Ii. Die Wachteln.

By Johann Jacob Bodmer

Ein unzehlbares Wachtelnheer

Befand sich allbereit am Strande,

Und zielte stündlich über Meer

Nach jenem weitentlegnen Lande.

Eh sie die Reise unternahmen

Verschlückten sie den Bilsensamen,

Wenn sie die Artzeney genommen,

Von ihrer Fettigkeit zu kommen;

Dieweil des Fettes schwere Bürde

Sie sonst am Streichen hindern würde.

Doch hörte man die Jungen zancken,

Die einen sagten: Wir erkrancken,

Wenn wir so viele Tage fasten.

Die andern sprachen: Auszurasten,

Ist auf dem unbegräntzten Meer

Kein Aufenthalt für unser Heer.

Zudem ist unser schwacher Flug

Vom Untergange Vorboths gnug.

Die Alten sprachen: Sorget nicht,

Es dienet euch zum Unterricht,

Daß wir nicht eh von Lande gehen,

Biß daß die guten Winde wehen.

Auch finden wir bey Sturm und Wetter

Jm Meer an allen Orten Blätter,

Auf welche sich die Müden setzen,

Und dieses sonder sich zu netzen.

Es ist uns noch ihr lieben Jungen,

Auf allen Reisen wohl gelungen.

Die kluge Rede fand Gehör,

Sie machten sich gefaßt zur Reise

Und thaten nach der Aeltern Weise.

Jzt gieng der Zug hoch über Meer,

Und sie erfuhren gleich den Alten

Daß Jupiter die gantze Schaar

Vor augenscheinlicher Gefahr

Durch seinen weisen Schutz erhalten.