Ii. Die Gräfin de Montespan an Ludewich den König.
Ein unverhoffter brieff von mehr als hohen händen
Hat sinnen und verstand mir gantz bestürtzt gemacht.
Ich weiß nicht ob mein glück mich suchet zu verblenden
Und daß die schmeichlerin mit falschen munde lacht.
Es will mir iede reyh ja iedes wort beschreiben
Wie dein entflammtes hertz mir süssen weyrauch brennt.
Ich soll gelindes öhl in deine wunden reiben
Und deine kranckheit hat zur ärtztin mich ernennt.
Ach aber was ist dies! ein könig wil mich lieben
Der grosse Ludewich verlanget meine gunst?
Es scheint die schickung will ihr spiel an mir verüben
Und machen asch und staub aus dieser heissen brunst.
Ach lasse mich mein fürst in niedern thälern bleiben
Auf bergen kommet man den blitze gar zu nah
Es kan mir Jearus ein bild für augen schreiben
Wie der den stoltzen muht so schrecklich fallen sah.
Ich mag großmächtigster nicht mehr zu hoffe gehen
Bey hoffe-lufft verwelckt der keuschheit blume bald.
Die sonnen können da nicht ohne wolcken stehen
In einem augenblick ist glut und feuer kalt.
Wer ist wohl auff dem eiß des hoffes nicht geglitten?
Wen fängt das schlimme garn der süssen worte nicht?
Wird nicht durch hofes griff die tugend auch bestritten?
Weil da die falschheit selbst die schönsten worte spricht.
Zu dem ist solcher glantz der schönheit nicht zu finden
An deiner schlechten magd wie deine feder schreibt.
Mein blödes ange kan kein helden-hertze binden
Und meinen lippen ist kein Purpur einverleibt.
Es trägt ihr bleicher rand nichts als verdorrte Nelcken
Und auf den wangen sind die Rosen schon verblüht.
Mein halß vergleichet sich Nareissen die verwelcken
Die brüste tragen schnee indem kein feuer glüht
Durch hohe reden kan mein geist sich nicht entdecken
In meiner seelen wohnt ein niedriger verstand
Ich kan die schalckheit nicht in bunte schaalen stecken
Und meinen sinnen ist die hoffart unbekandt.
Ja was ein mehres ist bin ich nicht schon gebunden?
Ich bin mit mund und hand an meinen mann getraut
Es hat des ehstands netz die freyheit mir umbwunden.
Der liebe Myrthen seyn mir ein verbotnes kraut.
Wie kan ich ohne schimpff aus diesem cirkel gehen?
Den priesters hand umb mich und meinen mann gemacht:
Es muß kein geiles aug in meinen spiegel sehen
Denn dadurch werden ihm nur flecken zugebracht.
Du schreibest grosser Fürst! Ich soll des pöbels lachen;
Stopfft man dann auch dadurch der leute mäuler zu?
Du darffst dir keine sorg umb andrer urtheil machen
Mir aber wird dadurch vergält die süsse ruh.
Allein wo denck ich hin? ich flehe tauben ohren
Auf könige befehl muß man gehorsam seyn.
Hat unglück oder glück zum balle mich erkohren
So gibt mein gantzes hertz gedultig sich darein.
Wird schönheit und verstand der liebe zunder fehlen
Geb ich mich höher nicht als eine selavin an
Will deine gütigkeit nicht meine mängel zehlen
Werd ich geflissen seyn wie ich dir dienen kan.
Hat meine wenigkeit dein hoher geist erkohren
Muß ich ja billig nach vermögen danckbahr seyn.
Zwar hab ich lieb und treu zu meinen mann geschworen
Allein des königs recht reist schwur und bindniß ein!
Bin ich den nun befreyt von dem dem ich versprochen
So hält mich keine macht von deiner glut zurück.
Durch diese liebe wird kein eyd von mir gebrochen
Und was dein scepter schützt berührt kein unglück.
Wolan so seys gewagt ich gebe mich gefangen
Mein hertze spühret schon den kercker drinn es liegt.
Doch werd ich dieses lob zum wenigsten erlangen
Daß mich der gröste held der erden hat besiegt.
Und muß ich gleich dafür in höchstem grad ertragen
Des mannes eiffersucht den haß der königin
Soll doch dies alles nie die liebe niederschlagen
Zu welcher ich von dir o printz! bewogen bin.
Ja ja ich wils gestehn mein licht mein trost ich liebe
Denn wer muß nicht verliebt von deinen augen gehn?
Die adern schwellen mir von diesen süssen triebe
Des hertzens brandt läst sich schon durch die augen sehn.
Die lippen wollen sich mit neuem Purpur decken
Und ihre Rosen feucht ein frischer Balsam an:
Dieweil sie schon die lust von deinen küssen schmecken
Dem Zucker und Zibeth kein wasser reichen kan.
Die wangen fangen an sich schöner zu bemahlen
Als da Cupido sie zu erst boschämt gemacht
Sie mercken allgemach wie deiner augen strahlen
In ihrer Nelcken blüht neur leben hat gebracht.
Ich kan ein heisser feur in meinen brüsten spühren
Dieweil die liebe selbst die kohlen angelegt.
Ich fühle daß sie sich mit kürtzern feufzern rühren
Daß aus den gipfeln gluth in röthern flammen schlägt.
Daß sich ihr schnee vermehrt die Liljen sich verstärcken
Und grössre liebligkeit auf ihrem milch-meer schwimmt.
Weil sie durch antrieb der erhitzten geister mercken
Daß sie zu deiner lust mein könig seyn bestimt.
Die armen sehnen sich dich Helden zu ümbfangen
Mein brünstigs hertze baut dir tempel und altar
Ich küsse deinen mund in sehnlichen verlangen
Und will die deine seyn biß auf die todten-baar.
Nun hiermit lebe wohl der himmel wolle schencken
Was dein verlangen setzt in selbst erwünschte ruh
Ich will indeß auf nichts als dein vergnügen dencken
Und schliessen meinen brieff in tieffster damuth zu.