzen
So will ich solche doch in keinen Zweifel ziehn
Vor Wercke deiner Gnad und deiner Allmacht schätzen.
Ich fasse sie mit Lust von deinen Lippen auff
Und lasse sie erfreut durch Marck und Seele dringen.
Ich eil O Herr zu dir doch hemmen meinen Lauff
Die Sünden welche mich zum öfftern Falle zwingen
Die überhäuffte Schuld so mein Gewissen nagt
Spricht daß ich deiner Gunst ohnwürdig sey zu achten
Macht daß ich mich zu dir zu finden bin verzagt
Und mein betrübter Geist von Aengsten will verschmachten.
Und dennoch wiltu Herr ich soll mich finden ein
Auff deine Güttigkeit vertrösten mein Gewissen
Und offtermahls ein Gast bey deiner Taffel seyn
Im fall ich deiner Gnad und Gütter will genüssen
Dein Göttlich Himmel-Brod soll meinen schwachen Geist
Mit höchster Süßigkeit zum ewgen Leben stärcken.
Ach Herr wer bin ich doch dem du so viel veheißt
Wie hab ich diß verdient mit meinen schnöden Wercken!
Ihr die die harte Last der schweren Sünde drückt
Die ihr mit Hertzens-Angst mühselig seyd beladen
Kommt sagstu her zu mir zum Tische meiner Gnaden
So werdet ihr mit Trost und Hülffe seyn erquickt
Die Seele wird euch rein das Hertze leicht gemacht
O süsse Liebes-Wort! O Worte voller Leben!
Ein armer Sünder wird an deine Taffel bracht
Du wilt ihm selber dich zur edlen Speise geben.
Du hast es Herr gesagt: daran begnüget mir
Ob dich die Engel gleich mit höchster Ehr-Furcht schauen
Ob die Gerechten gleich mit Schrecken nahn zu dir
So kan ich Sünder doch auff deine Worte trauen
Und zu dir treten hin Herr nimm mich gnädig an
Und weil ich nicht genung mit vorgenommner Reue
Die auffgeladne Schuld vor dir beweinen kan
Aus Sünden-voller Art mich dannenher mit Scheue
Vor dir befinden muß und deiner hohen Gunst
O Gnadenreicher Herr nur leyder! ohnwerth nennen;
Erwecke du in mir der wahren Busse Brunst
Und laß mein kaltes Hertz in wahrer Andacht brennen.
Reiß was noch weltlich ist von meinen Sinnen aus
Und laß mich würdiglich zu deiner Taffel gehen
Und wenn gereinigt ist der Seelen edles Hauß
So laß es dir allein zur Wohnung offen stehen!